Frankfurt

Dieser Weg ist unsynodal und unsozial

Erlebnisse und Reflexionen einer Synodalen - Ein überaus persönlicher Erfahrungsbericht von Dorothea Schmidt.
Zweite Synodalversammlung des Synodalen Weges
Foto: Maximilian von Lachner (Deutsche Bischofskonferenz) | Pfarrer Siegfried Kleymann eröffnet die die Zweite Synodalversammlung mit einer Andacht. Die Synodale Dorothea Schmidt sieht die Entwicklungen in Frankfurt äußerst kritisch.

Nachdem ich zwei Bischöfe „erwischt“ habe, die wild angehupt worden sind, weil sie über die verlassene Straße, aber eine rote Ampel liefen – sehr sympathisch -, nähere ich mich vor Beginn der Synodalversammlung dem Messegebäude, wo ich Frauen Banner hochhalten sah, auf denen steht: „Gleiche Rechte, gleiche Würde.“ Ach wie schade, denke ich. Darüber hatten wir zigmal gesprochen: Würde hat Gott in jeden Menschen schon längst eingeschrieben. Die kommt und geht nicht mit Ämtern, Aufgaben und sonst etwas. Die ist da! Ich habe als Professor nicht mehr Würde als eine Putzfrau. Kann natürlich sein, dass die Putzfrau ihre Aufgabe würdevoller verrichtet…. Meine Antwort darauf ist die: ein Gott, ein Retter, eine Offenbarung. Kein Bastel- oder Neuerfindungclub.

Aber die synodale Mehrheit koppelt Würde an eine (selbst definierte) Gleichberechtigung und lässt sich davon auch nicht abbringen: Würde müssen wir machen. Welche Konsequenzen so ein Denken hat! Und dann fordern die Frauen, dass Männer und Frauen dasselbe (tun) dürfen, dann seien sie gleichberechtigt. Das ist doch ein Gedanke der marxistisch-leninistischen Ideologie! Und die hat weder funktioniert, noch behandelt sie den Menschen mit Würde. 

Der Traum von echter Synodalität platzt

Aber gut, ich trete ein ins Messegebäude, das mich an einen Hochsicherheitstrakt erinnert -  Messegebäude können ein wenig kalt und gespenstisch wirken - und setze mich auf meinen Stuhl beziehungsweise auf meine zwei Stühle, denn die haben wir gleich zwei Plätze zugeschrieben, und betrachte die 1.200 Wasserflaschen im Saal. Der ist riesig. Das Mikro steht dieses Mal direkt vor mir. Und Steckdosen habe ich auch. Hätte ich mal vorher wissen sollen, mein Handy sollte mich später nämlich noch im Stich lassen und ich mich ordentlich verlaufen. 

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Dann geht es los. Und mein Traum platzt. Es wird keine echte Synodalität geben auf dem Synodalen Weg. Das Format und die Eile, mit der Texte durchgedrückt und umgesetzt werden sollen, geben eine synodale Diskussion nicht her: Wie soll man ins Gespräch kommen, wenn man auf Redebeiträge fast nicht reagieren kann, weil die Redeliste schnell wieder geschlossen wird? Ich muss also a priori alles im Kopf haben. Ich plädiere für Gründlichkeit vor Eile für den Synodalen Prozess. Mein Kopf raucht. Auch wenn ich das Prozedere und die politische Art gewohnt bin – es bleibt einfach wenig fromm. Dafür habe wir umso mehr Kirchenpolitik und langweilige Verbandsmeierei, die mich nicht erbaut. Wenig erbaulich ist auch, dass ZdK-Präsident Thomas Sternberg direkt zu Beginn uns Kritikern schon wieder öffentlich ins Gewissen redet: Es stimme nicht, dass kritische Stimmen nicht gehört oder ignoriert würden. Das sei unsozial und unsynodal.

Ach was! Und warum, Herr Sternberg, sagen Sie, Sie wollten sich nicht mit den Alternativtexten befassen, die gerade den katholischen Markt geflutet haben, weil das zu viel „kleinteiliges Arbeiten an einzelnen Textzeilen“ sei? Aus diesen Worten des Präsidiums spricht Eile, Ignoranz in Bezug auf Kritiker und Andersdenkende doch aus jedem Buchstaben!

Kritische Stimmen sind unerwünscht

Und wie soll ich dann die Aussagen des BDKJ Bundesvorsitzenden Gregor Podschon bewerten, der gleich noch eine weiteren Beweis dafür lieferte, dass kritische Stimmen als unerwünscht, ja „gefährlich“ angesehen werden: Wer gegen die Textvorlagen stimme, stimme zugleich für die Erhaltung von Missbrauch und Gewalt in der Kirche – was Humbug ist. Das widerlegt Sternbergs Kritik aufs Weitere. Wie soll einerseits ein Freibrief für jede Art von Sex, mit wem man will, und wie man will, Missbrauch eindämmen? Warum soll andererseits eine evangelisierte, bekehrte, von Christus erfüllte und ihn liebende Menschenseele nicht eine Lösung - zumindest ein wertvoller Schritt - sein dürfen? Ich versuche, hier den logischen Faden aufzunehmen… und scheitere. Ich finde das so unlogisch wie sonst was.

Kann es sein, Herr Sternberg, dass Kritik einfach nur nicht erwünscht ist? Auch wenn Kritik nicht an den Beschlüssen wird rütteln können: Die Kritiker sind ein Sprachrohr für die vielen, vielen Gläubigen „da draußen“, die nicht mitstimmen und mit debattieren dürfen. Diese Art Denker sind ja von vornherein ausgeschlossen wurden. Oder warum ist beispielsweise der BDKJ so stark vertreten, während Geistliche Gemeinschaften nur stiefmütterlich behandelt und spärlich vertreten sind? Der Antrag auf eine Pari-Besetzung ist genauso abgeschmettert worden, wie die Bitte, Neuevangelisierung mit in die Papiere aufzunehmen.

Von Anfang an werden diejenigen Synodalen mehr ins Innere des synodalen Geschehens einbezogen, die laut Präsidium die richtige „Denke“ haben und nicht immer von Evangelisierung und Umkehr und Christusbeziehung sprechen. Und darum – so scheint es mir – wird noch immer(!) gefordert, dass Woelki und Kollegen von der Bühne treten sollen, obwohl der Papst es anders entschieden hat. Mich hat das so was von bestürzt! Die Demut, Aufrichtigkeit der Bischofe wie Woelki, Schwaderlapp sind doch gerade genau das, was unsere katholische Kirche in Deutschland braucht! Sie haben keine groben Fehler begangen, und doch hat es sie sichtlich gereut und zerknirscht. Könnten sie die Uhr zurückdrehen würde sie sicher einiges anders machen – wenn das nur möglich wäre. Sie haben sich öffentlich entschuldigt. Das sollen andere einmal nachmachen. Die Demut und Ausrichtung auf Christus dieser Bischöfe sind leuchtende Zeichen in einer Kirche die sich gern aufbläst!  

Neuevangelisierung verschwindet im Aktenschrank

Das Thema Neuevangelisierung haben die Synodalen heute sauber in einer Akte im Schrank verstaut, auf Nimmerwiedersehen: Eine bedeutende Mehrheit, mehr als die Hälfte, hat dagegen gestimmt, Neuevangelisierung ins Papier aufzunehmen. Es solle um Missbrauchsaufarbeitung gehen, nicht um Evangelisierung. Für mich schließt das eine das andere gar nicht aus. Im Gegenteil! Aber nun ist es aus. Der Bitte des Papstes wird nicht nachgekommen. Dabei ist Evangelisierung kein i-Tüpfelchen, sondern die Basis. Ganz so, wie es Papst Franziskus doch in seinem Brief von Papst Franziskus an das Pilgernde Volk in Deutschland gesagt hat: Schwerpunkt des Synodalen Weges sollten Evangelisierung und Einheit mit der Weltkirche sein. Was gibt es da zu deuten? 
Nun, heute musste ich lernen, dass das vielfältig auszulegen sei. Es handle sich ja um einen Brief an jeden Einzelnen. Jeder könne ihn anders verstehen, sagte Frau Kreitler-Groß – und lieferte mir damit die Erklärung dafür, warum viele Synodale päpstliche Worte grundsätzlich anders verstehen (wollen?) als viele andere Gläubige in unserem Land, die für Umkehr plädieren.

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Apropos Umkehr: Auch das Wort wurde an den Pranger gestellt. Man habe seit Jahrzehnten zu viel von Umkehr gesprochen, aber genützt habe es nichts, so ein Beitrag. 

Genau deswegen haben wir sie so bitter nötig! Wäre es nicht möglich, dass darum nicht viel geschehen ist, weil Menschen nicht umgekehrt sind? Das bloß ausgesprochene Wort „Umkehr“ kann allein nichts ausrichten. Man muss es schon tun - umkehren. Wird nur wieder an der Mehrheit scheitern, fürchte ich, und das ist es, was zählt auf dem Synodalen Weg. Man kann zwar etwas anderes sagen, aber dann fliegen die roten Stimmzettel des BDKJ sofort in die Höhe – kann man die bitte nicht einfach mal einkassieren? -, um allen deutlich zu machen, wie man die „andere“ Meinung findet. Ich finde das mies und polarisierend. Echter Dialog wäre offen, fair und gepaart mit einem Ringen um Argumente. Stattdessen werden kritische Meinungen samt denen, die sie aussprechen, gegen die Wand gedrückt. Ich finde das nicht sehr christlich. Es ist kein schönes Zeichen, das wir als Christen setzen. 

Mehr Nächstenliebe, bessere Gesprächskultur

War ich froh, als Bischof Fürst um mehr Nächstenliebe und eine Gesprächskultur gebeten hat! So lange wir das nicht schaffen, bleibt der Synodale Weg nur eine Zierde für viele Worte und längst gefällte Entscheidungen. Mich macht die Debatte, die keine ist, müde. 

Ich beschließe zu beten: Lieber Vater, Du bist so unendlich gut und so geduldig. Du schaust mit Liebe auf uns herab, aber sicher auch mit Schmerz, wenn Du siehst, wie gespalten Deine Kirche ist. Komm in die Herzen aller Gläubigen, berühre sie, liebe sie, heile sie. Lass uns erfahren, dass Du in den Sakramenten auf uns wartest, damit wir Dir begegnen, Auge in Auge, Gott mit Mensch. Mit Maria bitte ich, dass Du uns hilfst, liebevoller miteinander umzugehen und wirklich nach Deinem Willen zu suchen in der Stille unseres Herzens. Herr, schenke uns Erkenntnis, Dein Denken, Deinen Blick auf Deine Kirche, Deine Demut. Schicke uns Deine Heiligen Engel, damit Deine Kirche nicht in den Abgrund stürzt. Heilige Muttergottes bitte für uns!

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16.10.2021, 17 Uhr
Guido Horst