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Es droht ein diözesaner Flickenteppich

Der Synodale Weg führt die katholische Kirche in Deutschland in die totale Bedeutungslosigkeit.
Rapsfelder aus der Luft
Foto: Henning Kaiser (dpa) | Wie ein solcher Flickenteppich droht die Katholische Kirche in Deutschland zu werden.

Die katholische Kirche steht nicht nur vor der letzten Synodalversammlung im März, sondern auch vor der größten Richtungsentscheidung seit vielen Jahrzehnten. Eine Versöhnung der dort tonangebenden Kräfte mit den deutlichen Mahnungen und Forderungen aus Rom, deutsche Alleingänge sein zu lassen, scheint nur durch ein sofortiges Wunder möglich.

Werden die vorliegenden Papiere hingegen wirklich verabschiedet, bringen sie die Katholiken in Deutschland in ein offenes Schisma. Werden sie nicht verabschiedet, bricht das große Heulen vor laufenden Kameras wieder aus, was zu überleben wäre.

Tatsächlich bahnt sich jedoch die schlimmste aller Lösungen an: Das seichte verbale Abwiegeln bei gleichzeitigem Schaffen harter Fakten vor Ort. Man könnte es auch einen dreisten Täuschungsversuch nennen.

Es droht ein diözesaner Flickenteppich zwischen römisch-katholischen und „anders“-katholischen (Bätzing) Bistümern und Gemeinden, und damit der Weg der katholischen Kirche in eine totale gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit. Denn wer braucht noch eine Kirche, die nicht mehr verkünden will und den Anspruch auf Wahrheit den vielzitierten „neuen Erkenntnissen der Humanwissenschaften“ und dem Glaubenssinn der Zeitgeistigen freiwillig überlässt? Zumal Weltrettungsambitionen und Gutmenschengefühl garniert mit der inhaltsleeren Worthülse der „christlichen Werte und der Nächstenliebe“ auch in jeder gendersensiblen und klimaneutralen Nichtregierungsorganisation zu haben sind – und zwar ganz ohne Kirchensteuer. Es ist nahezu erschütternd mitanzusehen, wie sich eine jahrtausendealte Religion, die die Kultur des halben Erdballes mitbegründet hat, auf die Forderungen einschlägiger Lobbygruppen einlässt, als habe man dem intellektuell nichts mehr entgegenzusetzen.

Die treibende Agenda ist hingegen offensichtlich: Die katholische Kirche wird im Zuge ihres sogenannten Reformprozesses namens Synodaler Weg wie jede andere gesellschaftliche Institution von derselben identitären Lobby überrannt, die sich derzeit ans Werk gemacht hat, den „Neuen Menschen“ und seine sexuelle Freiheit zum Top-Thema der Zukunft zu erheben. Der Passauer Bischof Stefan Oster war es, der doch sehr nüchtern, aber zielsicher zusammenfasste, dass sich „die inhaltlichen Weichenstellungen beim Synodalen Weg in allen vier Foren direkt oder indirekt auf Sexualität und/oder das Verhältnis der Geschlechter zueinander beziehen“.

Eine feindliche Übernahme mit System

Das Ziel des gesamten Prozesses zieht sich wie ein roter Faden durch alle Maßnahmen: Am Ende sollen auch in der katholischen Kirche dieselben Maßstäbe von Antidiskriminierung und LGBT-Rechten gelten, wie im Rest der Gesellschaft. Mehr Sex für alle, jetzt auch für Priester. Gott ist noch hilfreich, aber nur wenn er „Ja und Amen“ sagt zu allen Lebensabschnittspartnern. Stattdessen ein Herz für schwule Priester, Gendersprache für die liebe Göttin und mehr sexuelle Vielfalt auf dem Bischofsstuhl und im Pfarrbüro. Die monarchische Organisationsstruktur der katholischen Kirche ist da für die modernen Machiavellisten unter den Bischöfen eigentlich ein kleiner Traum. Wäre da nicht das Problem, dass die oberste Instanz in Lehrfragen gar nicht bei ihnen selbst und schon gar nicht beim Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz angesiedelt ist, sondern beim Papst in Rom. Betrachten wir die „Zutaten“ dieser feindlichen Übernahme also einmal im Einzelnen.

Die praktische Umsetzung der Agenda funktioniert durch zwei zentrale Komponenten: Die sogenannte „freiwillige Selbstverpflichtung“ einzelner Bischöfe auf neue Leitlinien der Sexualmoral für ihr Verwaltungsgebiet und die ebenfalls „freiwillige“ Adaption des neu beschlossenen Arbeitsrechts. Alle wissen schließlich, dass laut Satzung, die „Beschlüsse der Synodalversammlung (…) von sich aus keine Rechtswirkung“ entfalten.

Größter Druck sowohl in der Synodalversammlung als auch in den Diözesen vor Ort geht dabei von der LGBT-Lobby-Bewegung „OutInChurch“ aus. Eine Art Ansammlung nicht-heterosexueller Kirchenmitarbeiter – von schwulen Priestern bis hin zu jungen Aktivisten, die sich selbst als „queer“ oder non-binär bezeichnen und um Anerkennung ihres Sexuallebens und Beziehungsstatus kämpfen – und dennoch weiter für die katholische Kirche arbeiten wollen. Ihre Forderung ist nun durch die Einführung des neuen Arbeitsrechtes erfüllt worden, das man nur zwei Tage nach Rückkehr vom „Ad limina“-Besuch in Rom verabschiedete. Einer der Hauptakteure der Initiative Outinchurch leitet inzwischen mit Segen von Kardinal Marx offiziell das Projekt „Regenbogenpastoral“ des Bistums München-Freising. Warum verdecken, was jetzt offiziell getan werden kann?

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Kirchliche Grundordnung

Auch diese sogenannte „Grundordnung des kirchlichen Dienstes“ hat nur empfehlenden Charakter und muss, um rechtswirksam zu werden, von den einzelnen (Erz-) Bistümern in diözesanes Recht umgesetzt werden. Einundzwanzig Bistümer (u.a. Aachen, Augsburg, Berlin, Dresden-Meißen, Essen, Hamburg, Hildesheim, Köln, Limburg, Mainz, Rottenburg-Stuttgart, Speyer, Trier und Würzburg) haben es bereits zu Beginn des Jahres 2023 getan. Hier können also ab sofort lesbische in Homoehe verpartnerte Frauen mit Samenspender-Kind einen katholischen Kindergarten oder das Pfarrbüro leiten, queere Aktivisten Jugendgruppen leiten, bekennend schwule Priester Ministranten-Gruppen führen und bekennende Homosexuelle ins Priesterseminar eintreten, als Katechet oder als Religionslehrer arbeiten, um nur einige Beispiel zu nennen. Der Druck in den anderen Bistümern wird steigen. Bischöfe, die nicht „freiwillig“ mitziehen, stehen am internen und öffentlich am medialen Pranger.

Das Chaos nimmt bereits Gestalt an. Nur auf dem Papier muss man noch Mitglied der katholischen Kirche sein. Man könnte sagen, es reicht ab sofort die Mitgliedschaft in der „Katholischen Kirchensteuergemeinde“. In der freien Wirtschaft wäre es etwa so, als würde die gesamte Marketingabteilung von Audi jetzt mit Mercedes zum Kundengespräch fahren. In der Wirtschaft ein Kündigungsgrund. In der Kirche soll es Standard werden. Die moderne Kirche rettet keine verlorenen Seelen mehr, sondern verletzte Geschlechter.

Umbau mit Ansage

Während also auf dem Synodalen Weg Veränderungen der katholischen Lehre und der Glaubenspraxis theoretisch diskutiert und die Weltkirche rhetorisch mit der Endlosschleife eingeschläfert wird, man bespräche hier ja nur Vorschläge, werden bereits heute – also noch vor Abschluss des Synodalen Wegs und vor endgültigen Abstimmungen – vor Ort in den Bistümern viele der Forderungen bereits praktisch umgesetzt. Es ist also völlig egal, was im März beschlossen wird, denn der Umbau hat bereits begonnen. Wir reden nicht nur von einer Synodalitäts-, sondern sogar von einer Demokratie-Simulation. Jeder macht, was er will. Das Ganze passiert nicht heimlich, sondern sogar öffentlich mit Ankündigung durch den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing. Hatte er nicht im September 2022 bei der Synodalversammlung vor laufenden Kameras angekündigt, er werde den abgelehnten Grundtext zur Sexualmoral in seinem Bistum dennoch umsetzen, er erwarte gar, dass es andere Bischöfe auch tun?  Gesagt, getan! Gerade wird im Bistum Limburg sichtbar, was passiert, wenn sich einzelne Bischöfe von lehramtlichen Wahrheiten in Sachen Sexualmoral verabschieden, um die Sache in die Hände der vielzitierten „neuen humanwissenschaftlichen Erkenntnisse“ – der neuen Leerformel theologischer Lehre – zu legen.

Dieser Tage erschien im Limburg mit persönlichem Segen des Bischofs eine Handreichung mit Leitlinien zur sexualpädagogischen Arbeit, die alle Mitarbeiter des Bistums zu einer Sexualmoral verpflichtet, die ohne Rückbindung auf kirchliche Lehre auskommt, dafür aber wörtlich die Segnung aller sexuell denkbaren Paare (Sexualität zwischen „Frau und Frau“, „Mann und Mann“, oder „zwischen Menschen“, die sich als weder noch definieren) als wünschenswert empfiehlt. Soll man sich freuen, dass man es vorerst wenigstens auf nur zwei Menschen pro Partnerschaft begrenzt? Aber mit welchem Recht werden hier Katholiken auf eine willkürliche neue Moral verpflichtet? Es entsteht die paradoxe Situation, dass lehramtstreue Mitarbeiter unter Kündigungsdruck stehen, während jene, die die Lehre missachten, fortan durch dasselbe Arbeitsrecht geschützt sind. Was droht ihnen, wenn sie die Gefolgschaft in die „freiwillige Selbstverpflichtung“ verweigern?

Das deutsche Eigentor

Eine Frage, die zumindest ein paar deutsche Bischöfe in Bezug auf die „freiwillige“ Beteiligung an der Schaffung neuer Leitungsstrukturen in Form eines Synodalen Rats zur Beantwortung nach Rom gesandt haben, nachdem das auf deutschem Boden unter Amtsbrüdern offenbar nicht zu klären war. Strukturell kann Rom eventuell noch die Gründung eines neuen, pseudodemokratischen Kirchenparlamentes, das Kardinal Walter Kasper bereits sehr präzise mit der Errichtung eines „Obersten Sowjet“ verglich, verhindern, aber auch Rom wird das deutsche Eigentor in Sachen Arbeitsrecht nicht wieder geradebiegen können, das im Zusammenspiel mit weiteren säkularen Gesetzen, erst richtig dramatisch wirkt. Die Bundesregierung plant nämlich gerade ein sogenanntes „Selbstbestimmungsgesetz“, das jedem Menschen, auch jedem Priester, das Recht gäbe, auf dem Standesamt durch einen reinen Verwaltungsakt das eigene Geschlecht zu wechseln.

Ich bin sicher, es findet sich unter den Protagonisten der #outinchurch-Gemeinde genug Böswilligkeit, um so etwas strategisch aus Prinzip einmal mit einem Priester durchzuexerzieren, sobald das Gesetz da ist. Einfach nur, um die versammelte katholische Welt vor das Problem einer Trans-Priesterin zu stellen. In Kombination mit einem Arbeitsrecht, das laut Bischof Bätzing formuliert: „Das geht mich nichts an“, könnte sich jedes „Geschlecht“ irgendwann im Namen der Antidiskriminierung durch alle Instanzen klagen und die Kirche juristisch auf Jahrzehnte beschäftigen. Die Zukunft des Sagbaren innerhalb der katholischen Kirche wird in absehbarer Zeit nicht mehr von Theologen, sondern von Richtern vor Obersten Gerichtshöfen entschieden werden.
„Wir nehmen niemandem etwas“, sagte Bischof Bätzing in der Abschlusspressekonferenz nach der Vollversammlung des Synodalen Weges vor einem Jahr. Wenn man Religionsausübung, Meinungsfreiheit und Verkündigung der katholischen Lehre für „nichts“ hält, stimmt dieser Satz natürlich durchaus.

Was das alles noch mit tiefem Glauben, Jesus Christus, Erlösung und echte Antworten auf die Sinnfragen des Lebens zu tun hat? Die Antwort ist einfach: Nichts. Die katholische Kirche legt sich gerade zum freiwilligen Sterben hin.

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