KIEW

Russland zerstört spirituelles Erbe der Ukraine

Kirchen und Synagogen werden gezielt beschossen und bombardiert, mindestens vier Priester wurden ermordet. NGOs fordern den Ausschluss des Moskauer Patriarchats aus dem Weltkirchenrat.
Ukraine-Krise, Eindrücke aus Donezk
Foto: Alexey Kudenko via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Eine zerstörte Kirche in Donezk. Kirchen und Synagogen werden von russischen Truppen gezielt beschossen und bombardiert.

Die russische Invasion in der Ukraine geht einher mit massiven Verletzungen der Religionsfreiheit und Zerstörungen von Kulturgütern, einschließlich jenen der Orthodoxie. Mehrere Kirchen und Nichtregierungsorganisationen, darunter das „Institut für Religionsfreiheit“ (IRF) und das „Zentrum für Bürgerrechte“ schlagen nun Alarm: „Russland zerstört das spirituelle Erbe der Ukraine: Kathedralen, Gebetshäuser, Synagogen, Moscheen und andere religiöse Bauwerke sind Raketenangriffen, Bombardierungen und Artilleriebeschuss ausgesetzt, völlig ungeachtet ihrer konfessionellen Zugehörigkeit.“

NGOs fordern Orthodoxe, Kontakte nach Moskau abzubrechen

Nach Darstellung des gemeinsamen Appells von 102 religiösen Gruppen und Nichtregierungsorganisationen töteten die russischen Truppen in der Ukraine mindestens vier christliche Priester und entführten zwei weitere. Die Nichtregierungsorganisationen fordern die Orthodoxen in aller Welt angesichts der Haltung von Patriarch Kyrill auf, alle Kontakte mit dem Moskauer Patriarchat abzubrechen, „weil es den unbegründeten Angriffskrieg der Russischen Föderation gegen die Ukraine unterstützt“. An den Weltkirchenrat appellieren die Unterzeichner, die russisch-orthodoxe Kirche auszuschließen, alle Kontakte zu ihr abzubrechen und die Ideologie der „russischen Welt“ ausdrücklich zu verurteilen.

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Seit 2014 Unterdrückung auf der Krim und in den Separatistengebieten

In dem gemeinsamen Appell wird daran erinnert, dass es in den 2014 durch Separatisten und russische Einheiten besetzten Gebieten im Osten des Landes bereits seit Jahren zu einer brutalen Verfolgung religiöser Minderheiten kommt. In Donezk hätten 2014 „illegale bewaffnete Einheiten, die von der Russischen Föderation kontrolliert werden, die Orthodoxie des Moskauer Patriarchats zur herrschenden Religion dieser Region erklärt und eine vorsätzliche Verfolgung religiöser Minderheiten begonnen“. Dutzende Kirchen und Gebetshäuser seien gekapert worden. Priester der von Moskau unabhängigen ukrainischen Orthodoxie und der katholischen Kirche des byzantinischen Ritus seien entführt und gefoltert worden.
In gleicher Weise seien die religiösen Minderheiten auf der russisch annektierten Krim ab 2014 verfolgt und schikaniert worden.

Gebetshäuser und Denkmäler werden gezielt bombardiert

So konnten sich nur fünf von ursprünglich 49 Pfarreien der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche halten. Verfolgt würden insbesondere religiöse Führer und einfache Gläubige der muslimischen Krim-Tataren, der von Moskau unabhängigen Orthodoxie und evangelikale Christen. Intensiviert habe sich die Verfolgung jedoch seit der Invasion Russlands in der Ukraine am 24. Februar. Der Appell, der dieser Zeitung vorliegt, berichtet von gezielten Attacken und der Zerstörungen von Kathedralen, Gebetshäusern und Kunstdenkmälern. „Die große Mehrzahl der durch Bombardierungen und Raketenbeschuss der russischen Invasoren zerstörten religiösen Bauten sind orthodoxe Kirchen.“ Schwer beschädigt wurde jedoch auch die jüdische Synagoge von Charkiv. DT/sba

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