Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Rom

Italien: Kardinal Bassetti beklagt Polemik in Migrationsdebatte

In einem Brief an die Bischöfe des Landes beklagt der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, dass das Migrationsphänomen zum Sündenbock der Ängste und Unsicherheiten werde.
Italienischer Kardinal ruft zur Solidarität mit Migranten auf
Foto: Fabian Heinz (Sea-Eye) | Mit Nachdruck ruft Bassetti seine Mitbischöfe auf, am "Welttag des Migranten und des Flüchtlings" an der geplanten Messe mit Papst Franziskus in Rom teilzunehmen, um ihm Rückhalt für sein „mutiges Lehramt“ zu bekunden.

Der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Gualtiero Bassetti, beklagt einen polemischen Umgang mit Migration – auch innerhalb der katholischen Kirche seines Landes. „Wir wissen gut, wie häufig man heute mit dem Thema in spalterischer Weise umgeht, sogar in unseren Gemeinden.“ Das schreibt Bassetti in einem Brief an die Bischöfe des Landes, aus dem der italienische katholische Pressedienst SIR zitiert.

"Welttag des Migranten und des Flüchtlings" am 29. September

Lesen Sie auch:

Darin kritisiert Kardinal Bassetti, das Migrationsphänomen werde zum „Sündenbock der Ängste und Unsicherheiten, eines sozialen Unwohlseins, das durchaus unterschiedliche Ursachen hat“. Der Kardinal und Erzbischof von Perugia veröffentlichte das Schreiben anlässlich des katholischen „Welttags des Migranten und des Flüchtlings“. Dieser wird dieses Jahr am 29. September begangen.

Mit Nachdruck ruft Bassetti seine Mitbischöfe auf, an diesem Tag an der geplanten Messe mit Papst Franziskus in Rom teilzunehmen, um ihm Rückhalt für sein „mutiges Lehramt“ zu bekunden. Franziskus sprach sich wiederholt für eine offene Aufnahmepolitik gegenüber Flüchtlingen und Migranten aus. Die Flüchtlingspolitik des italienischen Innenministers Matteo Salvini sorgte allerdings immer wieder für heftige Kritik von Seiten der Bischöfe in Italien. Insbesondere wegen der privaten Seenotrettung im Mittelmeer liegen Salvini und die italienischen Bischöfe über Kreuz.

102 Organisationen warnen vor einer Kriminalisierung der Seenotrettung

Indes warnten jüngst 102 Organisationen vor einer Kriminalisierung der Seenotrettung. Gemeinnützige Seenotrettungsorganisationen wie „Sea Eye“ oder „Mission Lifeline“ forderten von der zukünftigen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die EU-Richtlinie zu reformieren, die die Beihilfe zur unerlaubten Einreise regelt.

Italien plant zurzeit hohe Geldstrafen, sollten Rettungsboote unerlaubt in italienischen Gewässern fahren. Diese sollten bis zu einer Million Euro betragen können. Auch sollen Schiffe konfisziert werden. „Man kann uns mit finanziellen Strafen nicht davon abhalten, Menschen vor dem Ertrinken zu retten“, sagte Sea-Eye-Sprecher Gorden Isler dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. „An das Menschenrecht auf Leben kann man kein Preisschild hängen.“ Der Mitgründer von „Mission Lifeline“ ergänzte: „Wenn das Leben von Menschen in Gefahr ist, gilt es die Gefahr abzuwenden - mit den zur Verfügung stehenden Mitteln.“

DT/mlu/KNA

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost.

Themen & Autoren
Maximilian Lutz Bischof Deutsche Bischofskonferenz Erzbischöfe Kardinäle Katholische Kirche Katholizismus Matteo Salvini Migranten Papst Franziskus Päpste Ursula von der Leyen

Weitere Artikel

Die Texte, mit denen das Glaubensdikasterium auf die Bischofsweihen der Piusbruderschaft reagierte, sind mangelhaft. Aber den Präfekten scheint das nicht zu interessieren.
30.10.2026, 09 Uhr
Guido Horst
Erzbischof Georg Gänswein wird 70. Hier spricht er über die Aussöhnung mit Papst Franziskus, den schwierigen Neubeginn im Baltikum und seine Pläne für eine Seligsprechung von Benedikt XVI.
29.07.2026, 14 Uhr
Benjamin Leven

Kirche

Künstliche Intelligenz kann Daten verarbeiten, aber keine Verantwortung übernehmen. Papst Leo XIV. verteidigte in „Magnifica Humanitas“ die menschliche Urteilskraft.
01.11.2026, 09 Uhr
Christoph Fehring
Es gibt ab Samstag neue US-amerikanische Selige: Fünf Franziskaner, die 1957 von Ureinwohnern in Georgia ermordet wurden. Der Grund: Sie verteidigten die monogame Ehe.
31.10.2026, 05 Uhr
Claudia Kock
Halloween wurde zum Filmthema – und machte den Grusel-Tag hierzulande populär. Ein Horrorfilm spiegelt gesellschaftliche Verhältnisse und hinterfragt Selbstverständliches.
31.10.2026, 11 Uhr
Fabian Bell
Ist es falsch, dass die Kirche sich gegen die Todesstrafe stellt? Nein, denn jeder Mensch hat eine unantastbare Würde. Und zwar nicht erst seit Papst Franziskus.
29.10.2026, 21 Uhr
Maximilian Welticke