Eine klare Devise: „Wenn du einen richtigen Imker gefunden hast, der einen richtig guten Honig macht – dann hast du das Bedürfnis, das allen Leuten mitzuteilen. Und ich finde, Jesus ist noch besser als Honig. Darum habe ich das Bedürfnis, allen Leuten zu erzählen: Guck mal, da kann jemand dein Leben verändern und dir neue Perspektiven schenken!“, erzählt Kiro Lindemann begeistert.
Der gebürtige Ägypter spricht aus Erfahrung: An Silvester 2011 starben bei einem Attentat auf Christen seine Mutter, seine Schwester und seine Tante. Seine andere Schwester überlebte schwer verletzt; noch heute kämpft sie mit den Folgen. Kiro habe damals seine Wut wortwörtlich am eigenen Leib erfahren. „Ich hatte sogar bitteren Geschmack im Mund, so deutlich spürte ich Bitterkeit und Rache in mir“, erzählt er. Die damalige islamistische Regierung Ägyptens verfolgte ihn bald, weil er sich islamfeindlich äußerte. Sie stellte ihn vor zwei Optionen: zum Islam zu konvertieren oder seinen Kopf zu verlieren. Darum floh er und gelangte über die Türkei, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Südkorea, Ecuador und die Niederlande – nach Deutschland. Schwere Jahre in einem Flüchtlingsheim folgten. „Jede Nacht hatte ich Angst, die Polizei würde in mein Zimmer platzen und mir mitteilen, ich würde abgeschoben. Denn so war das bei anderen Asylanten“, stellt er dar, wie es war, jahrelang ohne Aufenthaltserlaubnis zu leben.
Glauben und Alltag hängen zusammen
Kiro hatte in der Phase niemanden, den er kannte oder mit dem er befreundet war. Aber – er hatte Gott. Der ihm einige Jahre später eine Frau und mittlerweile auch zwei Kinder schenkte. Heute ist der Familienvater unterwegs im deutschsprachigen Raum, um seine Geschichte zu erzählen, die bezeugt: Gott führt denen, die ihn lieben, alles zum Guten. Auf Firmvorbereitungen, bei Gebetsabenden, bei Veranstaltungen von „Kirche in Not“ ist er präsent – und auf Instagram und YouTube. „Mit meinem Zeugnis kann ich Menschen dazu bewegen, sich wieder an den Herrn Jesus Christus zu klammern“, erklärt er.
„In der Kirche geht es viel um Theologie, aber wenig um praktischen Glauben im Alltag und in der Realität. Aber gerade der Alltag hat viel mit Glauben zu tun. Zum Beispiel, wie man sein Kind erzieht“, sagt Lindemann. Schon er selbst als Vater denke den ganzen Tag an seine Kinder und daran, was sie gebrauchen könnten. Wie viel mehr müsse Gott über uns nachdenken, stellt er im Gespräch mit der „Tagespost“ in den Raum. „Darum versuche ich, anhand kleiner Dinge aus unserem Alltagsleben den Glauben zu erklären. Damit die Menschen verstehen, dass der Glaube nicht fern ist und Gott gut ist.“
„Wozu” statt „Warum”
Es geht auf Kiros Kanälen viel um Kindererziehung und wie man sein Kind im Glauben stärkt. „Warum meine Tochter glücklicher ist als ich“, ist der Titel eines Videos. Die Auflösung spricht Kiro strahlend in die Kamera: „Sie hat nicht verglichen. Sie war glücklich, weil sie dankbar war. Jesus hat gesagt: ‚Seid wie die Kinder’“, erinnert er. Auch, wer keine Familie hat, für den produziert Lindemann Kurzfilme, „Reels“, wie sie auf Instagram heißen: „Warum, Gott?“ steht über einem Video und in der Beschreibung: „Bist du enttäuscht von Gott? Hast du gebetet, gehofft, geglaubt – und trotzdem ist alles anders gekommen, als du es dir gewünscht hast?“ Lindemann spricht, wie gewohnt mit ungetrübtem Lächeln und fröhlicher Stimme darüber, wie er die Frage nach dem Warum durch die Frage nach dem Wozu ausgetauscht habe.
Auf Ideen für neue Videoinhalte bringen ihn auch junge Menschen: „Die Firmlinge schicken mir oft privat ihre Glaubensfragen. Davon ausgehend mache ich Instagram-Videos“, sagt er. Er versuche – zusammen mit seiner Frau – „den gebrochenen Herzen die Frohe Botschaft zu verkünden“. Denen, die am Ende ihrer Kraft seien, neue Kraft zu geben. So, wie es in Jesaja 61 heißt. Das sei seine Vision von Mission.
„Ich glaube, wir brauchen mehr Leute, die wirklich von dem Herrn Jesus Christus fasziniert sind. Denn wenn sie fasziniert sind, dann können auch andere Leute von ihnen Feuer empfangen. Meine Zeugnisse sollen immer Werbung für Gott sein. Ich möchte, dass die Menschen verstehen: Sie brauchen Jesus. Auch, wenn wir schon das Jahr 2026 haben“, sagt Lindemann. „Ich erlebe manchmal auch Priester, die leider nicht mehr überzeugt von ihrem Glauben sind. Und das macht es den Gläubigen noch schwerer, selber zu glauben. Aber ich möchte nicht nur auf die Priester schießen. Denn auch wir Gläubigen vergessen oft, dass wir eigentlich eine Mission hätten. Wir sind mit der Welt schon so sehr vermischt, dass wir das ein bisschen vergessen haben.“
Kiro Lindemann ist auf Instagram zu finden unter kiro.lindemann und auf YouTube unter @kirolindemann.
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