Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um "5 vor 12"

Deutschland, Land der Floskeln

Auch der „Fall Solingen“ zeigt, dass außer altbekannter Rhetorik vonseiten der Politik wenig Hoffnung für eine Wende zum Besseren zu erwarten ist.
Floskelschmiede
Foto: IMAGO/Christoph Hardt (www.imago-images.de) | Nach dem Anschlag haben Politiker wie Bundeskanzler Scholz oder Ministerpräsident Wüst nur Floskeln parat.

Der Terroranschlag von Solingen (drei Tote, acht Verletzte) schockiert die Menschen in Deutschland noch immer. Unbegreiflich erscheint es vielen, dass es ausgerechnet – oder gerade? - auf dem dortigen „Festival der Vielfalt“ einem der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) angehörigen abgelehnten Asylbewerber gelingen konnte, wahllos zahlreiche Menschen zu attackieren und einen eigentlich fröhlichen Tag in einen Tag der Tränen zu verwandeln.

Viele Fragen liegen auf dem Tisch

Viele Fragen werden und müssen nun zu Recht gestellt werden. Beispielsweise, welche sicherheitspolitischen Konsequenzen in all den Jahren nach dem verheerenden Anschlag von Anis Amri auf dem Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche 2016 mit insgesamt 13 Toten tatsächlich oder eben doch nicht gezogen wurden. Oder auch die Frage, warum es nicht gelungen ist, den Attentäter von Solingen nach Bulgarien(!) zurückzuführen, wohin er nach EU-Aufenthaltsrecht hätte ausgeliefert werden müssen.

Lesen Sie auch:

Doch während diese Fragen bereits schmerzhafte Antworten erwarten lassen dürften, dürfte die eigentliche Frage lauten: Was werden Bund und Länder unternehmen, um solche Terroranschläge zukünftig ein für alle Mal zu unterbinden?

Die Stunde der üblichen Floskelverdächtigen

Doch anstatt Taten erfolgen, wie mittlerweile üblich in Deutschland, vor allem Worte – um nicht zu sagen Floskeln: So erklärte Bundeskanzler Olaf Scholz bei seinem Besuch vor Ort, dass er „wütend und zornig“ über den Anschlag sei und es „jetzt ganz wichtig“ sei, dass „wir das Notwendige tun.“ Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, die Rückfrage muss gestattet sein: Warum denn erst jetzt? Haben die sich bereits seit Jahren hinziehenden Diskussionen über Islamistischen Terror, Messerattentate und kriminelle Migranten bislang nicht im Kanzleramt geschweige denn in dem von ihrer Parteigenossin Nancy Faeser geleiteten Bundesinnenministerium herumgesprochen? 

Olaf Scholz ergänzte außerdem in Solingen: „Alles, was in unserer Macht liegt, was im Rahmen unserer Möglichkeiten liegt, muss auch getan werden.“ Schön und gut – doch der Amtsantritt der Ampel-Regierung liegt nun schon einige Jahre zurück und genau seit diesem Zeitpunkt hatte das Kabinett Scholz, um mit dessen eigenen Worten zu sprechen, nicht nur Zeit, sondern auch die „Macht“, um in puncto Terrorbekämpfung und illegaler Migration eine Wende zum Besseren zu erzielen.

Letzter Ausweg Krisengipfel?

Am heutigen Dienstag soll ein Krisengipfel im Kanzleramt zwischen Olaf Scholz und Oppositionsführer Friedrich Merz (CDU) vermeintlich diese längst überfällige Wende zum Besseren einleiten. Und nicht nur, aber vor allem in Sachsen und Thüringen werden die Menschen haargenau auf die Maßnahmen blicken, die heute in Berlin beschlossen werden. Denn dort wird bekanntermaßen demnächst gewählt – und bereits jetzt führt in beiden Bundesländern die AfD mit jeweils 32 und 30 Prozent die Wahlumfragen an.

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Stefan Ahrens Alternative für Deutschland Bundeskanzleramt CDU Friedrich Merz Nancy Faeser Olaf Scholz Terroranschläge Terrororganisationen und Terrorgruppen

Weitere Artikel

Friedrich Merz wollte Kanzler werden. Jetzt ist er es und muss es auch bleiben. In guten wie in schlechten Zeiten. Weil einfach die Alternative fehlt.
21.09.2026, 11 Uhr
Guido Horst
Sollten SPD und Grüne in Berlin tatsächlich mit der Linken koalieren, dann haben sie als Parteien ihr demokratisches und moralisches Gewissen verloren, schreibt Philipp Peyman Engel.
07.10.2026, 06 Uhr
Philipp Peyman Engel

Kirche

Kurienkardinal Luis Antonio Tagle ist neuer Dekan des Kardinalkollegiums. Einst galt er als charismatischer Hoffnungsträger. Doch konnte er die Erwartungen in Rom erfüllen?
15.10.2026, 11 Uhr
Guido Horst
Nach ihm ist St. Gallen benannt: Der heilige Gallus errichtete dort eine Einsiedelei. Auch in Füssen, Kempten und am Bodensee ist er noch heute ein Begriff.
16.10.2026, 05 Uhr
Claudia Kock
Papstreise trotz Krebsdiagnose? Wenn Leo XIV. trotz Erkrankung seine anspruchsvolle Pflicht erfüllt, erweist er dem öffentlich angeschlagenen Ansehen des Bischofsamtes einen Dienst.
14.10.2026, 11 Uhr
Regina Einig