Kommentar um "5 vor 12"

Die Unverbesserlichen

Aufruhr im Bistum Trier. Während andere Bischöfe im medialen Sturm der Entrüstung stehen, bleibt es ruhig um Ackermann. In Trier geht es jedoch auch um Marx und Bätzing.
Marx und Bätzing
Foto: Andreas Arnold (dpa) | Neben dem Diözesanbischof von Trier richtet sich hier der Blick auch auf Kardinal Marx und Bischof Bätzing.

Das Imageproblem der katholischen Kirche hat keiner präziser auf den Punkt gebracht als Papst Franziskus. Er klagte im Zusammenhang mit dem Rücktritt des Pariser Erzbischofs Michel Aupetit über den „Altar der Heuchelei“, auf dem Amtsträger derzeit unter medialem Druck geopfert werden. Wie das praktisch funktioniert, zeigen die Reaktionen auf die „Spiegel“-Reportage über die Aufarbeitung sexueller Missbrauchsfälle im Bistum Trier im „Spiegel“.

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Der Sonderfall

Das Bistum Trier stellt einen Sonderfall in Deutschland dar, denn die Untersuchung der Missbrauchsfälle betrifft gleich drei amtierende Diözesanbischöfe: neben Ortsbischof Stephan Ackermann auch dessen Vorgänger, den Münchner Kardinal Reinhard Marx und den vormaligen Generalvikar und heutigen Limburger Bischof Georg Bätzing. Darüber hinaus beziehen sich die Vorwürfe nicht ausschließlich auf den Missbrauch als solchen, als auch auf die Sakramentenverwaltung, in einem Fall konkret auf die Beichte.

Der publizistische Aufschrei bleibt im Fall Trier allerdings aus. Liegt dies ausschließlich daran, dass die Untersuchung noch nicht abgeschlossen ist und man geziemend deren endgültige Ergebnis abwartet, ehe man sich zu Wort meldet? Wer sich an die medial gepuschte öffentliche Entrüstung gegen die Kölner Bistumsleitung erinnert, kann jetzt den Kopf schütteln. Deutschlands Bischöfe sind vor dem Rechtsstaat zwar alle gleich, in der medialen Hackordnung sind aber einige gleicher. Die Banalität dieser Strategie führt der „Stern“ im Interview mit Bischof Bätzing vor.

Deutsche Heuchelei

Die Verantwortung des Einzelnen erscheint darin nahezu zweitrangig gegenüber der angeblichen Mammutaufgabe, kirchliche Strukturen zu ändern – und zwar nach einer protestantischen Agenda. Deren Effizienz und Durchsetzbarkeit ist heute allerdings Wunschdenken und nicht bewiesen. Kritische Nachfrage, ob eine Zeit des Rückzugs für die betroffenen Bischöfe angemessen wäre? Angesichts soviel episkopalen Sendungsbewusstseins wohl eine Fehlanzeige. Auf dem Altar deutscher Heuchelei erscheint Bischof Bätzings Weigerung, dem Papst seinen Rücktritt anzubieten ebenso unvermeidlich wie die Absage von Kardinal Marx, dieser Zeitung auf konkrete Fragen zu einzelnen Fällen zu antworten. Es ist nachvollziehbar, dass sich Trierer Missbrauchsopfer verhöhnt fühlen.

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