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Putins Blasphemie zum Weihnachtsfest

Der Kreml-Chef sieht seine Soldaten in einem heiligen Krieg. Mit Christentum hat diese Anmaßung rein gar nichts zu tun. Nur Patriarch Kyrill merkt das nicht.
Außenpolitikkorrespondent Stephan Baier, Wladimir Putin
Foto: DT / IMAGO / ZUMA Press | Kriegsfürst beim Friedensfest: Wladimir Putin bestückt einen Weihnachtsbaum.

Die Grenzen zwischen Politik und Kirche waren in Russland noch nie sauber gezogen: Insofern steht der zum Staatspräsidenten avancierte KGB-Offizier Wladimir Putin in einer Tradition der machtpolitischen Instrumentalisierung der Orthodoxie von Zar Peter I. bis Josef Stalin. Dass Patriarch Kyrill dem brutalen Zerstörungskrieg Putins gegen die Ukraine nicht nur seinen Segen gibt, sondern auch eine pseudo-theologische Rechtfertigung verliehen hat, war bisher der ethische und intellektuelle Tiefpunkt dieser fatalen Symbiose eines Mafiastaates mit einer korrumpierten Kirchenführung.

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Dieser Tiefpunkt wurde in der Nacht zum Mittwoch in einer orthodoxen Weihnachtsfeier nochmals unterboten. Da predigte Putin zur orthodoxen Heiligen Nacht in einer Moskauer Kirche vor Soldaten und ihren Angehörigen, die nach seiner Auffassung einer „heiligen Mission“ dienen. Wie Jesus würden auch Russlands Soldaten „im Auftrag des Herrn“ diese Mission erfüllen: „die Verteidigung des Vaterlands, die Rettung der Heimat und ihrer Menschen“. Das mag möglicherweise mit dem Selbstverständnis von salafistischen Terroristen, Boko-Haram-Kämpfern und IS-Verbrechern kompatibel sein – mit dem Erlösungswerk Jesu und der christlichen Mission hat das nichts zu tun.

Putins fanatischer Vernichtungskrieg gegen das Nachbarland ist keine heilige, sondern eine diabolische Mission. Von Kiew, das die russische Armee Tag um Tag und Nacht um Nacht mit Drohnen und Raketen attackiert, gelangte einst der christliche Glaube in die ganze Region, die heute Russland, Belarus und die Ukraine umfasst. Putins widersinniger Krieg tötet Gläubige aller Konfessionen, zerstört katholische und orthodoxe Kirchen – und er zerreißt die letzten Fäden, die Russen und Ukrainer über Jahrhunderte verbanden. Russlands Soldaten sind nicht „im Auftrag des Herrn“ in der Ukraine unterwegs, sondern im Auftrag eines zunehmend totalitär regierenden Kremlherrschers, der das Schlechteste aus den Traditionen Russlands verkörpert.

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