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Flüchtlingskrise: Sizilianischer Kardinal kritisiert Salvini

Alle Flüchtlinge als Verbrecher zu bezeichnen, sei so beleidigend, „wie wenn ich als Sizilianer in Deutschland sofort als Mafioso abgestempelt werde“, so der Erzbischof von Agrigent. Die veränderte Stimmungslage der Bürger hänge mit der Politik der Angst zusammen.
Seenotrettung im Mittelmeer
Foto: Olmo Calvo (AP) | Migranten sitzen auf einem Boot der Hilfsorganisation Mediterranea Saving Humans, während sie vor der Küste der italienischen Insel Lampedusa segeln: Im Erzbistum Agrigent gehöre die Aufnahme von Flüchtlingen ...

Der sizilianische Kardinal Francesco Montenegro hat die Flüchtlingspolitik der italienischen Regierung kritisiert. Alle Flüchtlinge als Verbrecher zu bezeichnen, sei so beleidigend, „wie wenn ich als Sizilianer in Deutschland sofort als Mafioso abgestempelt werde“, so der Erzbischof von Agrigent im Gespräch mit dem Online-Portal „weltkirche.de“. Das Urteil über die Flüchtlinge sei einfach zu verallgemeinernd.

Seit Wochen Streit zwischen Salvini und privaten Seenotrettern

Zwischen Italiens Innenminister Matteo Salvini und privaten Seenotrettern wie der Organisation „Sea Watch“ tobt seit Wochen ein Streit, da Salvini privaten Rettungsschiffen verbietet, in italienischen Häfen anzulegen. Die deutsche Kapitänin Carola Rackete setzte sich über das Verbot hinweg und steht nun in Italien vor Gericht.

Im Erzbistum Agrigent gehöre die Aufnahme von Flüchtlingen allerdings zur Normalität, erklärte Erzbischof Montenegro. „Wir befinden uns hier im äußersten Süden: die Insel Lampedusa, die auch zum Erzbistum gehört, liegt näher an Afrika als an Europa. Die Inselbewohner dort sind es gewöhnt, dass man an ihre Türen klopft.“ Als in Hochphasen auf Lampedusa 10 000 Flüchtlinge auf 5 000 Einwohner kamen, sei es selbstverständlich gewesen, dass man diese versorgt habe, etwa mit Nahrung oder Kleidung.

Stimmungslage in der Bevölkerung ändert sich - auch wegen Salvinis Politik

Die allgemeine Stimmungslage in der Bevölkerung habe sich nun aber geändert, so Montenegro, da sich die Politik verändert habe. „Wir erleben derzeit das Syndrom der Angst. In dieser Situation, in der alle von Angst und Terrorismus sprechen, schließen sich die Türen – vor allem die Türen der Herzen.“ Das sei das größte Bekümmernis. Den Menschen Angst zu machen sei nur dann sinnvoll, wenn es eine ernsthafte Bedrohung gebe, so der sizilianische Erzbischof.

Auf die Frage, ob er die Ängste vieler Bürger dennoch nachvollziehen könne, meint Erzbischof Montenegro: „Auf gewisse Art und Weise ja. Aber die Menschen lesen keine Zeitung und manchmal steht auch dort nicht die ganze Wahrheit.“ Die Desinformation erhöhe die Ängste der Menschen. „Salvini nutzt dieses Syndrom der Angst bewusst oder unbewusst. Und die Menschen sind nicht wirklich in der Lage, die Wahrhaftigkeit dieser Aussagen zu beurteilen.“

DT/mlu

Die Hintergründe zu diesem Thema finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost.

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