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Bidens Alter wird zum Problem im US-Wahlkampf

Die Demokraten sind zunehmend besorgt, ob Joe Biden noch der richtige Mann ist, um Trump zu schlagen. Doch der ist selbst nicht unbelastet.
US-Präsident Joe Biden macht immer wieder mit verbalen Aussetzern von sich reden
Foto: IMAGO (www.imago-images.de) | Lautet das Duell am Ende gar nicht Biden gegen Trump? Ganz ausschließen kann man es nicht. Bei den Demokraten stellt sich allerdings die Frage, wie man Biden überhaupt zum Rückzug bringen könnte.

Joe Biden hat den „Super Bowl“ vermasselt. So deuten es zumindest politische Beobachter. Der amtierende US-Präsident lehnte es jüngst ab, traditionsgemäß zu jenem äußerst populären Football-Megaevent für ein Interview zur Verfügung zu stehen – obwohl er dabei das größte vor den Fernsehbildschirmen des Landes versammelte Publikum überhaupt erreicht hätte.  

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Das Beispiel steht pars pro toto: Während Präsidentschaftskandidaten sonst jeden öffentlichen Auftritt nutzen, um die Wähler für sich zu gewinnen, trifft auf Biden das Gegenteil zu. Die Strategie seines Teams scheint zu sein: Je weniger die Öffentlichkeit von ihm sieht, desto besser. Dann können dem 81-Jährigen keine Ausrutscher unterlaufen wie neulich, als er Emmanuel Macron mit François Mitterrand verwechselte – und Angela Merkel mit Helmut Kohl.

Ist Biden noch der Richtige, um Trump zu schlagen?

Bidens Alter – und die Art, wie es sich bemerkbar macht – wird zunehmend zum Problem im Wahlkampf. Der Sonderermittler Robert Hur brachte die Wahrnehmung vieler Bürger auf den Punkt: In der Frage, ob Biden unrechtmäßig an seinem Wohnsitz Geheimdokumente aufbewahrte, entlastete er den Präsidenten zwar, betonte aber gleichzeitig: Biden sei „ein wohlmeinender, älterer Herr mit einem schlechten Gedächtnis“. In Umfragen geben konstant 70 bis 80 Prozent der Befragten an, Biden sei zu alt für eine zweite Amtszeit. Unter den Demokraten wächst allmählich die Sorge, ob das politische Urgestein noch der richtige Mann sei, um Donald Trump im November zu schlagen. 

Nun weisen einige darauf hin, dass auch Trump Aussetzer zeigt und zuweilen wirr daherredet. Doch der Republikaner wirkt trotz seiner 77 Lebensjahre insgesamt fitter. Viel bedeutender ist aber, dass die Wähler Trumps Alter nicht als Problem sehen. Allerdings muss sich Trump mit anderem Ärger herumschlagen. So wurde er Ende vergangener Woche schuldig gesprochen, den Wert seiner Immobilien aufgeblasen zu haben, um sich günstigere Kredite zu besorgen. Trump muss nun 355 Millionen US-Dollar Strafe zahlen.

Und auch das Zugpferd seiner ersten Präsidentschaft, die konservativen Gesellschaftspolitik, kommt diesmal nicht so recht in Schwung. Während Trump 2016 noch punkten konnte, indem er Richter ernannte, die schließlich das umstrittene Grundsatzurteil in der Abtreibungsfrage, „Roe v. Wade“, kippten, scheint sich der Wind gedreht zu haben. Zumindest haben die Republikaner zuletzt viele Wahlen verloren, wenn sie für eine sehr strikte Abtreibungspolitik eintraten. 

Trump will wohl Abtreibungsverbot nach 16 Wochen

Da klingen die Berichte der „New York Times“ durchaus plausibel, Trump habe sich im Privaten für ein bundesweites Abtreibungsverbot nach der 16. Schwangerschaftswoche ausgesprochen – mit drei Ausnahmen: in Fällen von Missbrauch, Inzest oder wenn das Leben der Mutter in Gefahr sei. Trumps Team wies die Berichte zwar zurück. Sollte dennoch etwa dran sein, wäre dies wohl ein Versuch, sowohl Abtreibungsgegner wie auch moderate Republikaner und unabhängige Wähler zufriedenzustellen. Ob ein solcher Kurs von Erfolg gekrönt wäre? Das würde erst die Wahl im November zeigen. 

Lautet das Duell am Ende gar nicht Biden gegen Trump? Ganz ausschließen kann man es nicht. Bei den Demokraten stellt sich allerdings die Frage, wie man Biden überhaupt zum Rückzug bringen könnte. Insidern zufolge scheint er fest entschlossen, es noch einmal zu versuchen. Und wer sollte an seine Stelle treten? Abgesehen von Vizepräsidentin Kamala Harris machen lediglich Namen aus der zweiten Reihe die Runde. Klar ist: Ein Kandidatentausch auf den letzten Metern könnte auch nach hinten losgehen.  

Trump wiederum steckt weiter im Sumpf der juristischen Aufarbeitung seines Verhaltens nach der Wahlniederlage 2020. Ob er sich daraus befreien kann, hängt auch vom Obersten Gerichtshof ab. Der könnte sich in den nächsten Wochen damit befassen, ob Trump überhaupt strafrechtlich belangt werden kann. Am Samstag steht aber erst einmal die nächste Vorwahl in South Carolina an. Dass Trump seine letzte Konkurrentin Nikki Haley schlagen und die Nominierung eintüten dürfte, gilt als Formsache. Die spannenderen Fragen stellen sich derzeit fernab der Wahlurnen.

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