Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Russland

Kyrill betet für Russlands Sieg

Moskauer Patriarch attackiert neuerlich Patriarch Bartholomaios: Dessen Unterstützung für die Ukraine sei nicht nur ein Fehler, sondern eine Sünde.
Patriarch Kyrill und Wladimir Putin
Foto: Moskauer Patriarchat/Oleg Varov | Wörtlich sagte der Patriarch in seiner Predigt: "Ich bete in der Liturgie für den Frieden, für die Beendigung der Feindseligkeiten und für unseren Sieg“

Der Moskauer Patriarch Kyrill sieht Russland als Angegriffenen, der sich verteidigen muss. In einem Fernsehinterview mit dem russischen Sender „Rossija 1“ sagte das Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche am Sonntag, seine Landsleute hätten „heute das Potenzial, diejenigen abzuwehren, die unser Vaterland vernichten wollen“. Er bete in der Liturgie „für den Frieden, für die Beendigung der Feindseligkeiten und für unseren Sieg“, so Kyrill am heutigen Sonntag, an dem nach dem alten Julianischen Kalender Weihnachten gefeiert wird.

Lesen Sie auch:

„Russland hat tatsächlich an Stärke gewonnen: materiell, intellektuell, wissenschaftlich und militärisch“, so Patriarch Kyrill. „Aber Russland hat zweifellos an spiritueller Stärke gewonnen.“ Sein Patriarchat sei „zur Stütze der Orthodoxie auf der ganzen Welt“ geworden, so der Moskauer Patriarch, der die kirchliche Gemeinschaft mit den orthodoxen Kirchen von Konstantinopel, Alexandria, Griechenland und Zypern einseitig beendet hat. In Russland spiele die Orthodoxie „nicht nur irgendeine kulturelle Rolle“, sondern sie stehe „im Mittelpunkt des Lebens der Menschen“.

Siege nicht nur auf dem Schlachtfeld

Die aktuellen Prüfungen seien „nicht in der Lage, unsere Weltanschauung zu zerstören, zu der auch die Liebe zum Vaterland und die Bereitschaft gehören, es zu verteidigen“. Russland müsse nicht nur auf dem Schlachtfeld Siege erringen, meinte der Patriarch, der ein enger Vertrauter von Präsident Wladimir Putin ist. Siege würden „bereits in Kindergärten und Schulen geschmiedet. Sie entstehen in unseren Jugendgruppen in Bildungseinrichtungen, wo junge Menschen über das Land, über die Zukunft, über ihr eigenes Leben nachdenken“. So würden sie „mutiger, selbstloser, konzentrierter auf die Bereitschaft, dem Vaterland zu dienen und, wenn nötig, sogar ihr Leben zu opfern“.

Neuerlich attackierte Kyrill das Ehrenoberhaupt der weltweiten Orthodoxie, den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios, weil dieser die Unabhängigkeit der Orthodoxie in der Ukraine ermöglichte. Kyrill sagte in dem TV-Interview wörtlich: „Es waren politische Faktoren, die zur Entstehung einer schismatischen Kirche in der Ukraine führten. Leider wurde sie vom Patriarchen von Konstantinopel unterstützt. Es ist jedem klar, dass der Patriarch von Konstantinopel kein freier Mensch ist. Er wird stark von denen beeinflusst, die in dieser Welt Macht haben.“ Bartholomaios habe „keine eigene Herde an dem Ort“, also in Istanbul. Die „Unterstützung des Schismas in der Ukraine“ sei „nicht nur ein Fehler des Patriarchen von Konstantinopel, sondern seine große Sünde“, so Kyrill.  DT/sba

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Orthodoxe Kirchen Religiöse und spirituelle Oberhäupter Russisch-Orthodoxe Kirche Wladimir Wladimirowitsch Putin

Weitere Artikel

Der Kreml-Chef sieht seine Soldaten in einem heiligen Krieg. Mit Christentum hat diese Anmaßung rein gar nichts zu tun. Nur Patriarch Kyrill merkt das nicht.
08.01.2026, 11 Uhr
Stephan Baier
Bartholomaios gelingt mit dem Nicäa-Treffen ein ökumeni­scher Coup: Als moralische Instanz und gütiges Gesicht der Orthodoxie führt er Rom und den Osten näher zusammen
06.12.2025, 07 Uhr
Stephan Baier
Russlands Orthodoxie diene neoimperialen Zielen und sei in die aggressive Politik des Kremls integriert, meinen die ukrainischen Kirchen und Religionsgemeinschaften.
29.08.2025, 07 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Die Kirche, ein mütterlicher Schoß für alle Völker der Erde: Nach dem Besuch in Hippo predigt Papst Leo über Augustinus, das Wesen der Kirche und das Kriterium jeder Reform.
14.04.2026, 19 Uhr
Regina Einig
Donald Trump knüpft ikonografisch an das mittelalterliche Königtum an und wirft Papst Leo XIV. vor, als schlechter Politiker zu agieren. Ein bedeutungsschweres Missverständnis.
13.04.2026, 18 Uhr
Franziska Harter
Leo XIV. hat den zentralen Termin seiner Spanienreise bestätigt. Zugleich rückte er die spanischen Märtyrer des 20. Jahrhunderts als Vorbilder des Glaubens in den Mittelpunkt.
13.04.2026, 16 Uhr
José García
Leo sei nur Papst, weil er selbst US-Präsident sei: So sieht Donald Trump sein Verhältnis zum Pontifex. Das geht auch Bischof Robert Barron zu weit. Chronik eines (einseitigen) Konflikts.
13.04.2026, 16 Uhr
Franziska Harter