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Leo XIV. lobt türkische Familienkultur, Erdogan wettert gegen Israel

In der Türkei fordert der Papst eine Welt „starker globaler Konflikte“ zur Umkehr auf und präsentiert seine Vision der „Einheit der Menschheitsfamilie“.
Papst Leo XIV. bei Präsident Erdogan
Foto: IMAGO/TUR Presidency/Mustafa Kamaci (www.imago-images.de) | Müssen vielleicht noch etwas warmwerden: Papst Leo XIV. und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan.

Am ersten Tag der ersten Auslandsreise seines Pontifikats wurde Papst Leo XIV. in Ankara von Präsident Recep Tayyip Erdoğan mit militärischen Ehren empfangen. Die achtspurige Prachtstraße zum Präsidentenpalast war mit vatikanischen und türkischen Fahnen geschmückt; das Auto, mit dem Leo XIV. vorfuhr, wurde von Uniformierten hoch zu Ross geleitet. Das Gespräch zwischen Papst und Präsident im Palast fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die offizielle türkische Nachrichtenagentur „Anadolu Ajansi“ jedoch wollte wissen, Erdoğan und Leo XIV. hätten auch über die globalen und regionalen Entwicklungen gesprochen, insbesondere über die Lage der Palästinenser und über Wege zum Frieden in Nahost.

Papst erinnert Türkei an ihre Verantwortung

Viele Komplimente an die Türkei und einige wohlgesetzte Mahnungen an ihre Führung formulierte Papst Leo in der Nationalbibliothek in Ankara dann öffentlich. In Anwesenheit des Präsidenten, der Regierung, der Vertreter der Diplomatie, der Ökumene und der Medien versicherte Leo XIV., „dass auch die Christen, die Teil der türkischen Identität sind und diese empfinden, positiv zur Einheit ihres Landes beitragen wollen“. Das ist angesichts der Tatsache, dass die Christen aller Konfessionen in der Türkei nur 0,1 Prozent der Bevölkerung stellen und weithin pauschal als Fremde oder Ausländer gelten, für viele Türken wohl überraschend. Papst Leo jedoch sieht die Türkei als ein Land, das „untrennbar mit den Ursprüngen des Christentums verbunden ist“. Doch „ein Volk mit einer großen Vergangenheit zu sein“, das stelle nicht bloß ein Geschenk, sondern auch eine Verantwortung dar.

Diplomatisch, aber doch klar warb der Papst dafür, Pluralismus als Lebendigkeit einer Zivilgesellschaft zu schätzen, und er mahnte: „Heute sind die menschlichen Gemeinschaften zunehmend polarisiert und durch extreme Positionen gespalten, die sie zersplittern lassen.“ Konkreter ging der Papst nicht auf die türkische Innenpolitik ein, wo Justiz und Regierung seit Monaten hart gegen die kemalistische Opposition vorgehen.

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Leo XIV. machte in seiner Ansprache in Ankara deutlich, dass er „das Gemeinwohl und die Achtung aller“ auch auf das Zusammenleben der ganzen „Menschheitsfamilie“ bezieht. Die Welt habe Jahrhunderte voller Konflikte hinter sich, „und um uns herum wird sie noch immer durch Ambitionen und Entscheidungen, die Gerechtigkeit und Frieden mit Füßen treten, aus dem Gleichgewicht gebracht“. Die Welt durchlebe eine „Phase starker globaler Konflikte“, so der Papst. Dem hielt Leo XIV. eine Vision entgegen: „Arbeiten wir gemeinsam daran, den Kurs der Entwicklung zu ändern und die Schäden zu beheben, die der Einheit der Menschheitsfamilie bereits zugefügt wurden.“

Erdoğan wettert gegen Israel

Großes Lob zollte der Papst der türkischen Gesellschaft für ihre Wertschätzung der Familie: „Mehr als in anderen Ländern ist die Familie in der türkischen Kultur von großer Bedeutung.“ Es mangele hier nicht an Initiativen, die zentrale Rolle der Familie zu unterstützen. Weder die individualistische Kultur noch die Geringschätzung von Ehe und Fruchtbarkeit könnten den Menschen mehr Lebensmöglichkeiten oder Glück bieten, so der Papst.

Präsident Erdoğan sagte in seinen Grußworten an den Papst in der Nationalbibliothek, dieser Besuch komme in einer Zeit globaler Herausforderungen und werde die türkische ebenso wie die christliche Welt erreichen. Er könne von der Türkei aus dazu beitragen, die Hoffnung auf Frieden in der Welt zu stärken. Erdoğan warf Israel in seiner Rede vor, im Gazastreifen zivile Gebäude, einschließlich Kirchen und Moscheen, zu attackieren. „Die Kirche der Heiligen Familie in Gaza war unter ihren Zielen“, so der türkische Präsident. Zugleich warnte Erdoğan vor Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit im Westen.

Besuch am Grabmal Atatürks

Unmittelbar nach seiner Landung in Ankara hatte der Papst das Mausoleum von Staatsgründer Mustafa Kemal, genannt „Atatürk“ (Vater der Türken), besucht, wie dies bei allen Staatsbesuchen – außer bei Iranern – obligatorisch ist. Auch Papst Benedikt XVI. im Jahr 2006 und Papst Franziskus 2014 blieb der offizielle Besuch am Grab des religionsfeindlichen und nationalistischen Gründers und ersten Präsidenten der Türkischen Republik in Ankara nicht erspart.

Begleitet von türkischen wie kirchlichen Offiziellen, von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin sowie den Kardinälen Kurt Koch (Ökumene), George Jacob Koovakad (Interreligiöser Dialog) und Claudio Gugerotti (Ostkirchen), marschierte der Papst den langen Weg durch das Gelände rund um das Mausoleum zu Fuß, während ein rot-weißes Gebinde mit der Aufschrift „Papa Leo XIV.“ von Uniformierten vor ihm hergetragen wurde. Nach der Kranzniederlegung am Grabmal Atatürks trug sich der Papst ins Ehrengästebuch des Mausoleums ein und besichtigte das Museum, das Atatürk und der Geschichte der Türkischen Republik gewidmet ist. (DT/sba)

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Stephan Baier Kurt Koch Leo XIV. Papst Franziskus Papstreisen Pietro Parolin Recep Tayyip Erdoğan Ökumene

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