Berlin

Neue ZdK-Präsidentin: „Diese Krise ist vielfältiger“

Nach ihrer Wahl zur ZdK-Präsidentin spricht Irme Stetter-Karp von einer Möglichkeit, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Und sie äußert sich zu Frauenweihe und Synodalem Weg.
Zentralkomitee der deutschen Katholiken
Foto: Bernd von Jutrczenka (dpa) | Irme Stetter-Karp nahm jahrzehntelang Leitungsfunktionen im Bistum Rottenburg-Stuttgart wahr, zuletzt als Caritasdirektorin.

Die neue Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, hat auf der Pressekonferenz nach der Wahl ihre Ansicht über die Lage der Kirche geschildert. Sie glaube, „dass meiner Kirche, unserer Kirche seit langem eine zentralistische, monolithische Kultur – patriarchal sowieso – zugeschrieben wird. Da ist in den Strukturen vieles dran, aber diese Kritik ist vielfältiger, als sie aus der Entfernung erscheint“.

"Veränderungsbereitschaft auf beiden Seiten"

Sie sehe die Kirche in einer Krise, so Stetter-Karp, glaube aber, dass es dennoch Möglichkeiten gebe. „Sonst könnten wir uns nicht mit Kraft im Synodalen Weg engagieren. Ich glaube, dass Veränderungsbereitschaft auf beiden Seiten da ist. Ich glaube, dass es eine Möglichkeit gibt, Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Jeder Schritt, den wir öffnen können, lohnt sich.“

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Die 65-jährige Stetter Karp war auf der Vollversammlung des ZdK am Freitagnachmittag zur neuen Präsidentin des größten deutschen Laiengremiums gewählt worden. Sie tritt die Nachfolge von Thomas Sternberg an, der nach sechs Jahren nicht mehr kandidierte.

Imre Stetter-Karp nahm jahrzehntelang Leitungsfunktionen im Bistum Rottenburg-Stuttgart wahr, zuletzt als Caritasdirektorin. Sie ist Vizepräsidentin des Deutschen Caritasverbandes und eine der Moderatorinnen des Synodalen Wegs. Als ZdK-Präsidentin übernimmt sie nun zusammen mit dem Limburger Bischof Georg Bätzing den Vorsitz des Synodalen Wegs.

Reformstau in der Kirche bewältigen

Zu ihren Prioritäten zählte sie, den „fünf Jahrzehnten währenden Reformstau in der Kirche“ bewältigen helfen: Auf einer Diözesansynode ihrer Diözese Rottenburg-Stuttgart 1986 sei ihr ein Satz „unter die Haut gegangen“: „Je mystischer wir Christen sind, desto politischer“. Diesen Satz wolle sie für die nächsten Jahre mitnehmen: „Ich stehe dafür, dass wir uns als Christen aus unserem Glauben heraus einmischen, so gut wir können. Wir sollten alles tun, um Bündnispartner zu finden, wo immer sie auch herkommen. Es geht um die politische Wirkung.“

Eine wichtige Frage sei für sie die „Frauenweihe“. „Als Frau sage ich: Nicht erst seit den 2000 Jahren, sondern immer schon war für mich diese Exklusion nicht hinnehmbar. Ich sehe überhaupt nicht argumentierbar, wie meine Kirche per Gebot, per Geschlecht die einen weiht und die andern nicht.“ Dies sei ihre „Perspektive als Frau, die viele Männer teilen“. Als „mindestens genauso triftigen Grund“ sehe sie die Pastoralfrage. Zur Veranschaulichung verwendete sie das Bild: „Ich kann einen Teig nicht beliebig ausweiten, irgendwann einmal reißt er. Dieses Risiko zeigt sich vor Ort in vielen, vielen Gemeinden. Mir ist unser Glaube so wichtig, dass ich sage: Es wäre gut, darüber nachzudenken.“

Auf die Frage der „Tagespost“, wie sie das Verhältnis zwischen dem Synodalen Weg und der weltweiten Synode sehe, sagte Stetter-Karp: „Alle, die wir uns im Synodalen Weg engagieren, haben immer gesagt, dass wir mit unserer Kirche insgesamt einen Weg suchen, dass wir das nicht als eine nationale und eigensinnige, deutschtypische Weise ansehen, sondern dass wir unsere Lage in Deutschland, die nicht rosa ist, einbringen wollen.“ 

Keine rein deutschen Anliegen

Ihrer Wahrnehmung nach handele es sich dabei nicht nur um deutsche Anliegen. „Das wird manchmal gegeneinander ausgespielt, aber es geht um Reformfragen, die beispielsweise auch südamerikanische Christen artikulieren. Ich kann nur artikulieren, was wir wollen. Es gehört natürlich auch dazu, dass im Vatikan Bewegung kommt, um aufeinander zuzugehen.“

Der scheidende ZdK-Präsident Thomas Sternberg ergänzte dazu: „Es kann keine gemeinsamen Sitzungen geben, weil es sehr verschiedene Prozesse sind. Das eine ist ein Konsultationsprozess zur Vorbereitung einer Bischofssynode, der sich auf das Thema Synodalität bezieht.“ Das andere sei ein partizipativer Entscheidungsprozess zu Themen der MHG-Studie. Sternberg weiter: „Es kann Überschneidungen geben, vor allem aus dem Forum I – ‚Macht und Gewaltenteilung’. Aber dieser synodale Prozess, den der Papst ausgerufen hat, ist wie gesagt eine Anhörung, ist kein Prozess, wie wir ihn machen, der auf Entscheidungen und Beschlüsse ausgelegt ist.“

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