Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Putins Blasphemie zum Weihnachtsfest

Der Kreml-Chef sieht seine Soldaten in einem heiligen Krieg. Mit Christentum hat diese Anmaßung rein gar nichts zu tun. Nur Patriarch Kyrill merkt das nicht.
Außenpolitikkorrespondent Stephan Baier, Wladimir Putin
Foto: DT / IMAGO / ZUMA Press | Kriegsfürst beim Friedensfest: Wladimir Putin bestückt einen Weihnachtsbaum.

Die Grenzen zwischen Politik und Kirche waren in Russland noch nie sauber gezogen: Insofern steht der zum Staatspräsidenten avancierte KGB-Offizier Wladimir Putin in einer Tradition der machtpolitischen Instrumentalisierung der Orthodoxie von Zar Peter I. bis Josef Stalin. Dass Patriarch Kyrill dem brutalen Zerstörungskrieg Putins gegen die Ukraine nicht nur seinen Segen gibt, sondern auch eine pseudo-theologische Rechtfertigung verliehen hat, war bisher der ethische und intellektuelle Tiefpunkt dieser fatalen Symbiose eines Mafiastaates mit einer korrumpierten Kirchenführung.

Lesen Sie auch:

Dieser Tiefpunkt wurde in der Nacht zum Mittwoch in einer orthodoxen Weihnachtsfeier nochmals unterboten. Da predigte Putin zur orthodoxen Heiligen Nacht in einer Moskauer Kirche vor Soldaten und ihren Angehörigen, die nach seiner Auffassung einer „heiligen Mission“ dienen. Wie Jesus würden auch Russlands Soldaten „im Auftrag des Herrn“ diese Mission erfüllen: „die Verteidigung des Vaterlands, die Rettung der Heimat und ihrer Menschen“. Das mag möglicherweise mit dem Selbstverständnis von salafistischen Terroristen, Boko-Haram-Kämpfern und IS-Verbrechern kompatibel sein – mit dem Erlösungswerk Jesu und der christlichen Mission hat das nichts zu tun.

Putins fanatischer Vernichtungskrieg gegen das Nachbarland ist keine heilige, sondern eine diabolische Mission. Von Kiew, das die russische Armee Tag um Tag und Nacht um Nacht mit Drohnen und Raketen attackiert, gelangte einst der christliche Glaube in die ganze Region, die heute Russland, Belarus und die Ukraine umfasst. Putins widersinniger Krieg tötet Gläubige aller Konfessionen, zerstört katholische und orthodoxe Kirchen – und er zerreißt die letzten Fäden, die Russen und Ukrainer über Jahrhunderte verbanden. Russlands Soldaten sind nicht „im Auftrag des Herrn“ in der Ukraine unterwegs, sondern im Auftrag eines zunehmend totalitär regierenden Kremlherrschers, der das Schlechteste aus den Traditionen Russlands verkörpert.

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Stephan Baier Christliche Mission Jesus Christus Josef Stalin Katholizismus Orthodoxe Kirchen Peter der Große Vernichtungskriege Wladimir Wladimirowitsch Putin

Weitere Artikel

Auserwählt und stets von Feinden umgeben: Der Historiker Oliver Jens Schmitt zeigt rote Fäden im russischen Selbst- und Staatsverständnis quer durch die Jahrhunderte.
21.02.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Alle sprechen jetzt vom Frieden, selbst die Zyniker im Kreml. Doch wer spricht von den entführten ukrainischen Kindern, von den Schmerzen der Soldaten, wer trauert mit Witwen und Waisen?
19.12.2025, 17 Uhr
Stephan Baier
Während Donald Trump der Ukraine immer neue Zugeständnisse abringt, führt Wladimir Putin seinen Eroberungskrieg ungebremst weiter.
17.12.2025, 11 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Der lange Schatten der Würzburger Synode: Warum der Synodale Weg weder originell noch aussichtsreich war – eine Nachlese.
22.02.2026, 17 Uhr
Martin Grichting
Der „Neue Anfang“ kritisiert Bischof Bätzing für die Aufnahme von Wolfgang Rothe in den DBK-Betroffenenbeirat und fordert die Hirten zum Handeln auf.
20.02.2026, 20 Uhr
Meldung
Man werde sich sowieso nicht einigen können: Die Bruderschaft schlägt das Angebot des Papstes aus und hält an den unerlaubten Bischofsweihen im Juli fest.
19.02.2026, 16 Uhr
Meldung