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Ende des 102. Katholikentages in Stuttgart 

Abschlussgottesdienst auf dem Schlossplatz. Mit Dialogpredigt und Erneuerung der Reformforderungen endete der 102. Katholikentag in Stuttgart. Zusammengenähter Mantel wieder geteilt.
Schlussgottesdienst des 102. Katholikentags in Stuttgart
Foto: IMAGO/Jens Schulze (www.imago-images.de) | Mit dem Schlussgottesdienst auf dem Schlossplatz endete der 102. Katholikentag in Stuttgart.

Mit einem Gottesdienst auf dem Schlossplatz endete heute der 102. Katholikentag in Stuttgart. Neben einem Negativrekord der Teilnehmerzahlen und einem hohen finanziellen Defizit war die Veranstaltung des Zentralkomitees deutscher Katholiken vor allem von einseitig geführten Reformdebatten geprägt. Zum Gottesdienst am Ende hatten sich einige Tausend Menschen auf dem Schlossplatz versammelt. Den Gottesdienst leitete Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Es konzelebrierten Gebhard Fürst, Rottenburg- Stuttgart und Oswald Kardinal Gracias, Erzbischof von Mumbai/Indien.

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Dialogpredigt nach Evangelium

Die erste Lesung wurde in einer Bibelübersetzung in sogenannter leichter Sprache gelesen. In einer Dialogpredigt mit Katrin Brockmöller, Direktorin des Kath. Bibelwerks in Stuttgart, sprach Bätzing über die Schriftlesungen. Beide sahen die Lesungen der Messe als zu apokalyptisch an. In einem geistlichen Austausch, so Bätzing, habe man sich den Lesungen genähert. Brockmöller und Bätzing trugen während des Gottesdienstes das gleiche Pektorale.

Brockmöller kritisierte die Praxis als tödlich, anderen abzusprechen, richtig von Gott zu sprechen. Bätzing kritisierte den Antisemitismus in der Stephanuserzählung und pries die Kirche der Gegenwart für ihren Kampf dagegen. Bezogen auf die Reformdebatten sprach Bätzing davon, es gehe möglicherweise nicht darum den kleinsten gemeinsamen Nenner, was so gerade noch gehe, zu finden. Bätzing plädierte stattdessen für Vielfalt. Mehrfach wurde der Dialog von Szenenapplaus unterbrochen. Zu den folgenden Fürbitten wurden, ebenso wie zuvor schon zum Kyrie, die Vorbeter teilweise per Video eingeblendet. Das von Bätzing und den Konzelebranten vorgetragene Hochgebet wurde mehrfach durch Gesänge unterbrochen. 

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Kirchenpolitisch geteilter Mantel

Zum Abschluss sprach Irme Stetter- Karp ein Schlusswort zum Katholikentag. Nach den Lockdowns, sei man wieder auf einer Gesellschaft des Miteinanders. Sie verwies auf die Ukraine als große europäische Krise. Der Katholikentag habe sich solidarisch gezeigt. Ferner forderte sie mehr Geld für Entwicklungsetats. Ferner wolle man Initiativen für Demokratie stärken. Sie wiederholte ihre Forderung, die Kirche solle sich verändern.

Damit mahnte Stetter-Karp die auf dem synodalen Weg geforderten Reformen an. Es folgte eine Einladung zum evangelischen Kirchentag in Nürnberg im Jahr 2023 von Thomas de Maizière. Ulrich Neymeyr, Bischof von Erfurt, und eine Vertreterin aus Erfurt sprachen eine Einladung zum kommenden 103. Katholikentag 2024 in Erfurt aus. Von Aktionskünstlern wurde am Ende des Gottesdienstes der 80 Meter lange Mantel geteilt und mit teilweise kirchenpolitischen Statements bestimmten Gruppen, z.B. queeren Menschen, Vertretern des Synodalen Weges, der Caritas und Teilnehmern aus Uganda übergeben. In den letzten Tagen hatte die Tagespost über zahlreiche Veranstaltungen der Versammlung in Stuttgart berichtet. DT/pwi

Lesen Sie in der kommenden Ausgabe der Tagespost mehrere Berichte über den 102. Katholikentag in Stuttgart.

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