Medienapostolat

Robert Barron: "Die Welt heiligen"

Der amerikanische Bischof Robert Barron nutzt wie kein anderer Medien und Popkultur, um Menschen an Christus heranzuführen. Ein Gespräch über den Versuch, Laien an ihre Mission zu erinnern und Christus in alle Bereiche des Lebens zu tragen.
Bischof Barron
Foto: World On Fire | Bischof Robert Barron unterhält in den USA ein viel beachtetes Medienapostolat.

Exzellenz, Sie haben das Medienapostolat "Word on Fire" gegründet. Wie kamen Sie auf die Idee, im Internet zu evangelisieren?

Vor ungefähr 20 Jahren habe ich mir die Frage gestellt, ob wir Katholiken die Chance verpassen, über die Medien zu evangelisieren. Obwohl zum Beispiel Bischof Fulton Sheen (A.d.R.: 1895-1979, Bischof von Rochester, USA) ein großer Pionier in diesem Bereich gewesen ist, hatten wir nicht effektiv daran angeschlossen. Ich hatte den Eindruck, dass unsere protestantischen Geschwister die Medien wesentlich kreativer nutzten als wir. Als ich all diese Gedanken mit einem älteren Priester und guten Freund teilte, antwortete der höflich: "Und was tust du dagegen?" Das war für mich ein Ansporn, einfach anzufangen.

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Welche positiven und negativen Seiten gibt es bei der online-Evangelisierung?

Die positiven wie negative Seiten sind recht klar: Einerseits haben wir nicht nur die Gelegenheit, ein breites Publikum zu erreichen, sondern auch solche Menschen, bei denen es sehr unwahrscheinlich ist, dass sie jemals eine Kirche betreten oder an einem Programm in einer katholischen Gemeinde teilnehmen würden. Viele Leute, die sich von der Religion abwenden, leben im Internet, und über die sozialen Medien haben wir eine Chance, sie zu erreichen. Andererseits ist das Internet an vielen Stellen ein düsterer und gefährlicher Raum, wo Menschen sich frei fühlen, ihre Wut und ihren Zorn herauszulassen, und ihre bösartigsten Gedanken zu teilen. In mancher Hinsicht macht es das zu einer sehr ungesunden Umgebung für Gläubige.

Erhalten Sie Nachrichten oder Geschichten von Menschen, die sich wegen "Word on Fire" bekehrt haben?

Ja, Gott sei Dank. Eine Menge davon! Was mich oft beeindruckt, ist, wie viele Leute wie zufällig über ein Video von mir stolpern, das wie ein Same präsent bleibt. Dieser Same wächst durch die Gnade Gottes manchmal in ein tieferes Interesse und schließlich in einen echten Glauben.

"Das Konzil bestand darauf,
dass es die Aufgabe der Laien sei, die Welt zu heiligen"

Welchen säkularen Film würden Sie jedem Katholiken empfehlen?

"Gran Torino" von Clint Eastwood präsentiert die effektivste Interpretation von Christus Victor (Christus Sieger), die ich kenne. Die Figur, die Eastwood spielt, Walt Kowalski, erscheint darin als eine der ungewöhnlichsten, aber auch faszinierendsten Christus-Figuren der neueren Filmgeschichte.

Die US-amerikanische Bischofskonferenz hat Sie zum Vorsitzenden des Komitees für Laien, Ehe, Familienleben und Jugend gemacht. Welche Ziele haben Sie für Ihre Amtszeit?

Ich habe schon lange den Eindruck, dass die Lehren des Zweiten Vatikanums zu den Laien zu einem großen Teil nicht umgesetzt wurden. Das Konzil bestand darauf, dass es die Aufgabe der Laien sei, die Welt zu heiligen, zu "christifizieren": das heißt, Christus in Politik, Bildung, Kultur, Medizin und Unterhaltung tragen. Die Konzilsväter lehrten, dass die Welt das angemessene Feld für die Laien ist, wo sie ihre Expertisen und Fähigkeiten einbringen können   mit der Unterstützung von Priestern, die sie lehren und heiligen. Zu oft hat nach dem Konzil eine gewisse Klerikalisierung der Laien stattgefunden, anstelle einer echten Stärkung der Laien, damit sie ihre Mission erfüllen können. In meiner Zeit als Vorsitzender dieses wichtigen Komitees möchte ich die Menschen stärker dafür sensibilisieren.

Hat die Diskussion um den Kommunionempfang von Politikern, die Abtreibung befürworten, dabei geholfen, ein neues Bewusstsein für das katholische Verständnis der Eucharistie zu schaffen?

Ja, insofern, als es den Blick für die zentrale Wichtigkeit der Eucharistie schärft. Thomas von Aquin sagte, dass in anderen Sakramenten die Kraft Christi (virtus Christi) operativ, also aktiv ist, dass aber in der Eucharistie Christus selbst (ipse Christus) wirklich präsent ist. Genau das ist der Grund, warum die Kirche die Eucharistie so ernst nimmt, und sich mit der richtigen Haltung auseinandersetzt, in der man sie empfangen soll.

Sich der Realpräsenz des Herrn zuzuwenden,
ist kein Zeichen eines schlichten oder unintellektuellen Gemüts.

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Viele katholische Konferenzen bieten heute Gelegenheit zur Anbetung. Was macht Anbetung so attraktiv und wirksam?

Die Menschen sind heutzutage so abgelenkt durch ihre vielen technischen Spielereien, und durch die praktischen Forderungen, die ständig an sie gestellt werden. Die Anbetung des Allerheiligsten Sakraments ist eine Oase der Kontemplation in dieser Wüste.

Wie kann man Menschen, die, auch durch liturgische Experimente im nachkonziliaren Zeitraum, ein rationalistisches Bild auf den Glauben haben, von der Wichtigkeit der Anbetung überzeugen?

Ich würde sie daran erinnern, dass einige der größten Intellektuellen in der Geschichte der Kirche   Thomas von Aquin, John Henry Newman, Jacques Maritain, Edith Stein, G. K. Chesterton, Johannes Paul II., um nur einige zu nennen   eine tiefe Hingabe zum Allerheiligsten Sakrament pflegten. Sich der Realpräsenz des Herrn zuzuwenden, ist kein Zeichen eines schlichten oder unintellektuellen Gemüts.


Robert Barron wurde 1986 in Chicago, Illinois zum Priester geweiht. Im Jahr 2000 gründete er das Medienapostolat "Word-On-Fire-Ministries", deren Videoreihen und Programme auf Fernsehsendern wie EWTN oder im Internet verbreitet werden. Seine Videos haben bis heute circa 84 Millionen Klicks erreicht. Seit 2015 ist er Weihbischof von Los Angeles.  

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