Fugger-Ausstellung

Wir schauen zurück auf die Wiege der Neuzeit

„1521“: Auf den Spuren von Magellan, Cortés, Luther und Süleyman. Eine Schau in Augsburg widmet sich den Weltereignissen vor 500 Jahren.
Maria mit dem Kinde aus Vogelfedern
Foto: Thiede | Eines der schönsten Ausstellungsstücke ist das aus Federn angefertigte Bild der „Maria mit Kind“. Die nach Mexiko gekommenen katholischen Geistlichen fanden neue Methoden der Herstellung von ...

Vor 500 Jahren stiftete der Augsburger Handelsherr und Bankier Jakob Fugger der Reiche eine Predigerstelle an der Kirche St. Moritz, die Familiengrablege und Kapelle in der Kirche St. Anna sowie die als „Fuggerei“ berühmte älteste Sozialsiedlung der Welt. Das nimmt das Augsburger Diözesanmuseum St. Afra zum Anlass, anhand von 70 Exponaten auf drei Weltereignisse und einen Todesfall hinzuweisen, die sich vor genau 500 Jahren ereigneten.

Das in eine Flasche eingeschlossene Modell eines alten Segelschiffes und das Ölporträt Ferdinand Magellans machen uns auf die erste Weltumseglung und den Todesfall aufmerksam. Magellan führte eine 1519 in See gestochene Expedition von fünf Segelschiffen an, die im Auftrag der spanischen Krone einen neuen Seeweg zu den heute Molukken genannten Gewürzinseln finden wollte. Kapitän Magellan kam bei einem Gefecht mit Einheimischen auf einer Philippinen-Insel im April 1521 ums Leben. Die Überlebenden setzten die Entdeckungsfahrt fort. Zwei Schiffe erreichten die Gewürzinseln. Aber nur eines – die „Victoria“ – schaffte es 1522 zurück nach Spanien. Damit war die erste Weltumseglung perfekt. Aber um die war es der Expedition eigentlich nicht gegangen, sondern um den Erwerb exotischer Gewürze, die sich mit hohem Gewinn auf den europäischen Märkten verkaufen ließen. Einen Großteil der aus Gewürznelken bestehenden Schiffsladung der „Victoria“ kaufte ein Vertreter des Augsburger Handelshauses der Welser auf. Neben Karl V., der sowohl König Spaniens als auch Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation war, finanzierte der Kaufmann Christobal de Haro die Magellan-Expedition. Seit 1523 gehörte er zu den wichtigsten Geschäftspartnern der Fugger.

„Auch nach damaligem spanischen Rechtsverständnis war es nicht in Ordnung,
einfach irgendein Land zu erobern und auszuplündern“

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Eines der schönsten Ausstellungsstücke ist das mit Federn „gemalte“ Bild der „Maria mit Kind“. Es stammt aus dem heute Mexiko genannten Neuspanien. Angefertigt hat es ein in der Tradition der aztekischen Kunsthandwerker stehender indigener Federkünstler in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Nach dem vom Spanier Hernan Cortés gemeinsam mit einigen Hundert Landsleuten und vielen Tausend eingeborenen Verbündeten 1521 bewerkstelligten Untergang des Aztekenreiches fanden die Federkünstler bei den mit den Spaniern ins Land gekommenen katholischen Geistlichen neue Arbeitsmöglichkeiten: Sie fertigten nun Bischofsmitren, liturgische Gewänder und Heiligenbilder aus den bunten Federn, die vom Kolibri, Hellroten Ara, Montezumastirnvogel und vielen anderen Arten stammen.

Felix Hinz merkt im Ausstellungskatalog an: „Auch nach damaligem spanischen Rechtsverständnis war es nicht in Ordnung, einfach irgendein Land zu erobern und auszuplündern. Daher argumentierte Cortés, dass die aztekische Religion, zu der Menschenopfer gehörten, von guten Christen nicht geduldet werden dürfe.“

Wurde Luther wie ein Heiliger verehrt?

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Am meisten verblüffen in der Ausstellung eine Kasel mit Stola und Manipel, die auf Martin Luthers Vergangenheit als Augustinermönch hinweisen. Im Auftrag seines Ordens reiste er 1511 zum Papst nach Rom. Auf dem Weg dahin machte er Station in Memmingen und zelebrierte im Augustinerkloster eine Messe. Dabei trug er der Überlieferung nach die nun in Augsburg präsentierte so genannte „Luther-Kasel“ mitsamt Stola und Manipel. Sie sind Leihgaben der Benediktinerabtei Ottobeuren, die sie seit der 1525 erfolgten Auflösung des Memminger Augustinerklosters in Ehren hält. Norbert Leudemann spekuliert im Katalog: „Die Fransen an der Stola sind teilweise abgeschnitten, womöglich ein Indiz dafür, dass man sie als Erinnerungsstücke an Luther weitergegeben und damit den Reformator wie einen Heiligen verehrt hat.“

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Flugschriften zeigen, dass es zehn Jahre nach seinem Papstbesuch für Luther richtig brenzlig wurde. Auf dem Wormser Reichstag verweigerte er 1521 den Widerruf seiner Schriften, was ihm im von Kaiser Karl V. erlassenen Wormser Edikt die lebensbedrohliche Reichsacht eintrug. Luther fand auf der Wartburg Zuflucht und nahm die Übersetzung des Neuen Testamentes vom Griechischen ins Deutsche auf, 1522 als „Septembertestament“ veröffentlicht. Eines der 3 000 damals in Wittenberg gedruckten Exemplare ist ausgestellt.

Die „Vormauer der Christenheit“ fiel 1521

Sie kosteten je nach Ausstattung einen halben bis eineinhalb Gulden. Das entsprach also ungefähr der Jahresmiete in der Fuggerei, die einen Gulden betrug. Ein von Hans Maler um 1525 angefertigtes Porträt stellt uns Jakob Fugger vor. Gode Krämer schreibt im Katalog über ihn: „Er blieb katholisch und wandte sich gegen die Reformation. Dies Beharren hatte neben der Gläubigkeit auch wirtschaftliche Gründe, denn Jakob Fugger war nicht nur mit der römischen Kirche wirtschaftlich verbunden, sondern vor allem durch seine Kredite auch mit den papsttreuen habsburgischen Kaisern.“

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Neben Wittenberg war Augsburg trotz der Fugger wichtigster Ort für die Veröffentlichung von Luthers Schriften. Zweiter Schwerpunkt der Augsburger Flugschriftenproduktion war die Bedrohung Europas durch das Osmanische Reich. In ihm herrschte seit 1520 Sultan Süleyman I., den uns eine um 1530 von Georg Hopfer geschaffene Eisenradierung hoch zu Ross vorstellt. Als dramatisch und alarmierend nahm die europäische Christenheit eine der ersten Amtshandlungen Süleymans wahr: Am 29. August 1521 eroberte er das vom Papst zur „Vormauer der Christenheit“ erklärte Belgrad, das als mächtigste Festung Europas galt.


Bis 28.11.2021 im Diözesanmuseum St. Afra, Kornhausgasse 3–5, Augsburg.
Di.–So. 10–17 Uhr, So. 12–18 Uhr. Informationen: Tel.: 0821-31 66 88 33,
Internet: www.museum-st-afra.de. Eintritt: 7,– Euro.
Der Katalog aus dem Kunstverlag Josef Fink kostet 24,90 Euro

 

 

 

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