Neuevangelisierung

Evangelisation als einziger Weg der Kirche

Weltweite Vernetzung. Die führenden Köpfe der internationalen Evangelisierungsbewegungen veranstalteten ein Webinar darüber, wie Kirche in Zeiten der Krise Menschen erreichen kann. 
Weltfamilientreffen in Philadelphia
Foto: CNS/Jeffrey Brun0 (CNS) | US-Weihbischof Robert Barron, der mit seinem Mediendienst „Word on Fire“ tausende Menschen über das Internet erreicht, betonte in dem Webinar, dass die Verkündigung des Glaubens, im Gegensatz zu Strukturen, ...

Am 1. März fand als Erneuerungsimpuls zur beginnenden Fastenzeit die bisher größte Veranstaltung von Divine Renovation statt, in der die führenden Köpfe dieser Evangelisierungsbewegung gemeinsam mit Alpha in einem Gespräch zwischen Father James Mallon, Bischof Robert Barron und Reverend Nicky Gumbel ausloteten, welches die dringlichsten Aufgaben der Kirche in der gegenwärtigen Situation sind. Dank des Onlineformats konnten Menschen aus aller Welt teilnehmen, zumal das Gespräch simultan ins Spanische, Portugiesische, Italienische, Deutsche und Polnische übersetzt wurde.

Lesen Sie auch:

Divine Renovation ist ein Konzept, das manchem Laientheologen hierzulande den Blutdruck in die Höhe treibt und auch den einen oder anderen Priester empört abwehrend reagieren lässt.

Räume für Glaubenserfahrung schaffen

Schon im Ansatz widerspricht Divine Renovation allem, was man in größeren Teilen der katholischen Kirche in Deutschland derzeit unter Erneuerung versteht. Denn die Bewegung, die schon vielen Pfarreien in Amerika, Kanada, dem Vereinigten Königreich, Asien und auch einigen Pfarreien in Deutschland wieder zum Blühen gebracht hat, setzt bei den Priestern an. Sie werden eingeladen, ihren Dienst neu als Aquädukte der Gnade Gottes zu verstehen, wie Bernhard von Clairvaux es ausdrücken würde. Ein hoher Anspruch, der die Berufung zum priesterlichen Dienst in seinen geistlichen Dimensionen vollkommen ernst nimmt und von denen, die ihm folgen, abverlangen, Jesus Christus wirklich ähnlich werden zu wollen.

Wer bei Divine Renovation mitmacht ist von zweierlei überzeugt: erstens, dass jede Veränderung zum Guten nur von Gott ausgehen kann und, zweitens, dass sie in den Gemeinden von demjenigen vorgelebt und vermittelt werden muss, der Jesus Christus repräsentiert, dem Priester. Für sie bietet Divine Renovation ein Coaching an, innerhalb dessen sie mit Priestern vernetzt werden, die bereits erfolgreich mit Divine Renovation gearbeitet haben. Einer der Protagonisten der Bewegung ist Father James Mallon, dessen Bücher über eine Gemeindeerneuerung inzwischen auch ins Deutsche übersetzt wurden.

Kitty Kay-Shuttleworth von Alpha London, eröffnete das Webinar und begrüßte die Gäste aus 85 Ländern weltweit, darunter die Teilnehmer von 300 größeren Gruppen, die sich zu einer „Watchparty“ versammelt hatten. Weihbischof Robert Barron, Gründer von World on Fire, Nicky Gumble, anglikanischer Pfarrer aus London und Gründer von Alpha und der Divine Renovation Gründer Father James Mallon waren die Hauptreferenten. Fiona O Reilly von Divine Renovation eröffnete das Gespräch mit einem Gebet, gab einen Rückblick auf die durch die Pandemie und Klimakatastrophen geprägten vergangenen zwei Jahre und fragte die Teilnehmer des Gesprächs danach, was Gott den Menschen damit sagen wolle.

Christen müssen sich aktiv einmischen

Bischof Barron plädierte dafür, dass Christen sich aktiv einmischen müssten, um Frieden zu schaffen und die mit der Pandemie und den Klimaveränderung verbundenen Herausforderungen zu bewältigen. Er betonte zugleich die Relevanz der Wirkungen von Fasten und Gebet. Father James fokussierte den Aspekt der Prüfung im Hinblick auf die gegenwärtige Situation und begreift sie als Aufforderung unser eigenes Glaubensleben zu vertiefen. Nicky Gumble fühlte sich – gerade weil er Freunde auf beiden Seiten hat – an seinen jüdischen deutschen Vater erinnert, und betonte, dass die Kirchen angesichts des Leids nicht schweigen dürfe und dafür sogen müsse, dass die Kriegsflüchtlinge bedingungslos aufgenommen würden.

„Wie hat die Kirche in den letzten beiden Jahren die Möglichkeit zur Mission genutzt“, war die nächste Frage in die Runde. Father James stellte fest, dass die Pandemie die systemischen Mängel im Verhältnis zwischen Hirten und Herde deutlich gemacht und zugleich neue Weg zu einem lebendigen Glauben aufgezeigt hat. Auch Bischof Barron betonte, dass die Pandemie zum einen ein Brennglas für vorhandene Missstände war, der damit verbundene Druck aber zugleich Kreativität gefördert und Wege zu neuen Methoden eröffnet habe. Dies gilt auch für den erzwungenen Rückzug in die eigenen vier Wände und die Konfrontation mit sich selbst und den Familien.

Bordelle Essentiell - Kirchen nicht

Kritisch merkte Barron an, dass Strippclubs in der Hochphase der Pandemie als essentiell galten, Kirchen aber nicht. Spirituell aber sei es im Hinblick auf das Leben der Seele gefährlich, keine Möglichkeit zum gemeinsamen Gotteslob zu haben. Nicky Gumble verwies in einem geschichtlichen Rückblick auf das Anwachsen des Christentums in antiken Pandemien, weil sie im Gegensatz zu den Heiden caritativ tätig waren und erinnerte an die diesbezüglichen Aktivitäten im Hinblick auf die Versorgung der Armen und Kranken in den letzten beiden Jahren.

Lesen Sie auch:

Die dringlichste Aufgabe sieht Bischof Barron nun darin, den Fokus auf die Evangelisation zu richten, weil die Verkünder des Glaubens - im Gegensatz zu Strukturen - essentiell für das Leben der Kirche sind. Die institutionelle Krise sieht er als Anlass, die Prioritäten zu überprüfen. Father James erzählte von einer eigenen tiefen Glaubenserfahrung als Jugendlicher bei von einer spirituellen Bewegung geleiteten Einkehrtagen, verglich sie mit dem minimalistischen Leben in der Pfarrei und ermutigte zur Schaffung von mehr Räumen für konkrete Glaubenserfahrung. Nicky Gumble setzte diesen Gedanken in Beziehung zu dem tiefen Bedürfnis vieler nach Zugehörigkeit und Gotteserfahrung.

Evangelisierung konkret

Zur Frage, wie Evangelisierung konkret aussehen könnte, stellte Bischof Barron fest, dass diejenigen, die nach dem Lockdown wieder in die Kirche kommen, evangelistisch werden müssten, im Glauben informiert sein und andere begeistern und motivieren sollten. Auch Father James sieht jeden einzelnen verantwortlich für das Anliegen der Glaubensverkündigung, weil sie eine Frage der Liebe ist. Nicky Gumble dankte Bischof Barron and Father Mallon für ihre Glaubensvermittlung und bekräftigte die Relevanz verständlicher intellektueller Glaubensverkündigung, wie Chesterton oder C.S. Lewis sie betrieben hätten und bezeichnete die katholische Kirche als führend in der Glaubensverkündigung in den letzten beiden Jahren, einem Weg, dem alle Christen folgen sollten. Sowohl Alpha als auch Divine Renovation sind auch hierzulande ansprechbar, um Pfarreien auf dem Weg der Glaubenserneuerung zu begleiten.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Weitere Artikel
Das Reich der Mitte sieht sich einer Vielzahl von Problemen ausgesetzt.
29.07.2022, 17  Uhr
Stefan Ahrens
Nach bald 20 Jahren der Erneuerung ist die „Kirche im Gebirge“, die Diözese Innsbruck, an einem Punkt angekommen, wo die Verwirrung größer ist als die Vision.
02.10.2022, 15  Uhr
Martin Kolozs
Themen & Autoren
Barbara Stühlmeyer Jesus Christus Krisen Lockdown Neuevangelisierung Pfarreien Pfarrer und Pastoren Robert Barron

Kirche

Kardinal Kurt Koch weist den Vorwurf von Bischof Georg Bätzing zurück, er habe den Synodalen Weg mit einem Nazi-Vergleich heftig kritisiert. Die Stellungnahme im Wortlaut.
29.09.2022, 20 Uhr
Kurt Kardinal Koch
Der Kirchenlehrer Franz von Sales (1567–1622) war Bischof von Genf und reformierte die Kirche, indem er die Menschen zum Gebet hinführte und geistliche Schriften verfasste.
01.10.2022, 19 Uhr
Uwe Michael Lang C.O.
Der Vorsitzende der deutschen Bischöfe fordert vom Präsidenten des Päpstlichen Einheitsrates eine „umgehende Entschuldigung“ für kritische Interviewäußerung.
29.09.2022, 15 Uhr
Meldung