Venezuelas linksextremer Machthaber Nicolás Maduro ist verhaftet und in die USA gebracht worden. Weltweit feiern Exil-Venezolaner den Erfolg der US-Militäroperation. Doch wie geht es nun weiter in Venezuela? Vorstellbar sind viele Szenarien. Eines davon wäre die denkbar schlechteste: Máduros brutaler Machtapparat, der für außergerichtliche Hinrichtungen, Morde und Folter an Regierungskritikern verantwortlich ist, radikalisiert sich weiter und funktioniert einfach weiter wie bisher – nur ohne Máduro. Die Angst vor dieser tödlichen Repressions-Maschinerie erklärt auch, warum in Venezuela am Samstag die Straßen leer bleiben. Die gefürchteten „Colectivos“, regierungsnahe paramilitärische Banden, stehen wie in der Vergangenheit bereit, Aufstände und Proteste niederzuschießen.
Die Andeutung von US-Präsident Donald Trump, dass sich Venezuelas Vizepräsidentin Delcy Rodríguez „kooperativ“ zeige, lässt nichts Gutes erahnen. Rodríguez galt bislang als eine der wichtigsten Helferinnen Maduros im engen Zirkel rund um den Diktator. Ob Rodríguez tatsächlich bereit ist, einen „Übergang“ hin zu einer neuen Regierung einzuleiten, bleibt abzuwarten.
Gefahr, dass sich der linksextreme Machtapparat konsolidiert
Die venezolanische Opposition um den eigentlich gewählten Präsidenten Edmundo González und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado – eigentlich die legitimen Vertreter des venezolanischen Volkes – kommen bislang in den US-Plänen zumindest nicht öffentlich vor. Von Machado war gestern folgender Post zu lesen: „Die Stunde der Freiheit in Venezuela ist gekommen.“ Doch wie das gelingen soll, weiß noch niemand so recht. Auch Machado und González scheinen von der Entwicklung überrascht. Dass sie am Tag von Máduros Verhaftung erst einmal keine Interviews gaben, spricht dafür, dass sie selbst erst einmal eine eigene Position finden müssen. Für den Sonntag haben sie zu einer weltweiten Mobilisierung der Exil-Venezolaner aufgerufen. Das gibt schöne Bilder, ändert an den Machtverhältnissen in Venezuela aber nichts. Ohne den Druck von der Straße im Land selbst könnte sich der linksextreme Machtapparat schnell konsolidieren.
Bleibt das Thema Erdöl: Sichern sich die USA die umfassende Kontrolle über die ölreichsten Vorkommen der Welt, würde Washington Russland und China in erhebliche Probleme bringen. Einerseits über einen möglichst niedrigen Ölpreis, andererseits mit der Kontrolle über den Rohstoff. Das werden Moskau und Peking nicht so ohne Weiteres akzeptieren. Donald Trump sprach offen darüber, dass die USA Venezuelas am Boden liegende Ölindustrie wiederaufbauen wollen. Davon solle dann das venezolanische Volk profitieren.
Am Ende könnte dann nach den Jubelfeiern über die Verhaftung Maduros ein schneller Kater folgen: Die gleichen Eliten wie bisher sitzen an den Schalthebeln der Macht, kooperieren aber künftig mit den US-Konzernen. Wenn die venezolanische Opposition die Freiheit und die Macht will, muss sie jetzt die Zügel in die Hand nehmen und das Volk mobilisieren. Ansonsten schließt sich das kleine Zeitfenster für einen Neuanfang schneller, als das viele heute für möglich halten.
Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.






