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Sternberg: Müller ruiniert Ruf mit Unterschrift unter Viganò-Papier

„Dass da ein doch zumindest früher mal renommierter Mann bereit ist, das zu unterschreiben, da habe ich dann nur noch Mitleid mit“, so der ZdK-Präsident zur Unterschrift von Kurienkardinal Gerhard Müller unter dem Viganò-Appell.
Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)
Foto: Andreas Arnold (dpa) | In dem Viganò-Appell stehe ein so "krauses, krudes und abenteuerliches Zeug", dass er die Unterschrift des ehemaligen Regensburger Bischofs, Kardinal Gerhard Müller, nicht verstehen könne, so der ZdK-Präsident Sternberg.

Die Kritik an dem von Ex-Nuntius Carlo Maria Viganò unterzeichneten Aufruf zur Coronavirus-Pandemie hält weiter an. Im Gespräch mit dem Kölner „Domradio“ erklärte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, im Hinblick auf die Unterschrift von Kurienkardinal Gerhard Müller: „Dass da ein doch zumindest früher mal renommierter Mann bereit ist, das zu unterschreiben, da habe ich dann nur noch Mitleid mit.“

In dem Aufruf stehe „ein so krauses, krudes und abenteuerliches Zeug“, dass man sich frage: „Was in aller Welt bringt einen Menschen, der doch mal ein durchaus angesehener Professor in München war und ein wichtiger Bischof für Regensburg, ein bedeutender Kirchenmann, dazu, auf seine alten Tage seinen gesamten Ruf zu ruinieren, indem er so etwas unterschreibt?“

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Sternberg: Abenteuerliche Verfolgungswahnideen

Der von Kardinälen, Bischöfen und katholischen Laien unterzeichnete Text „Veritas liberabit vos“, in dem die Einschränkung fundamentaler Freiheiten im Zuge der Corona-Bekämpfung kritisiert und vor Panikmache gewarnt wird, war am Donnerstag in mehreren Sprachen veröffentlicht worden. Darin warnen die Unterzeichner auch vor der „Schaffung einer Weltregierung, die sich jeder Kontrolle entzieht“.

Sternberg wies zudem darauf hin, dass in dem Aufruf die Rede sei von einer „verabscheuungswürdigen technokratischen Tyrannei“ und einem Plan, „mit dem die Mächtigen der Welt uns beugen wollen“. Da müsse man sich fragen: „Sind plötzlich die ganzen Herren Putin, Trump, der chinesische Präsident, die europäischen Mächte, sind die alle eine einzige verschworene Truppe? Das wäre mir völlig neu.“ Zu den „abenteuerlichsten Verfolgungswahnideen“, die im Moment im Internet kursierten, gehöre die Vorstellung von der Existenz eines Plans, eine drastische Bevölkerungsreduzierung zu verfolgen.

Sternberg betonte, dass die Unterzeichner des Appells auch scharfe Kritik an Papst Franziskus verbinde. „Ich habe den Eindruck, dass diese immer schon relativ kleine, aber mächtige Gruppe der Papstgegner sich durch ein solches Zeug, wie es auf diesem Papier steht, demaskiert“, so der ZdK-Präsident. Das andere könne man dann auch nicht ernst nehmen.

Sternberg: Unterzeichner auch scharfe Franziskus-Kritiker

In dem „Aufruf für die Kirche und für die Welt an Katholiken und alle Menschen guten Willens“ warnen die Unterzeichneten vor Panikmache angesichts der Coronakrise. Unter dem Vorwand der Covid-19-Epidemie würden in vielen Fällen unveräußerliche Rechte der Bürger verletzt und ihre Grundfreiheiten unverhältnismäßig und ungerechtfertigt eingeschränkt, einschließlich des Rechts auf Religionsfreiheit, freie Meinungsäußerung und Freizügigkeit, so das Papier. 

Nachdem am Samstag der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, Abstand von dem Aufruf genommen hatte, distanzierten sich gestern auch weitere Bischöfe, wie etwa der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer oder der Rottenburg-Stuttgarter Biscof Gebhard Fürst. Auch der Magdeburger Bischof Gerhard Feige und der Hamburger Bischof Stefan Heße äußerten ihr Unverständnis. 

DT/mlu

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