Die leitenden Herrschaften im Vatikan begehen ihre Fastenexerzitien und Monsignore hat nichts dagegen, sich diese Zeit der Läuterung und inneren Einkehr mit einem Besuch des „Ristorante dal Toscano“ zu versüßen. Eigentlich besucht man dieses Lokal, wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen, das heißt, wenn große Ereignisse einen kulinarischen Höhepunkt erfordern. So versammelte sich hier vor vielen Jahren eine kleine Truppe deutschsprachiger „Römer“, um die Wahl von Joseph Ratzinger zum Papst zu feiern. Denn beim „Dal Toscano“ gibt es an toskanischen Köstlichkeiten nicht nur die „Ribollita“, eine Bohnensuppe, oder hausgemachte Teigwaren, sondern die besten Florentiner-Steaks in Rom. Seit 1938, so lange gibt es das „Ristorante“ schon, ist das Lokal darauf spezialisiert, das beste Fleisch von ganz Rom zu finden und es auf sorgfältigste Weise zu grillen. Darauf haben es auch wir abgesehen. Wie schon Federico Fellini, der mit seiner Gefährtin Giulietta hier Stammgast war. Doch wir fangen ganz bescheiden an: mit einem „Antipasto toscano“, zu dem Salami, Käse und kleine „Bruschette“ gehören.
Monsignore hat sich mal einige Personalentscheidungen von Leo XIV. angeschaut. Nicht uninteressant ist, dass der Papst den Trappistenbischof Erik Varden aus Trondheim in Norwegen eingeladen hat, jetzt die Besinnungstage für die Kurie zu halten. Der erst 52 Jahre alte Fachmann für östliche Theologie, über die er am Päpstlichen Orientalischen Institut in Rom das Lizenziat erworben hat, sei zwar Vorsitzender der Skandinavischen Bischofskonferenz, meint Monsignore, aber stehe wohl erst am Anfang seiner Karriere. Für viele, die den ehrenvollen Auftrag erhalten hätten, den Papst und die Kurienprälaten bei den jährlichen Exerzitien zu erleuchten, habe der Spaß mit einem Ruf nach Rom sein Ende gefunden. Aber Varden stehe für die Kirche, wie sie Papst Leo vorschwebt: keine Kirche der „Kulturkrieger“ oder der doktrinären Grabenkämpfe, die sich in die Flügel der Konservativen oder Progressiven spalte, sondern eine missionarische Kirche, die geeint den Glauben verkünde und in die Tat umsetze.
Einfach katholisch sein
Auf dieser Linie liege auch die Ernennung des neuen Erzbischofs von New York, Ronald A. Hicks. Wie Robert Prevost wurde Hicks in einem Vorort von Chicago geboren, wo er Generalvikar und dann Weihbischof der Diözese von Kardinal Blase Cupich war. Die Medien haben daraus die Ernennung des „progressiven“ Hicks nach dem „konservativen“ Vorgänger Kardinal Timothy Dolan konstruiert. Weit gefehlt, meint Monsignore. Der eigentliche Mentor von Hicks sei der Vorgänger von Cupich in Chicago, Kardinal Francis George, gewesen, der an der Spitze der gemäßigten Strömung stand und von 2007 bis 2010 Vorsitzender der Bischofskonferenz war. Er sei es gewesen, der seinem Nachfolger Cupich die Ernennung von Hicks zum Generalvikar vorschlug. Und vor allem war es George, der 2005 seinen jungen Priester für fünf Jahre nach San Salvador entsandte, um sich dort um ein Waisenhaus zu kümmern. Seitdem spreche Hicks perfekt Spanisch – wie Papst Leo selbst.
Längst schon sind wir beim Florentiner-Steak angelangt, zu dem man beim „Dal Toscano“ einen kräftigen Chianti empfiehlt. Und Monsignore zählt weitere Ernennungen des Papstes auf, die alle auf der Linie liegen, einfach katholisch zu sein, „geeint in dem einen Christus“: Stanislav Pribyl, der neue Erzbischof von Prag, oder der neue Bischof der belgischen Diözese Namur, Fabien Lejeusne vom Orden der Assumptionisten, die nach der Regel des Augustinus leben. Da kann man nur sagen: Weiter so. Das „Ristorante dal Toscano“ erhält die verdienten zehn Punkte und wir versprechen, ab jetzt wieder ordentlich zu fasten.
Das „Ristorante dal Toscano“ liegt in Vatikannähe, in der Via Germanico, Hausnummer 58/60.









