Reevangelisierung

„Wir wollen Herzen berühren“

Dan Johnson kreiert mit dem Franziskanerpater David Pivonka bei „Wild Goose Ministry“ Filme, die Menschen zu Gott führen sollen.
Franziskanerpater David Pivonka (l.) und Dan Johnson
Foto: Wild Goose Ministry | Der Franziskanerpater und Präsident der franziskanischen Universität Steubenville, David Pivonka (l.) und Dan Johnson, Creative Director von Wild Goose Ministry, beim Dreh ihrer Serie „The Wild Goose“ ...

Mr. Johnson, was genau ist die Mission von „Wild Goose Ministry“?

„Wild Goose Ministry“ lädt zu einer erneuerten oder ersten Begegnung mit Christus ein, der die Liebe des Vaters durch die Gnade des Heiligen Geistes auf vollkommene Weise offenbart. Zu diesem Zweck haben wir mehrere Filmserien zu verschiedenen Themen produziert. Wir versuchen, bei unserer Arbeit die Geschichten zu erzählen, zu denen der Heilige Geist uns ruft. Wichtig ist für uns, dabei im Gebet auf die Stimme Gottes zu hören.

Was ist Ihre Rolle dabei?

Ich arbeite als Creative Director. Ich habe Franziskanerpater Dave Pivonka, den jetzigen Präsident der Universität Steubenville, getroffen, als ich noch dort studiert habe. Als ich diese Produktionsfirma vor sieben, acht Jahren mitgegründet habe, war ich fest entschlossen, etwas mit Pater Dave zusammen zu produzieren.

„Anstatt mit Theologie oder Katechese anzufangen, wollen wir einen Schritt früher beginnen:
Dort, wo die Leute in ihrer Menschlichkeit leiden und nach mehr suchen“

Was ist dann konkret aus dieser Idee entstanden?

Pater Dave hatte damals ein Buch über den Heiligen Geist geschrieben. Das wurde zur Grundlage für unsere erste Serie „The Wild Goose“. Darin sollte es darum gehen, wie man ein Leben aus dem Heiligen Geist heraus lebt, ein Thema, zu dem es unserer Meinung nach nicht viel Material da draußen gab. Natürlich findet man viel Videomaterial zum Thema Firmung, wenn man danach sucht, aber nicht speziell über das Leben im Heiligen Geist – etwas, über das jeder Christ Bescheid wissen sollte.

Wir als Produktionsfirma kümmern uns vor allem um Produktion und manche Aspekte der Handlung, doch die meisten Inhalte kommen von Pater Dave. Darauf folgte die Serie „Metanoia“, die wir im Heiligen Land gefilmt haben; auf den Spuren Jesu. Unsere nächste Serie muss folgerichtig vom Vater handeln.

 

Wie kamen Sie auf den Namen „Wild Goose“ – was für eine Bedeutung hat die Wildgans?

Der irische Mönch und Heilige Columba hat diesen Begriff geprägt. Hinter dem ursprünglich keltischen Begriff verbirgt sich der Heilige Geist. Wir wollten den Heiligen Geist nicht als eine sanftmütige, weiße Taube oder ein kleines Flämmchen darstellen, wie es sonst üblich ist, sondern die Wildheit des Geistes Gottes hervorheben – zwar keine zerstörerische oder chaotische Kraft, aber eine, die uns herausfordert, schwierige Dinge zu tun. Im Heiligen Geist zu leben, ist nicht leicht.

Wie sieht so ein Filmprozess aus, von ersten Konzepten hin zu dem, was man dann auf dem Bildschirm sieht?

Zumindest bei „The Wild Goose“ hatten wir das Konzept schon. Wir wandelten die Geschichten, die Pater Dave in seinem Buch erzählt hatte, in 30-40minütige Folgen um. Dann überlegten wir uns Bilder, mit denen wir den Heiligen Geist sichtbar, greifbar machen konnten. Unsere erste Episode „God‘s Love Poured Out“ (deutsch: Die ausgegossene Liebe Gottes) filmten wir an den Niagara-Fällen, um die Größe und Macht der Liebe Gottes darzustellen, die er durch den Heiligen Geist ausgießt. Solche Aufnahmen werden erst geplant, dann gefilmt, und danach kommt die lange Zeit des Zusammenschneidens. Außerdem begleiten wir den Prozess intensiv im Gebet. Dies hilft uns, bei der Anfangsvision zu bleiben: Es besteht immer die Gefahr, von großen Ideen mitgerissen zu werden.

Mit welchen Herausforderungen ringen Sie als eine Firma, die kostenlose katholische Inhalte anbietet?

Erst einmal ist es natürlich nicht billig, um die Welt oder auch nur durch die USA zu reisen, wie wir es für unsere Serien getan haben. Alles, was wir produzieren, soll eine gewisse Qualität haben, die das Thema reflektiert. Andererseits wollten wir auch, dass jede Person Zugang zu unseren Filmen hat. Die Frage ist also immer, wie wir mit einem eingeschränkten Budget produzieren und uns vermarkten. Die andere Herausforderung ist, sich nicht zu sehr zu verzetteln. Pater Dave sagt immer: „Keep it simple“ (dt.: „Haltet es einfach.“) Vonseiten der Produktion ist es leicht, auf große, anspruchsvolle Ideen zu kommen. Doch Gott will normalerweise die ganz einfachen Dinge, die sich im Nachhinein als tiefschürfender herausstellen.

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Wer ist Ihre Zielgruppe?

Zunächst einmal die Leute in den Kirchenbänken; aber besonders die, die sonntags zwar in die Kirche gehen, aber unter der Woche kein lebendiges Glaubensleben führen.

Hat sich das in der Praxis bestätigt?

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass unser Konzept – die Bilder, die ansprechende Art von Pater Daves Ausführungen – auch ganz alltägliche Leute anspricht. Unsere Videos sind einfach zugänglich und hochwertig genug, um alle Zuschauer zu interessieren, sie näher an Gott zu führen, tiefer ins Leben mit dem Heiligen Geist. Wir haben mitbekommen, wie Menschen dafür Feuer fangen und unsere Filme mit Leuten teilen, die gar nicht in die Kirche gehen. Das ist wunderbar. Das Format ist ganz leicht zu bedienen und zu teilen: Wie Netflix. Man muss es nur aufrufen und draufklicken, und kann es auf dem Handy, Tablet, Computer oder dem Fernseher anschauen.

Ist Ihr Ziel Evangelisierung oder Glaubensvermittlung?

Ein bisschen von beidem. Wir wollen vor allem das Herz neu ansprechen. Der Hauptbestandteil von „Metanoia“ oder „ The Wild Goose“ ist das Erzählen von Geschichten, eine Methode, die auf das menschliche Herz zugeschnitten ist. Es gibt viele katechetische Programme, die den Glauben vermitteln, den Intellekt formen. Aber wir wollen Herzen berühren und bewegen. Dann gibt es genug Inhalte offline und online, um ihnen den Glauben zu erklären. Doch zuerst muss der Funke überspringen.

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Das erinnert an die Mission der Produktion „The Chosen“, die ja sehr erfolgreich ist. Glauben Sie, es gibt gerade eine neue Bewegung christlicher Medien, die bewusst versuchen, das Herz anzusprechen?

Ja, das glaube ich! Die Welt ist gerade fasziniert von der menschlichen Erfahrung- Denkt man nur an Phänomene wie Achtsamkeit, die aktuell überall populär sind, kann man durchaus diesen Hunger nach dem „mehr“ in der menschlichen Existenz erkennen. Wir und andere Glaubensbewegungen wollen genau diesen Berührungspunkt zwischen dem Menschlichen und dem Göttlichen ansprechen; da, wo diese zwei Dinge auch in einem Spannungsverhältnis stehen. Anstatt mit Theologie oder Katechese anzufangen, wollen wir einen Schritt früher beginnen: Dort, wo die Leute in ihrer Menschlichkeit leiden und nach mehr suchen. Das haben wir auf jeden Fall mit Produktionen wie „The Chosen“ gemeinsam.

Die aktuelle Medienkultur geht sehr kritisch mit Religion und Katholizismus um. Welchen Rat würden Sie Produzenten katholischer Medien geben, die davon möglicherweise entmutigt sind?

Ich würde ihnen raten, nach einer positiven Perspektive zu suchen, und sich auf Wachstum, nicht auf Negativität konzentrieren. Für jemanden, der Inhalte kreiert, ist es sehr leicht, eine Liste mit Verboten aufzustellen, etwas zu produzieren, das aussagt, welche Dinge man nicht tun soll. Vielleicht sind diese Verbote ja auch gut – aber die bessere Option für Produzenten ist es, zu fragen: Was ruft uns? Wonach verlangt es uns alle? Wie sprechen wir das an? Wie erwecken wir das in unseren Zuschauern? Das macht unsere Arbeit einladend. Es ist leichter für Leute, die sich diesen Themen vielleicht zögerlich annähern, wenn sie spüren, dass sie nicht verurteilt werden, sondern dass man ihre Erfahrungen versteht und sie darin anspricht.

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