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Christliche Influencer: Werbung machen für Gott

Sie werden gerne als „Gottes YouTuber“ bezeichnet und tragen dazu bei, dass junge Menschen ein positives Bild von Christen bekommen: christliche Influencer.
Die 19 jaehrige Jana Highholder ist das Gesicht des Youtube Kanals Jana Foto vom 03 05 2018 im Stud
Foto: Imago Images | Jana Highholder war das Gesicht des EKD-Videopodcasts „Jana glaubt“. Heute ist sie als selbstständige YouTuberin unterwegs.

Gibt es „christliche Kunst“ oder „christlichen Journalismus“? Oder sind es vielmehr Christen, die Kunst oder Journalismus betreiben? Ebenso berechtigt ist die Frage, ob es „christliche Influencer“ gibt. Fest steht: Wer heute Kultur und Gesellschaft prägen möchte, muss sehen, dass er ein „Beeinflußer“ im Internet wird.

Der Begriff „Influencer“ leitet sich vom englischen „to influence“ ab und bezeichnet jemanden, der gesellschaftlichen Einfluss über die Sozialen Medien ausübt. Dabei ist ein Influencer kein neumodisches Phänomen. Johann Wolfgang Goethes Protagonist „Werther“ kann man getrost als „Beeinflußer“ bezeichnen. Nach Erscheinung des gleichnamigen Briefromans im 18. Jahrhundert entstand ein Hype um den tragisch verliebten Jüngling. Junge Herren kopierten nicht nur Werthers Kleidungsstil – blauer Frack, gelbe Weste, Kniehosen und Stulpenstiefel –,sondern nahmen sich auch seinen aus unerwiderter Liebe begangenen Suizid zum Vorbild.

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Werbetreiber zahlen die Botschaft

Heute hat, dank Sozialer Medien, jeder die Möglichkeit, ein Influencer zu werden und seine Empfehlungen und Lieblingsprodukte den Massen zu präsentieren. Einige Menschen, die es zu einer großen Anzahl an Followerzahlen auf Instagram, TikTok und YouTube gebracht haben, können sogar davon leben. Bezahlt werden sie von Firmen, deren Produkte sie in ihren Videos und Fotos bewerben.

16 Millionen Follower

Lisa Mantler und Lena Mantler bei der 14. Verleihung des Audi Generation Award 2021 in der Allianz Arena. München, 06.10
Foto: Imago Images | In diesem Jahr sind Lisa und Lena die Preisträger des „Audi Generation Award“ in der Kategorie „Creative“.

Doch wie schafft man es, im Internet zu dieser hohen Aufmerksamkeit zu gelangen? Stichworte sind Authentizität und Originalität. Davon haben Lisa und Lena eine Menge. 2015 fingen sie damit an, ihre ersten „Lip Sync-Videos“ auf musical.ly, dem Vorläufer von TikTok, hochzuladen. „Lip Sync“, auf Deutsch „Lippensynchronisation“, ist ein anderer Ausdruck für Playback. Die Zwillinge filmten sich, während sie kurze Sequenzen von Popliedern imitierten. Dazu dachten sich die damals 13-Jährigen spritzige Choreografien aus.

Der Aufwand für tägliche 20-Sekunden-Tanzvideos ist allerdings nicht zu unterschätzen. Die Choreografie muss geprobt werden und perfekt sitzen.

Auch das Schneiden und Zusammenstellen am Computer ist aufwändig. Ihre Videos verbreiteten sich unter den Jugendlichen auf TikTok. Viele ahmten die Tänze des Duos nach und teilten die Aufnahme auf der eigenen TikTok-Seite. Anfang 2016 hatten Lisa und Lena bereits 10 000 Follower auf der Plattform. 2018 moderierten sie an der Seite von Promis die RTL-II-Musikshow „The Dome“ und unterschrieben drei Verträge mit Modelagenturen. 2022 werden sie auf „KIKA“ eine eigene Kindersendung moderieren. Die Zwillinge gelten als die bekanntesten Influencer Deutschlands. Dabei sind die beiden keine klassischen Influencer. Sie teilen kaum Privates und machen wenig Werbung für Produkte. Es geht vordergründig um Spaß und darum, gute Laune zu verbreiten.

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Leben und Sterben im Glauben

Doch im letzten Jahr sickert auf ihren Kanälen immer häufiger durch, dass Lisa und Lena Mantler gläubig sind. Eine christliche Prägung bekamen sie durch ihr Elternhaus: Als Säuglinge wurden sie von einer freikirchlichen Familie adoptiert. Als die Bekanntheit der jungen Frauen immer mehr zunahm, beschloss die Mutter, ihren Job als Erzieherin an den Nagel zu hängen, um ihre Töchter zu managen und auf Auftritte zu begleiten.

Ende November posteten Lisa und Lena eine Aufnahme mit dem Titel „I have decided“ mit einem Bibelvers aus dem Kolosserbrief. Zu sehen ist ein freikirchlicher Pastor, der Lisa in einem Becken untertaucht. Es ist Lisas Taufe. Ihre Schwester hat sich im Juni bereits taufen lassen. Das hat sie, so erzählt sie in einem YouTube-Video, maßgeblich einem anderen prominenten Zwillingspaar zu verdanken: Philipp und Johannes Mickenbecker. Die vier lernten sich bei einem Auftritt in der populären Freikirche „ICF“ in Mannheim kennen. Das war nur wenige Monate vor Philipps tragischem Tod (die Tagespost berichtete). In dem YouTube-Video, dass die Beerdigung des 23-Jährigen im Kreis seiner Freunde zeigt, erzählt Lena unter Tränen, dass sie ihre Taufe vor allem Philipps Inspiration zu verdanken habe.

War Jana der EKD zu konservativ?

Der Vorwurf, dass die Videos von Lisa und Lena oberflächlich sind, mag berechtigt sein. Doch mit ihren für Freude und Humor sorgenden Inhalten erreichen sie Massen von Teenagern, anstatt – wie sonst oft, wenn Christen Inhalte für Soziale Medien produzieren – ein Nischenpublikum. Durch sie erfahren viele junge Menschen zum ersten Mal, dass Christ-Sein nicht mit langweilig, altmodisch oder erfolglos gleichzusetzen ist. Damit gehören die Zwillinge zu den Influencern, die zwar Christen sind, aber keinen speziell christlichen Inhalt anbieten.

Jemand, der zwar im Vergleich zu Lisa und Lena ein Nischenpublikum bedient, dafür aber Videos mit Tiefgang und zu theologischen Fragestellungen erstellt, ist Jana Highholder. Die 22-Jährige ist eine sogenannte „Sinnfluencerin“. Sinnfluencer – der Begriff ist eine Wortneuschöpfung aus „Sinn“ und „Influencer“ – möchten ihre Popularität nutzen, um nachhaltige Produkte zu bewerben oder ihre Community über gesellschaftlich relevante Themen wie Umweltschutz oder Menschenrechte zu informieren. „Girl preacher und game changer“ Jana, so bezeichnet sie sich auf ihrer Homepage, möchte auf Gott aufmerksam machen. Ab 2014 nahm sie mit selbstverfassten Texten erfolgreich an Poetryslams teil. Im März 2018 nahm die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) die Medizinstudentin unter Vertrag für einen Video-Podcast, der fortan den Titel „Jana glaubt“ trug.

Wer bei Christi Lehre bleibt, kann an Finanzen der EKD scheitern

Das Ziel des Projekts war, junge Leute mithilfe des Internets und einer authentischen jungen Frau wie Jana für Glaubensthemen und Kirche zu begeistern. In den wöchentlichen, um die zehn Minuten langen YouTube-Videos ging die Medizinstudentin Themen wie „Erfüllt Gott Gebetswünsche?“ oder „Christliche Botschaften in Serien“ nach. Der Kanal wuchs auf 23 000 Abonnenten an.

Doch dann entbrannte wegen einer Aussage Janas eine Diskussion: In einem Gespräch zwischen Jana und der „Christ-und-Welt“-Kolumnistin Hanna Jacobs über die Rolle der Frau meinte Jana: „Ich würde mich gerne einem Mann unterstellen, der mich so liebt wie Christus die Gemeinde“. Der Medizinstudentin wurde daraufhin nachgesagt, sie sei zu konservativ. Innerhalb der EDK wurde diskutiert, ob eine Person mit freikirchlichem Hintergrund wie Jana die Landeskirche überhaupt repräsentieren solle. Ihr wurde vorgeworfen, sie habe „biblizistische Positionen“. 2020 wurde „Jana glaubt“ schließlich eingestellt, da es an der Finanzierung fehlte – was Jana nicht zum Nachteil gereichte.

Die Trennung vom Arbeitgeber hat gutgetan

Auf Instagram folgen der Sinnfluencerin 32 000 Personen, bald erscheint ihr sechstes Buch und die „Johannes 4,16“ – Kleidungskollektion ihrer nachhaltigen Modemarke. Jana wird oft als Sprecherin in den populären Freikirchen Deutschlands eingeladen. Auf ihrer Homepage definiert sie ihren Auftrag als Sinnfluencerin und christliche Influencerin so: „Soziale Medien sind für mich ein Sprachrohr, um einer jungen Generation zuzurufen: ,Gott lebt! Gott liebt! Und ich tue es auch!'“

Jetzt fehlen in Deutschland noch katholische Influencer – oder Katholiken, die durch ihr Talent und ihre Ausstrahlung Werbung für Gott im Internet betreiben.

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