In der achten Folge des Podcast „Sagen, wie es ist“ der "Tagespost" analysieren Jan Fleischhauer und Sigmund Gottlieb die politische Lage nach der Bundestagswahl sowie die Rolle der Kirchen im gesellschaftlichen Diskurs. Thema sind unter anderem die Kabinettsbildung unter Friedrich Merz, der Umgang mit Saskia Esken in der SPD und die Reaktionen auf den Tod von Papst Franziskus.
Fleischhauer stellt fest, dass das entscheidende Kriterium für Merz bei der Kabinettsbildung offenbar "Loyalität zum Kanzler" gewesen sei. Bekannte CDU-Politiker wie Norbert Röttgen seien nicht berücksichtigt worden. Stattdessen habe Merz auf weniger prominente, aber loyalere Figuren gesetzt. Sigmund Gottlieb betont hingegen, dass Merz auch Fachkompetenz von außen eingebunden habe: "Was mir schon gut gefallen hat, dass an zwei Positionen Fachkompetenz von außen ins Kabinett gekommen ist."
Ein zentrales Thema der Folge ist auch der künftige Umgang mit Jens Spahn. Fleischhauer spricht von einem taktischen Zug: Merz habe sich entschieden, Spahn als Fraktionsvorsitzenden einzubinden, um ihn unter Kontrolle zu halten. Gottlieb widerspricht teilweise und sieht in Spahn bereits eine mögliche Gegenkraft: "Jens Spahn baut sich ja jetzt schon in diesen Tagen als Gegenkandidat – will ich nicht sagen – aber als eine Gegenkraft zu Friedrich Merz aus."
Mit Blick auf die SPD äußern sich beide Journalisten kritisch über den Umgang mit Saskia Esken. Gottlieb bezeichnet das Verhalten der Parteiführung als "menschenverachtend" und beklagt: "Man macht sie regelrecht kaputt." Fleischhauer ergänzt: "Wenn die Leute sie sehen im Fernsehen, dann rufen sie: 'Mutti, wo ist die Fernbedienung?'."
Gestorben mit Symbolkraft
Auch der Tod von Papst Franziskus wird im Podcast thematisiert. Gottlieb spricht von einem "entscheidungsstarken Papst", der durch Bescheidenheit und Klarheit überzeugt habe. Besonders das 15-Punkte-Programm zur Kurienreform sei bemerkenswert gewesen. Fleischhauer hingegen betont eher die gestische Wirkung des Pontifikats: "Im Spirituellen, auch im Intellektuellen, war sein Vorgänger wirkmächtiger."
Beide Journalisten nehmen auch Bezug auf aktuelle kirchenpolitische Debatten. Sie greifen eine Äußerung der Bundestagspräsidentin Julia Klöckner auf, wonach sich die Kirchen zu einseitig politisch äußern würden. Fleischhauer kritisiert die thematische Fixierung auf Klimapolitik und Migration: "Je mehr sich die Kirche berufen fühlt, sich zu weltlichen Themen zu äußern, umso beliebiger macht sie sich."
Gottlieb stimmt zu und warnt vor einer "politischen Einseitigkeit", besonders in der evangelischen Kirche. "Mir kommt das vor, als seien Kirchentage grüne Parteitage mit einem Kreuz oben drüber." Fleischhauer schließt mit einem Plädoyer für eine sakral orientierte Liturgie und berichtet von seiner Teilnahme an einer überlieferten Messe in Berlin, welche für ihn ein Augenöffner gewesen ist: „Da habe ich gesehen, welche Kraft im Gottesdienst stecken kann.“ "Natürlich muss der Priester mit dem Rücken zur Gemeinde stehen. Wie denn sonst? Im Angesicht Gottes des Altars des Allmächtigen“, so Fleischhauer. DT/jna
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