Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Straßburg

Europa stellt sich an die Seite der Ukraine

Die Spitzen der Europäischen Union beschwören die westliche Geschlossenheit und kritisieren Kremlchef Wladimir Putin.
Ukraine-Konflikt - EU-Parlament
Foto: Jean-Francois Badias (AP) | Russland habe die Ukraine „mit außergewöhnlichen militärischen Kräften umzingelt“ und gefährde nicht nur die Stabilität der Ukraine, sondern den Frieden in Europa, beklagte Michel.

In der dramatischsten Krise seit dem Ende des Kalten Krieges sehen sich die Spitzen der Europäischen Union. Der Präsident des Europäischen Rates, Charles Michel, kritisierte am Mittwochvormittag im Europäischen Parlament in Straßburg Russland, das bereits einen Teil des ukrainischen Staatsgebietes annektiert habe und das Nachbarland destabilisiere. Russland habe die Ukraine „mit außergewöhnlichen militärischen Kräften umzingelt“ und gefährde nicht nur die Stabilität der Ukraine, sondern den Frieden in Europa.

„Wir arbeiten so intensiv zusammen, wie dies in den letzten Jahren nie der Fall war“, beschrieb Michel die europäische und transatlantische Zusammenarbeit. „Wir drängen Russland, transparente und direkte Schritte zur Deeskalation zu unternehmen.“ Gleichzeitig arbeite man an möglichen Sanktionen: Im Fall einer militärischen Aggression „müssten die Kosten für Russland sehr hoch sein“. Europas Unterstützung der territorialen Integrität der Ukraine sei politischer und finanzieller Art, denn schon jetzt entstehe ein tagtäglicher Schaden für die Wirtschaft der Ukraine. Michel schlug eine Geberkonferenz vor, um die Widerstandsfähigkeit der ukrainischen Wirtschaft zu stärken.

Ukraine heute souveräner, stärker und unabhängiger

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen meinte in Straßburg, der Kreml bedrohe die Ukraine mit Krieg, weil er die Souveränität des Nachbarn nicht akzeptiere. Die Ukraine sei heute souveräner, stärker, unabhängiger und demokratischer als 2014. „Das ist genau das, was der Kreml nicht akzeptieren kann.“ Die Europäische Union und die transatlantische Partnerschaft seien in der aktuellen Krise geeint. Die EU müsse ihre Abhängigkeit von russischem Gas reduzieren und auf alternative Energien setzen.

Lesen Sie auch:

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell zeigte sich davon überzeugt, dass das was in der Ukraine aktuell passiert, die Zukunft der Menschheit prägen werde. Darum müsse die EU versuchen, „einen Krieg an unseren Grenzen zu verhindern“. Bedroht sei nämlich das Recht souveräner Staaten, frei über die eigenen Sicherheits- und Bündnisstrukturen zu bestimmen. Die EU signalisiere Moskau Verhandlungsbereitschaft, müsse sich aber zugleich auf Abschreckungsinstrumente wie Sanktionen vorbereiten.

Der Fraktionsvorsitzende der christdemokratischen EVP, Manfred Weber, ging auch auf die innenpolitische Lage in Russland ein. Angesichts der drohenden Haft-Verlängerung für den Kreml-Kritiker Alexej Nawalny sagte Weber: „Putin versucht, die Freiheit und die Opposition wegzusperren. Allein das wäre schon Grund genug für Sanktionen.“ Auch der Versuch, die Ukraine durch die Anerkennung der sogenannten Volksrepubliken von Donezk und Luhansk zu spalten, sei sanktionswürdig. Putin sei bereit zum Krieg und habe dies bereits bewiesen.  DT/sba

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Alexej Nawalny CDU Charles Michel Russlands Krieg gegen die Ukraine Kremlkritiker und Kremlgegner Manfred Weber Russische Regierung Ursula von der Leyen Wladimir Wladimirowitsch Putin

Weitere Artikel

Orbáns Verdienste bei Migration, Sicherheit und Familie reichen nicht aus. Die schlechte Wirtschaft, Russlandnähe und Korruptionsvorwürfe bringen Magyar ins Amt.
13.04.2026, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch
Angespannte Unsicherheit wehte durchs Foyer der Dome Eventhall in Brüssel. Daran konnten auch der reichlich ausgeschenkte Crémant und die bunten Canapées erst einmal nichts ändern.
20.03.2026, 14 Uhr
Henry C. Brinker
Wladimir Putin muss an seinem Krieg festhalten, weil er den Russen keinen Sieg präsentieren kann, sagt der Politikwissenschaftler Jerzy Macków. Die EU sieht er als Profiteur des Kriegs.
20.11.2025, 07 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Weniger Katholiken, mehr Protestanten: Die neue Pew-Studie blickt auf Gewinner und Verlierer beim Religionswechsel.
10.05.2026, 17 Uhr
Barbara Stühlmeyer
Beten, suchen, klopfen —und dann? Der sogenannte Rogate-Sonntag lädt zu einer Betrachtung über das Beten ein. Auch alle, die längst zu wissen glauben, wie das geht.
10.05.2026, 08 Uhr
Dorothea Schmidt
Das Gebet ist für den Würzburger Bischof Franz Jung das Wichtigste im christlichen Leben. In seinem Gastbeitrag gibt er Einblick in seine persönliche Gebetspraxis.
10.05.2026, 14 Uhr
Franz Jung
Update der Priesterausbildung in Deutschland: Die Bischöfe setzen mit der überarbeiteten Rahmenordnung neue Akzente und dulden blinde Flecken.
09.05.2026, 11 Uhr
Helmut Hoping
Die erste Spanienreise des Pontifex könnte zu einer transatlantischen Lehrstunde für Washington werden.
09.05.2026, 17 Uhr
Regina Einig