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Schick wäre die Wahrheit

Es wird in der katholischen Kirche keine Frauenweihe geben. Doch ein weiterer Bischof stellt sich in die Reihe derjenigen, die auf Beifall aus sind, anstatt die Wahrheit zu verkünden.
Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg
Foto: Sebastian Gollnow (dpa) | Erstaunlich ist, dass ein katholischer Bischof die Tatsache, dass die Priesterweihe Männern vorbehalten ist, als fehlende Gleichberechtigung bezeichnet.

„Wir werden keine Kirche bleiben, in der Frauen nicht gleichberechtigt sind,“ hat der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick am Mittwochabend in einer Talkshow im BR Fernsehen verkündet. Seiner Ansicht nach werde die Frauenweihe perspektivisch auch in Rom durch eine Synode oder ein Konzil bearbeitet. Ein weiterer kirchlicher Würdenträger unterliegt vor den Augen der Republik der Versuchung, Beifall zu erhalten, anstatt das zu sagen, worauf die Menschen, Männer und Frauen, ein Recht haben. Nämlich die Wahrheit.

Den Kopf für den Glauben hinhalten

Es wird in der Katholischen Kirche kein Frauenpriestertum geben. Papst Johannes Paul II. hat dies 1994 ein für allemal festgestellt. Weder Papst Franziskus noch einer seiner Nachfolger wird daran rütteln, sollte der Synodale Weg auch noch so viele Voten in Rom einreichen. Das muss auch Erzbischof Schick klar sein und er wäre es seinen Hörern schuldig, dies wenigstens aus Gründen der Aufrichtigkeit so zu benennen. Niemand will der Bote sein, der für unerwünschte Nachrichten mit seinem Kopf bezahlen muss. Das ist verständlich, auch wenn ich als katholischer Laie das Recht darauf hätte, dass mein Hirte genau das tut, nämlich den Kopf für den Glauben hinzuhalten.

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Noch erstaunlicher ist, dass ein katholischer Bischof die Tatsache, dass die Priesterweihe Männern vorbehalten ist, als fehlende Gleichberechtigung bezeichnet. Um zu verstehen, wo in der Kirche die Gleichberechtigung liegt, muss man den Daseinszweck der Kirche in den Blick nehmen. Die Kirche ist der Weg, den Gott gewählt hat, um allen Menschen auf der Welt quer durch die Zeit das Heil zu bringen. Daran und an nichts anderem müssen sich die Rechte der Gläubigen in der Kirche messen lassen. Alle Getauften sind dazu gleichberechtigt, an dieser Sendung der Kirche mitzuwirken. Zu meinen, dafür brauche man ein Amt, ist nichts anderes als Klerikalismus und wertet die Rolle der Laien in der Kirche herab. In Zeiten, in denen der Pfarrer am Sonntag noch zu ein paar versprengten Schäfchen spricht, während christliche Youtuberinnen zu Tausenden sprechen, kann niemand ernsthaft behaupten, man könne mit Priesterkragen besser evangelisieren als ohne. Nur eben anders. Diversität ist hier gefragt – die ist uns doch auch sonst so wichtig. 

Frauen haben Priestern gegenüber Rechte

Übrigens, wo wir schon von Rechten sprechen: Frauen haben Priestern gegenüber Rechte, umgekehrt ist das nicht der Fall. Frauen (und Männer) haben das Recht darauf, dass der Priester ihnen die Sakramente spendet und den Glauben der Kirche verkündet. Wenn eine Frau nachts um 2 Uhr bei ihrem Pfarrer an die Tür klopft und das Sakrament der Buße empfangen will, darf er ihr das nicht verweigern. Im Namen der Gleichberechtigung die Priesterweihe von Frauen zu fordern, bedeutet, das Priestertum als Machtposition zu missverstehen und nicht als Dienst. Von ihren Bischöfen sollten Gläubige erwarten können, dass sie den Unterschied verstehen und zu artikulieren in der Lage sind. Ein Priester, der mit der Autorität seines Amtes etwas verkündet, das nicht mit dem Glauben der Kirche übereinstimmt, überschreitet seine Befugnisse. 

Natürlich gibt es Priester, die ihre Position als Machtstellung missbrauchen. Frauen können und tun das auch. Das ist aber kein Argument gegen Autorität, sondern dafür, egal an welche Stellen uns das Leben gesetzt hat, nach Heiligkeit zu streben. Frauen (und Männer) hätten eigentlich ein Recht darauf, dass Bischöfe und Priester sie genau dabei unterstützen.

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