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„In Russland sind Kriminelle an der Macht“

Die Ukraine muss Widerstand leisten, um zu überleben, sagt der Großerzbischof der ukrainischen Katholiken des byzantinischen Ritus, Swjatoslaw Schewtschuk.
Schewtschuk: Die Ukraine muss Widerstand leisten, um zu überleben
Foto: Hennadii Minchenko (www.imago-images.de) | Im „Tagespost“-Interview, das bei seiner Rückreise von Rom nach Lemberg bei einem Zwischenstopp in Wien geführt wurde, warnte der Großerzbischof den Westen vor einer „romantischen Vorstellung von Russland und der ...

„Heute versteht jeder in Russland, dass die Invasion in der Ukraine ein Fehler war.“ Das sagt das Oberhaupt der ukrainischen Katholiken des byzantinischen Ritus, Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, im Gespräch mit der „Tagespost“. Selbst in den höchsten Rängen werde das in Moskau so gesehen. „Aber es wird darüber gesprochen, wie jemand das Gesicht wahrt, statt darüber, wie man aus dieser endlosen Logik des Krieges aussteigt“, so Schewtschuk.

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Im „Tagespost“-Interview, das bei seiner Rückreise von Rom nach Lemberg bei einem Zwischenstopp in Wien geführt wurde, warnte der Großerzbischof den Westen vor einer „romantischen Vorstellung von Russland und der russischen Spiritualität“. Viele würden an den russischen Humanismus und an Dostojewski denken. „Heute jedoch sind in Russland Kriminelle an der Macht.“ Das Russland vor dem 24. Februar gebe es nun nicht mehr.

Säkularisierungswelle aus dem verwüsteten Osten

Eine dramatische Welle der Säkularisierung erwartet Schewtschuk für Russland und die Ukraine: „Dass die orthodoxe Kirche in Russland sich derart von der Politik instrumentalisieren lässt und den Krieg rechtfertigt, kann zu einer tödlichen Gefahr für die moralische Autorität der Kirche werden. Es geht um die Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft in der heutigen Welt.“ Das enge Zusammenspiel von Kirche und Staat in Moskau verursache einen großen Skandal. „Die nun drohende Säkularisierungswelle kommt nicht vom unmoralischen Westen, sondern aus dem spirituell verwüsteten Osten.“ 

Die Ukraine muss sich nach Ansicht des Großerzbischofs weiter verteidigen, um zu überleben: „Nur wenn die Ukraine nicht kapituliert, sondern standhält und als Staat und Nation weiter existiert, wird dieser Widerstand dazu führen, dass beide Seiten gezwungen sein werden, die objektive Wirklichkeit und Wahrheit anzuerkennen. Darum müssen wir weiter Widerstand leisten.“ Niemand wisse, wie lange das dauern werde.

Papst will noch immer mit Putin sprechen

Schewtschuk, der vor wenigen Tagen in Rom mit Papst Franziskus über die Lage in der Ukraine sprechen konnte, berichtet im „Tagespost“-Interview, der Papst glaube weiterhin an die Möglichkeit einer Vermittlung zwischen Russland und der Ukraine. „Und er glaubt weiter, dass sein direktes Gespräch mit Putin die Situation verändern könnte. Doch bis jetzt fand es nicht statt.“ Franziskus habe schon zu Beginn der Invasion versucht, mit Putin zu telefonieren, aber das sei ihm verweigert worden.
DT/sba

Lesen Sie das vollständige Interview mit dem ukrainischen Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk am kommenden Donnerstag in der "Tagespost".

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