Vatikanstadt

Papst ruft zur liturgischen Bildung auf

In seinem jüngsten Apostolischen Schreiben bekräftigt Franziskus, dass es nur eine Form gibt, den römischen Ritus zu feiern.
Papst Franziskus
Foto: Alessandra Tarantino (AP) | Er können nicht verstehen, meint Franziskus, dass „man die Gültigkeit des Konzils anerkennt“ und nicht die Liturgiereform akzeptieren könne, die aus dem Konzil hervorgegangen sei.

In seinem heute, am Hochfest Peter und Paul, veröffentlichten Apostolischen Schreiben „Desiderio Desideravi“ (Ich habe mich sehr danach gesehnt, Lk 22,15) ruft Papst Franziskus dazu auf, die polemischen Auseinandersetzungen über die Liturgie hinter sich zu lassen und die Schönheit der Liturgie wiederzuentdecken. Der christliche Glaube sei entweder eine Begegnung mit Jesus Christus – oder es gebe keinen Glauben. Und die Liturgie biete die Möglichkeit dieser Begegnung mit dem Gottessohn, sie sei weitaus mehr als eine Erinnerung an das Letzte Abendmahl.

Download: Desiderio Desideravi

Stattdessen müssten die Getauften bei diesem Abendmahl „anwesend sein, seine Stimme hören, seinen Leib essen und sein Blut trinken können: Wir brauchen ihn. In der Eucharistie und in allen Sakramenten wird uns die Möglichkeit garantiert, dem Herrn Jesus zu begegnen und von der Kraft seines Paschas erreicht zu werden.“ 

Bezug auf das Motu proprio „Traditionis custodes“

Das Apostolische Schreiben nimmt ausdrücklich Bezug auf das Motu proprio „Traditionis custodes“. Es stellt keine Instruktion oder ein neues Direktorium mit Regeln dar. In seinen 65 Paragrafen will es dazu einladen, sowohl den Ästhetizismus zu überwinden, der nur auf die äußere Form der Liturgie achte, als auch alle Nachlässigkeiten und Schlampereien bei der Feier der Sakramente. Das Schreiben fußt auf den Ergebnissen der Arbeiten der Vollversammlung der Liturgie-Kongregation vom Februar 2019.
 

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Wieder wendet sich der Papst gegen den Gnostizismus und den Neo-Pelagianismus in der Kirche, dieses Mal auf dem Gebiet der Liturgie. Der Gnostizismus reduziere den christlichen Glauben „auf einen Subjektivismus, der den Einzelnen in der Immanenz seiner eigenen Vernunft oder seiner Gefühle einschließt“. Der Neo-Pelagianismus hebe den Wert der Gnade auf, „um sich nur auf seine eigene Kraft zu verlassen, was zu narzisstischen und autoritärem Elitebewusstsein führt, wo man, anstatt die anderen zu evangelisieren, sie analysiert und bewertet und, anstatt den Zugang zur Gnade zu erleichtern, die Energien im Kontrollieren verbraucht.“

„Gift des Subjektivismus“

Wenn uns der Gnostizismus mit dem „Gift des Subjektivismus“ berausche, so Franziskus, so befreie die liturgische Feier aus dem Gefängnis der Selbstreferentialität. Und wenn der Neo-Pelagianismus uns „mit der Anmaßung eines durch die eigene Anstrengung verdienten Heils berauscht, so reinigt uns die liturgische Feier, indem sie die Unverdientheit der im Glauben angenommenen Heilsgabe verkündet“. Die ständige Wiederentdeckung der Schönheit der Liturgie sei nicht das Streben nach einem rituellen Ästhetizismus, „der sich nur an der Pflege der äußeren Formalität eines Ritus erfreut oder sich mit einer skrupulösen Einhaltung der Rubriken zufrieden gibt.“
 

Er können nicht verstehen, meint Franziskus, dass „man die Gültigkeit des Konzils anerkennt“ und nicht die Liturgiereform akzeptieren könne, die aus dem Konzil hervorgegangen sei. „Aus diesem Grund fühlte ich mich – wie ich in dem Brief an alle Bischöfe erklärt habe – verpflichtet zu bekräftigen, dass ,die von den heiligen Päpsten Paul VI. und Johannes Paul II. in Übereinstimmung mit den Dekreten des Zweiten Vatikanischen Konzils promulgierten liturgischen Bücher... die einzige Ausdrucksform der Lex orandi des Römischen Ritus sind’.“ Aus dieser Feststellung ergebe sich aber die Notwendigkeit einer soliden liturgischen Bildung. Letzten Ende gehe es aber bei der Liturgie nicht um „Wissen“, sondern um die Angleichung an Jesus Christus, das heißt darum, Glied des Leibes Christi zu werden.

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