Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Ukraine-Krieg

Churchill: Warum Putin scheitern muss

Winston Churchills Urenkel und Kaiser Karls Enkel denken gemeinsam über die Kriege im Osten und die Zukunft Europas nach.
Schwere Vorwürfe erhob Randolph Churchill gegen Angela Merkel
Foto: Baier | Schwere Vorwürfe erhob Randolph Churchill gegen Angela Merkel und zahlreiche europäische Regierungen, die die Gefahren unterschätzt hätten: „Deutschland und einen Großteil Europas wirtschaftlich an ein wiederbelebtes ...

„Die Ukraine ist die vorderste Front im endlosen Kampf für die Freiheit. Um Europas willen muss Putins imperialer Krieg scheitern.“ Diese These vertritt Randolph Churchill, der Urenkel des legendären britischen Premierministers und Weltkriegssiegers Winston Churchill.

Lesen Sie auch:

Bei einem gemeinsamen Auftritt in Wien mit Karl von Habsburg, dem Enkel des letzten regierenden Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn, der ebenfalls Karl hieß, sagte Churchill: „Geschichte spielt sich vor unseren Augen ab. Grenzen werden erneut mit Gewalt umgeschrieben. Die Instrumente des Krieges und der Eroberung werden wie eine Keule gegen unsere Freunde in Kiew geschwungen. Die Schrecken des mörderischen Antisemitismus tauchen selbst innerhalb der Grenzen des jüdischen Heimatlandes wieder auf.“ Mit Putins brutaler Invasion in der Ukraine seien die „Schatten des Krieges“ nach Europa zurückgekehrt.

Kommunismus keine Politik, sondern Krankheit

Sein Urgroßvater Winston Churchill habe als Student der Geschichte und weitblickender Staatsmann gewusst, dass Lenins Revolution nur Schrecken und Elend bringen würde, sagte Randolph Churchill. Für seinen Urgroßvater sei der Kommunismus keine Politik, sondern eine Krankheit, eine Pest, gewesen. In diesem gleichen Geist habe Großbritannien nun die Ukraine unterstützt. Sein Land habe der Ukraine mit rund fünf Milliarden Pfund an Militärhilfe am zweitmeisten Unterstützung nach den USA gewährt.

Randolph Churchill und Karl von Habsburg
Foto: Matthias Dolenc | Bei einem gemeinsamen Auftritt in Wien mit Karl von Habsburg, dem Enkel des letzten regierenden Kaisers von Österreich und Königs von Ungarn, der ebenfalls Karl hieß, sagte Churchill: „Geschichte spielt sich vor ...

„Dank westlicher Hilfe und ukrainischer Entschlossenheit wurden die Russen in eine blutige Pattsituation gezwungen“, so Randolph Churchill in Wien. Es sei nun hoch an der Zeit, dass Europa die Verantwortung für seine Verteidigung ernst nimmt. Er sei sehr besorgt darüber, dass die Sicherheit Europas in hohem Maß von Großbritannien sowie dem anhaltenden Wohlwollen und strategischen Gespür der Vereinigten Staaten abhängig sei. „Und wer weiß, wie lange wir uns darauf noch verlassen können?“ Wenn so unterschiedliche US-Präsidenten wie Barack Obama und Donald Trump sich beschwerten, dass Europa nicht genug für seine Verteidigung ausgebe, dann müsse daran etwas Wahres sein.

Ein Fehler tragischen Ausmaßes

Schwere Vorwürfe erhob Randolph Churchill gegen Angela Merkel und zahlreiche europäische Regierungen, die die Gefahren unterschätzt hätten: „Deutschland und einen Großteil Europas wirtschaftlich an ein wiederbelebtes Russland zu binden, war ein Fehler tragischen Ausmaßes!“ Europa habe in Putin einen Verbrecher, Massenmörder und Gangster gefördert. Es sei eine Ironie, dass Großbritannien als unabhängige Nation tapfer eine Führungsrolle in der Verteidigung der Demokratie übernommen habe, während die Antwort der EU schwankend und mürrisch gewesen sei. Entscheidend sei nun, dass die NATO-Mitgliedstaaten ihre Verpflichtungen bei den Verteidigungsausgaben erfüllten. Hier seien Polen und die baltischen Staaten vorbildlich, während westeuropäische Länder hinterherhinkten.

Lesen Sie auch:

Den Brexit sprach Churchill nur am Rande an, indem er seine österreichischen Zuhörer beruhigte: Ungeachtet der augenblicklichen Verhältnisse bleibe Großbritannien geografisch, kulturell und emotional ein Teil Europas. „Daran hat der Brexit nichts geändert: Wir schätzen unsere Freunde und bleiben ein treuer Verbündeter.“ Großbritannien fühle sich weiter verpflichtet, „unsere europäischen Cousins und Freunde zu unterstützen und zu verteidigen“.

Offen für neue Aggression aus Moskau

Der Kaiserenkel Karl von Habsburg, Großmeister des St. Georgs-Ordens und Präsident der Paneuropa-Bewegung Österreich, meinte in seiner „Rede zur Zukunft Europas“, wenn Russland seinen Krieg gegen die Ukraine gewinne, würden „nicht nur weitere Millionen von Flüchtlingen in die Länder der EU kommen, es würden auch russische Truppen an den Grenzen zu Ungarn, der Slowakei, Rumäniens und Polens stehen“. Habsburg wörtlich: „Europa wäre offen für jegliche weitere Aggression aus dem Despoten-Regime in Moskau.“ Putin wolle keinen Frieden, sondern habe die Wirtschaft Russlands komplett auf Kriegswirtschaft umgestellt. Der russische Präsident rechne also mit einem langen Krieg und nehme keine Rücksicht auf seine Bevölkerung.

Als Angriff wertete Karl von Habsburg auch die „massiven Einflusskampagnen Moskaus auf europäische Länder“, etwa den Putschversuch in Montenegro im Jahr 2016, etliche Desinformationskampagnen und die Installation russischer Spionageeinrichtungen. Habsburg forderte in Wien die Weiterentwicklung der EU zu einem „geopolitischen Akteur“. Das totalitär-kommunistische Regime in Peking strebe danach, China zur Weltmacht Nummer eins zu machen und Taiwan nötigenfalls auch militärisch einzugliedern. Mit seiner Ideologie versuche China eine neue internationale Ordnung zu schaffen.

Habsburg lobte Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni, dafür, dass sie Italien aus dem chinesischen Projekt der „Neuen Seidenstraße“ herauslöste. Europa müsse sich dringend der eigenen Stärken besinnen, doch „nach wie vor sitzen zu viele europäische Politiker und Ex-Politiker in chinesischen Lobbyorganisationen“.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Stephan Baier Angela Merkel Barack Obama Brexit Donald Trump Giorgia Meloni Haus Habsburg Winston Churchill Wladimir I. Lenin Wladimir Wladimirowitsch Putin

Weitere Artikel

Warum die Ukraine für Wladimir Putins „gelenkte Demokratie“ ab 2014 zu einer Herausforderung wurde, erklärt der Historiker Leonid Luks.
17.02.2024, 15 Uhr
Leonid Luks

Kirche

Wenn der Ruf nach Evangelisierung zur Lösung der Kirchenkrise unterkomplex ist, dann hat Jesus wohl sein Handwerk nicht verstanden. Ein Kommentar.
23.02.2024, 20 Uhr
Franziska Harter
Der Salesianer Don Boscos war Dogmatiker, Bischof von Innsbruck, Erzbischof von Salzburg und Primas Germaniae.
23.02.2024, 05 Uhr
Meldung