Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Berlin

Kommentar um "5 vor 12": AKK geht, doch Merkel bleibt

Die CDU braucht eine Wende, ein bloßer Wechsel reicht nicht.
Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) verzichtet auf die Kanzlerkandidatur.
Foto: Michael Kappeler (dpa) | Annegret Kramp-Karrenbauer verzichtet auf die Kanzlerkandidatur. Auch als Bundesvorsitzende der CDU wird sie zurücktreten,

Überraschend ist es nicht: Annegret Kramp-Karrenbauer will nicht Kanzlerkandidatin werden und auch den CDU-Vorsitz niederlegen. Das hat sie Medienberichten zufolge heute morgen in der Präsidiumssitzung ihrer Partei erklärt. Ein konsequenter Schritt nach dem schlechten Krisenmanagement der letzten Tage, das die Union an den Rand des Kollaps geführt hat. „Unverzeihlich“, so hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel von Südafrika aus die Kemmerich-Wahl in Thüringen genannt.

Unverzeihlicher Fehler

Jetzt zeigt sich, was wirklich unverzeihlich war: Der Wechsel von Merkel zu AKK im Parteivorsitz war keine Wende. Angela Merkel ist die heimliche Vorsitzende der CDU geblieben. Und jetzt in der Thüringen-Krise hat die Kanzlerin gezeigt, dass sie auch keine Hemmungen hat, in die Partei hinein zu regieren und dafür zu sorgen, dass die Abweichler von ihrer Linie abgestraft werden. Doch in der Union brodelt es: Nicht nur die ostdeutschen Landesverbänden, auch Junge Union und Mittelstandsvereinigung laufen Sturm gegen den Merkel-Kurs. Und dann ist da noch die Werte Union, die von der Parteiführung als verkappte AfDler diffamiert wird, aber eigentliche die konservative Basis der Partei repräsentiert.

Lesen Sie auch:

Was nun: Laschet oder Merz?

AKK hatte nicht genug Kraft, diese Flügel zusammenzubinden. Egal, wer jetzt ihr Nachfolger wird: So lange Angela Merkel die starke Frau im Hintergrund bleibt, wird sich an der Situation nichts ändern. Doch wer aus dem Kandidatenreigen hat den Mut, den Status quo in Frage zu stellen? Armin Laschet wäre der Wunschkandidat des Parteiestablishments, allerdings ist er gewissermaßen eine Art AKK 2.0, wenn auch führungsstärker und mit einer größeren Hausmacht. Jens Spahn gibt sich in letzter Zeit eher versöhnlich; er ist noch jung und glaubt wohl, sich Zeit lassen zu können. Bleibt also Friedrich Merz. Wirft er jetzt seinen Hut in den Ring? Das Schicksal der SPD zeigt, wie schnell eine einstmals starke Volkspartei sich selbst zerlegen kann.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Sebastian Sasse Angela Merkel Annegret Kramp-Karrenbauer Armin Laschet CDU Friedrich Merz Jens Spahn Junge Union SPD

Weitere Artikel

Annegret Kramp-Karrenbauer ist die neue Chefin der Adenauer-Stiftung. An der Spitze des Thinktanks könnte sie der Union strategische Impulse geben, wofür das „C“ stehen kann.
22.12.2025, 11 Uhr
Sebastian Sasse
Die Abgeordneten bestätigen den 45-Jährigen im Amt des Fraktionsvorsitzenden. Das heißt nicht, dass er geliebt wird. Aber er könnte eine Lücke füllen, die Friedrich Merz hinterlässt.
06.05.2026, 05 Uhr
Sebastian Sasse

Kirche

Konferenz in Castel Gandolfo: Nobelpreisträger, Politiker und Religionsvertreter machen sich für internationale Regeln für KI stark und betonen die Verantwortung des Menschen.
17.07.2026, 14 Uhr
Meldung
Das Erzbistum München hebelt im Umgang mit spirituellem Missbrauch das Kirchenrecht aus. Was Betroffene riskieren, wenn sie das Gespräch mit dem Erzbistum suchen.
17.07.2026, 13 Uhr
Heribert Hallermann
Schwester Katharina Ganz wird Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes. Die Personalie hat nicht nur eine pastorale, sondern auch eine kirchenpolitische Dimension.
15.07.2026, 21 Uhr
Benjamin Leven
Die KHKT verliert ihre Führung: Rektor, Kanzlerin und Geschäftsführer hören auf. Medienspekulationen über die Hintergründe werfen Fragen auf. Die Debatte kommt zur Unzeit.
15.07.2026, 15 Uhr
Benjamin Leven Jakob Ranke