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Vor Treffen mit Franziskus: Weißes Haus bekräftigt Differenzen zu Abtreibung

Am Freitag treffen sich Joe Biden und Papst Franziskus zum vierten Mal. Auch das Thema Abtreibung dürfte zur Sprache kommen. Denn in der US-Kirche steht eine wichtige Entscheidung an.
Franziskus im US-Kongress
Foto: Drew Angerer (EPA) | Franziskus im Jahr 2015 bei seinem ersten und einzigen Auftritt im US-Kongress. Biden und der Papst kennen und schätzen sich.

Unmittelbar vor dem ersten Treffen zwischen Papst Franziskus und Joe Biden seit dessen Amtsantritt als US-Präsident im Januar hat die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, die unterschiedlichen Positionen Bidens und des Papstes zum Thema Abtreibung hervorgehoben.

Im Rahmen einer Pressekonferenz im Weißen Haus erklärte sie, der Katholik Biden sei „jemand, der sich für das Recht einer Frau einsetzt, sich für eine Abtreibung zu entscheiden, und der denkt, dass dieses Recht wichtig ist“. Papst Franziskus dagegen habe sich anders als Biden zu Abtreibung geäußert.

Grundlegende Unterschiede zwischen Biden und Franziskus

Franziskus betonte im Laufe seines Pontifikats immer wieder seine ablehnende Haltung zu Abtreibungen, setzte diese zuletzt sogar mit „Mord“ gleich. „Wer abtreibt, der tötet“, so der Papst wörtlich. Der demokratische Präsident Biden bekräftigte zwar immer wieder, persönlich gegen Abtreibung zu sein, jedoch als Politiker das „Recht“ auf Abtreibung zu verteidigen. Insbesondere in den letzten Jahren rückte er in der Frage immer weiter nach links. So plädiert der 78-Jährige nun für ein Gesetz, das ein landesweites „Recht“ auf Abtreibung etablieren würde, und macht sich auch für steuerfinanzierte Abtreibungen stark.

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Im Hinblick auf das Treffen zwischen Biden und Franziskus, das am Freitag im Vatikan stattfinden soll, erklärte Psaki, dass im Zentrum der Gespräche die Themenfelder stünden, bei denen Einigkeit zwischen den beiden herrsche. Dazu gehörten „äußerst wichtige, weitreichende Themen“, wie Armut, der Kampf gegen die Klimakrise und gegen die Covid-19-Pandemie.

Es wird bereits das vierte Mal sein, dass Biden und Papst Franziskus aufeinandertreffen. Zum ersten Mal trafen sie sich 2013 im Vatikan, als Franziskus ins Amt eingeführt wurde. Biden war damals Vizepräsident unter Barack Obama. 2015 reiste der Papst anlässlich des Weltfamilientreffens für mehrere Tage in die USA. Dort bot sich den beiden erstmals die Gelegenheit, ausführlicher miteinander zu sprechen. Das bis dato letzte Treffen fand 2016 statt, abermals im Vatikan. Biden nahm an einer Tagung zu „Regenerativer Medizin“ teil, vor und nach der Veranstaltung sprach er mit dem Papst.

Blick auf Kommuniondebatte

Beobachter schauen auch deshalb mit Spannung auf das Treffen am Freitag, da sie erwarten, dass davon mögliche Signale für die Debatte um den Kommunionempfang des katholischen US-Präsidenten ausgehen. Seit langem wird unter amerikanischen Katholiken diskutiert, ob der Präsident die Kommunion empfangen solle, wo er doch mit seiner Haltung im Lebensschutz die Lehre der Kirche nicht teilt. Insbesondere im konservativen Milieu gibt es zahlreiche Kritiker Bidens, die dafür plädieren, ihn nicht zur Kommunion zuzulassen.

Mitte November kommen die US-Bischöfe zu ihrer Herbstvollversammlung zusammen. Dort soll auch über ein Dokument abgestimmt werden, das sich zwar grundsätzlich mit der Frage der „Eucharistie-Würdigkeit“ befasst. Im Kern geht es jedoch um die Frage, ob katholische Politiker, die in zentralen Punkten die Lehre der Kirche nicht teilen, die Kommunion empfangen sollten oder nicht. Die US-Bischofskonferenz ist gespalten: Einem mehrheitlich konservativen, Biden-kritischen Teil, steht ein eher progressives, Biden-freundliches Lager gegenüber.

Der Vatikan steht eher auf der Seite des US-Präsidenten: Schon vor der Frühjahrsvollversammlung der US-Bischöfe sprach sich der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Luis Ladaria, dagegen aus, ein Dokument zu verfassen, das de facto darauf abzielt, Politiker wie Biden die Eucharistie zu verweigern. Und auch Papst Franziskus betonte jüngst, ohne Biden konkret zu nennen, die Kommunion sei keine Auszeichnung für die Perfekten, sondern „ein Geschenk, eine Gabe, die Präsenz Jesu in der Kirche und in der Gemeinschaft“.

Zudem plädierte er für einen pastoralen Ansatz in der Frage des Kommunionempfangs. Das Problem sei nicht theologisch, sondern pastoral, es gehe um die Frage, „wie wir Bischöfe dieses Prinzip seelsorgerisch handhaben“. Ein Blick in die Kirchengeschichte zeige: „Jedes Mal, wenn Bischöfe ein Problem nicht pastoral angegangen sind, haben sie sich politisch auf eine Seite geschlagen.“ Die Aufgabe des Hirten sei es, Hirte zu sein, nicht andere zu verurteilen.

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