In der Nacht zum Samstag, 3. Januar 2026, haben die USA nach eigenen Angaben in Venezuela einen zeitlich begrenzten Zugriff durchgeführt, der zur Festnahme von Nicolás Maduro und seiner Frau Cilia Flores führte. Aus Caracas wurden Detonationen, Tiefflüge und Rauchwolken gemeldet; US-Quellen sprechen von einer Delta-Force-Operation.
Venezuelas Vizepräsidentin Delcy Rodríguez erklärte im Staatsfernsehen, man kenne den Aufenthaltsort des Präsidenten nicht, verlangte einen „Lebensnachweis“ und sprach von einer Verletzung des Völkerrechts. Trump veröffentlichte Stunden später auf seinem sozialen Netzwerk „Truth Social“ ein Foto, das Maduro gefesselt und mit verbundenen Augen zeigt. Er schrieb dazu, Maduro sei „an Bord der USS Iwo Jima“. Rodríguez selbst könnte sich laut der Nachrichtenagentur Reuters inzwischen in Russland aufhalten.
Trump: „Wir wollen Frieden“
In einer Pressekonferenz am Samstagabend (MEZ) nannte Trump den Einsatz ein „Zeichen von Stärke“. Kein US-Soldat sei gefallen, kein Material verloren gegangen. Zugleich betonte er, es handle sich nicht um eine Invasion, sondern um einen kontrollierten Zugriff, der in „47 Sekunden“ ausgeführt worden sei. Maduro und Flores seien „auf dem Weg in die USA, nach New York“, Beweise für ihre kriminellen Aktivitäten lägen vor. Eine zweite Angriffswelle sei vorbereitet, aber „wahrscheinlich“ nicht nötig. Niemand aus dem Umfeld des Maduro-Regimes solle die Macht übernehmen, sagte Trump: „Wir wollen Frieden“.
US-Außenminister Marco Rubio betonte, Trump wolle Frieden, aber keiner sollte „mit uns spielen“. Auf eine Frage nach der Möglichkeit, dass US-Truppen vor Ort stationiert werden, antwortet der US-Präsident: „Wir haben keine Angst davor. Wir scheuen uns nicht davor, das zu sagen. Wir werden dafür sorgen, dass dieses Land gut geführt wird.“ Ein „US-Team“ soll zunächst die Macht in Venezuela übernehmen. Der Übergang sollte schnell gehen, aber im Moment sei die Lage „sehr gefährlich“. Die Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado sei „entscheidend“ für den Übergang und ständig im Gespräch mit Rubio. Auf die Frage, was für eine Botschaft er für das venezolanische Volk habe, sagte Trump: „Frieden und Gerechtigkeit“.
Machado selbst forderte, der im Exil lebende González Urrutia solle als rechtmäßiger Präsident die Amtsgeschäfte übernehmen. „Heute sind wir bereit, unser Mandat durchzusetzen und die Macht zu übernehmen“, erklärte sie.
US-Justizministerin kündigte Anklagen gegen sechs Personen an
US-Justizministerin Pam Bondi kündigte Anklagen gegen sechs Personen an: neben Maduro und Flores auch gegen Innenminister Diosdado Cabello, Ex-Minister Ramón Rodríguez Chacín, Maduros Sohn Nicolás Ernesto Maduro Guerra sowie den Drogenboss Héctor „Niño Guerrero“ Flores. Die USA werfen ihnen unter anderem Drogenterrorismus, Kokainschmuggel sowie Waffendelikte vor. Die US-Regierung betont, es handle sich um Strafverfolgungsmaßnahmen, nicht um Krieg: Der Einsatz diene der Vollstreckung eines Haftbefehls und stütze sich auf Artikel II der US-Verfassung, sei also von den Befugnissen des Präsidenten als Oberbefehlshaber gedeckt.
Die Vorwürfe knüpfen an ein seit 2020 offenes Verfahren an: Maduro gilt den USA als Kopf des „Drogenkartells der Sonnen“ mit Verbindungen zum „Tren de Aragua“. Analysten verweisen allerdings auf teils unsichere Beweislagen. Auch Cilia Flores steht seit Jahren unter US-Sanktionen.
Die Militärintervention trifft ein Land, dessen Legitimitätskrise seit der Wahl vom 28. Juli 2024 eskaliert: Der regimenahe Wahlrat erklärte Maduro zum Sieger (51,2 Prozent), die Opposition um Edmundo González Urrutia und María Corina Machado sprach von Wahlbetrug und reklamierte anhand veröffentlichter Akten einen klaren Wahlsieg. Proteste und internationale Kritik folgten. Am 10. Januar 2025 inszenierte Maduro dennoch seine Vereidigung. Washington reagierte mit Sanktionen und politischem Druck, während Machado im Oktober 2025 den Friedensnobelpreis erhielt – als Symbol eines friedlichen Übergangs.
Gemischte internationale Reaktionen
International fallen die Reaktionen unterschiedlich aus: Die EU erinnerte daran, dass Maduro „keine Legitimität“ als Präsident Venezuelas besitze. Russland forderte laut Außenministerium die Freilassung von Maduro und Flores. China verurteilte „hegemoniales Verhalten“ der USA.
Washington setzt nach Trumps Worten bei der Pressekonferenz vorerst auf die Justiz, Sanktionen und Diplomatie statt auf eine längere militärische Kampagne. Ob daraus ein kontrollierter Übergang oder ein gefährliches Vakuum entsteht, bleibt jedoch offen.
In sozialen Medien appellieren Gläubige, die Zukunft des Landes dem am 19. Oktober 2025 heiliggesprochenen „Arzt der Armen“, José Gregorio Hernández Cisneros, anzuempfehlen, der in Venezuela als Volksheiliger verehrt wird.
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