Kommentar um "5 vor 12"

Bätzings Punktlandung in Opfer-Ignoranz

Die Beförderung eines sexuell übergriffigen Priesters durch den DKB-Vorsitzenden zeigt wieder, dass es mit der auf dem Synodalen Weg hochgelobten Missbrauchsaufarbeitung nicht weit her ist.
Deutscher Katholikentag in Stuttgart
Foto: Marijan Murat (dpa) | Es wäre nicht nur wünschenswert, sondern buchstäblich notwendig, dass der Limburger Bischof nicht so leicht davonkommt, wie Anfang des Jahres Kardinal Rainhard Marx, dessen Fehler man lieber links liegen ließ.

Das Bistum Limburg verteidigt seinen Bischof. Löblich, solche Loyalität. Bringt nur nichts. Wenn ein Mann Frauen — oder auch Männern, Kindern, Schwachen — an die Wäsche geht, muss man ihm erstmal alle Stecker ziehen und nicht in führende Positionen hieven! Und zwar auch dann nicht, wenn er Reue zeigt und sich entschuldigt.

Eine Entschuldigung ändern nichts an der Tatsache, dass ein Mensch sexuelle Fehlverhalten an den Tag legt. Frauen unter die Bluse zu gehen oder anders sexuell zu bedrängen, zeugt von Missachtung der Person und deren Würde.

Es geht darum, die Kirche auf den Kopf zu stellen

Dass sich ausgerechnet jener Bischof mit einem „Sorry“ zufriedengibt, der im Zuge des Synodalen Weges die Missbrauchsaufarbeitung hochhängt, lässt doppelt aufhorchen. Wie kann man nach mehreren sexuellen Übergriffen eine Entschuldigung als versöhnliche Geste nicht nur gelten, sondern gar durchgehen lassen, den Täter auch noch mit einer Beförderung belohnen, als könne man sich sicher sein, dass ein solcher Mensch, der ganz offenbar Probleme hat, nie mehr Frauen belästigen wird?

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Der Vorfall beweist einmal mehr, wie wenig es tatsächlich um Missbrauchsaufarbeitung geht. Das war noch nie das Thema des Synodalen Weges. Es geht vielmehr von Anfang an um den Umbau der Kirche oder um es mit Bätzings Worten zu sagen: Es geht darum, die Kirche auf den Kopf zu stellen. Und es geht darum, als Handlanger der links-grünen LGBT-Szene deren Interessen voranzubringen.

Jedenfalls gibt es in der Sache des übergriffigen beförderten Priesters nichts zu beschönigen. Bätzing hat in Sachen „Opfer-Nichtschutz“ oder „Opfer-Ignoranz“ eine Punktlandung hingelegt. Wenn das Antidiskriminierung von Frauen sein soll, dann Prost. 

Die Herren messen mit zweierlei Maß

Zudem muss man jetzt befürchten, dass Frauenopfer vorgeschoben werden, um von der Tatsache abzulenken, dass es in der Kirche einen eindeutig bewiesenen Zusammenhang zwischen Missbrauch und Homosexualität gibt — bei rund 80 Prozent der Opfer handelt es sich um Männer in der Vorpubertät —, Bätzing und andere dies mit ihrem ewigen Narrativ von „systemischen Ursachen“ zu überspielen versuchen. 

Außerdem messen die Herren mit zweierlei Maß. Ausgerechnet Bätzing redet sich heraus, der im Fall Woelki keine Gnade walten ließ und seinen Abgang forderte, obwohl dieser sich nichts hat zu Schulden kommen lassen. Im Gegenteil. Zudem hat kein Bistum bisher so fundiert, präzise, transparent und umfassend Missbrauchsfälle aufgearbeitet wie Köln. 

Es wäre nicht nur wünschenswert, sondern buchstäblich notwendig, dass der Limburger Bischof nicht so leicht davonkommt, wie Anfang des Jahres Kardinal Rainhard Marx, dessen Fehler man lieber links liegen ließ. Warum eigentlich? Um vom eigentlichen Problem abzulenken?

Nichts anderes ließ das Statement des Sprechers des Bistums Limburg vermuten, der sagte, die „Zeit“ erwecke den Eindruck, „Bischof Bätzing würde Betroffene nicht hören, sich auf die Seite von Tätern stellen und Beschuldigte befördern, statt zu sanktionieren“. 

Die Wahrheit kommt irgendwann ans Licht

Er hört Betroffene vielleicht an, nimmt sie aber anscheinend nicht immer ernst. Oder was soll man sonst denken, wenn er zu seiner Verteidigung nichts Besseres zu sagen weiß als: Liebes Opfer, was du da fühlst, liegt an deinen Empfindungen, das ist rein subjektiv und tut hier nichts zur Sache. Wenn das Bätzings Opferschutz sein soll, dann ist zu erwarten, dass auch der Rest der limburg‘schen Missbrauchsaufarbeitung entsprechend verheerend ausfallen wird. 

Wer lauthals nach Missbrauchsaufarbeitung und Sanktionen ruft, sollte sich selber nicht hinter Feigenblättern verstecken. Die Wahrheit kommt irgendwann ohnehin ans Licht. Es muss Schluss sein mit großspurigen Reden. Das Problem muss an der Wurzel gepackt werden. Auch wenn eine der Wurzeln, die da ausgerissen werden, Bätzing selbst sein sollte.

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