Kommentar um "5 vor 12"

Armin der Taumler

Armin Laschet ist auf eine schiefe Ebene geraten, auf der er immer weiter nach unten rutscht. Seine Partei zimmert ihm kein Geländer und die Bayern schmieren den Boden mit Seife ein, damit es schneller geht.
Armin Laschet und Markus Söder
Foto: Sven Hoppe (dpa) | Markus Söder und die CSU schmieren den Boden mit Seife ein, damit Armin Laschet schneller abrutscht.

Am Wochenende will die FDP mit der Union verhandeln. Jetzt gibt es angeblich Terminprobleme bei der Union. Nach so einer Aussage muss man erst einmal inne halten. Es geht um die einzige Chance für CDU/CSU, irgendwie ins Kanzleramt zu gelangen. Und dann hat die Partei keine Zeit?  Schließlich einigte man sich dann doch auf einen Termin, aber das alles zeigt: Die Union ist führungslos. Noch ist Armin Laschet irgendwie dabei. Aber eigentlich stellt sich nur noch die Frage: Wie lange noch? Kaum jemand rechnet damit, dass Laschet tatsächlich noch Kanzler werden kann.

Mangelnde Solidarität in den eigenen Reihen

Das liegt an dem schlechten Ergebnis. Das liegt an der schlechten Performance des Kandidaten. Es liegt aber vor allem auch an der mangelnden Solidarität in den eigenen Reihen. Seit den Tagen der Flutkatastrophe und seinem Lacher im Ahrtal ist Armin Laschet auf eine schiefe Ebene geraten. Doch in seiner Partei zimmert ihm niemand ein Geländer, damit er nicht weiter rutscht. Und die Bayern aus der CSU schmieren den Boden mit Seife ein, damit es schneller geht.

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Freilich mit treuem Augenaufschlag: „Wir wollen doch nur, dass alles wieder schön glänzt.“ Laschets dramatische Situation ist zu einem guten Stück selbstverschuldet, aber nicht nur. Laschet ist zu fahrig, zu wenig fokussiert auf wirklich klare Aussagen. Das ist deswegen tragisch, weil er von seiner politischen DNA her wie gemacht für ein Jamaika-Bündnis ist. Aus Armin dem Taumler hätte auch Armin der Karolinger werden. Der Aachner, tief verwurzelt in seiner nicht zuletzt auch katholisch geprägten Heimatregion, der in seinem Büro eine Büste von Karl dem Großen stehen hat, hätte die Chance gehabt, aus diesem Grundbewusstsein ein politisches Programm zu formulieren. Als Ministerpräsident hatte er doch in der Corona-Pandemie gezeigt, was es heißen könnte, auf Freiheit, auf bürgerliche Eigenverantwortung und auf offene Grenzen zu den europäischen Nachbarn zu setzen und so ein Gegenmodell zu dem latent autoritären und populistischen Politikansatz von Markus Söder zu bilden.

Wo war die Vision für Europa?

Nur hätte dazu eben auch programmatischer Ehrgeiz gehört. Wo war die Vision für Europa, mit einer Linie von Karl dem Großen über Konrad Adenauer und Robert Schuman bis in die Gegenwart? Wo war der große Wurf mit Blick auf das christliche Menschenbild und dessen Bedeutung für christdemokratische Politik der Zukunft? Außer einzelnen Sätzen war da nichts zu hören. Armin Laschet hat es seinen Gegnern viel zu leicht gemacht, ihn als Inbegriff des „alten weißen Mannes“ darzustellen. Die Spirale dreht sich nun weiter und Laschet taumelt vor sich hin. 

Wenn er sowieso schon fallen wird, dann soll es wenigstens schnell gehen. Diese Stimmungslage wird in der Union immer dominanter werden. Doch wer wird dann die offene Führungsfrage klären und einen wie auch immer gearteten Übergang moderieren? Merkel ist weg. Schäuble, dem diese Rolle eigentlich als „elder statesman“ zufallen würde, hat sich durch seinen Einsatz für Laschet bei der Kandidatenkür selbst aus dem Spiel genommen. Es wird wohl alles auf Söder zulaufen. Und die CDU-Granden werden stillschweigend akzeptieren müssen, dass dann passiert, was sie mit der Laschet-Kandidatur verhindern wollten: Söder wird seine Schwester dominieren und am Ende könnte die Union immer mehr zu einer „Liste Söder“ werden, so wie es Sebastian Kurz in Österreich vorgemacht hat.  Aber das dauert noch. In München kauft man derweil neue Packungen Schmierseife.

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