Die Missionarische Pfarrei

Pfarrei Christkönig in Flieden: Von Alphakurs bis Videoclip

Mission im Alltag der Pfarrei. Die Pfarrei Christkönig in Flieden setzt auf Seminare, Pilgerfahrten und Onlineangebote, um den Glauben zu verbreiten.
Gemeinde Christkönig in Flieden
Foto: Privat | Pfarrer Thomas Maleja von der Gemeinde Christkönig in Flieden im Bistum Fulda verkündet das Evangelium.

Wie kann man Menschen für das Evangelium begeistern? Pfarrer Thomas Maleja von der Gemeinde Christkönig in Flieden im Bistum Fulda hat gute Erfahrungen mit Glaubenskursen gemacht. „Als ich 2006 in die Pfarrei kam, begannen hier erstmals Alphakurse“, berichtet er im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Spitzenbeteiligung lag bei 50 bis 65 Teilnehmern. Im Lauf der Zeit zeigten sich Präferenzen für Kurse, die sich eindeutig an katholischen Glaubensinhalten ausrichten. Die Gemeinde setzt auch eigene Akzente: Auf dem Programm steht immer ein Abend der Barmherzigkeit mit Beichtgelegenheit.

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Werbung für Alphakurse

Genau wie im Advent und in der Fastenzeit. Zehn Priester hören dann Beichte, denn im Unterschied zur konventionellen, rückläufigen Beichtseelsorge nehmen die Menschen diese Gelegenheit, das Bußsakrament zu empfangen, an: Bis zu hundert Beichten werden an den Abenden der Barmherzigkeit gehört. Und selbst langjährige Kirchgänger erleben, dass der Alphakurs ihr Glaubensleben vertieft. Gemeindereferentin Vera Schöppner erinnert sich an eine 85-Jährige, deren Gottesbild des strafenden Richters sich so positiv verwandelte, dass sie die Angst vor dem Sterben verlor. Stattdessen freundete sich die Seniorin mit einem 18-Jährigen an. Der jüngste Teilnehmer und die älteste Teilnehmerin saßen beim Essen meistens zusammen und unterhielten sich bestens.

Die Erfahrung zeigt, dass auch Öffentlichkeitsarbeit wichtig ist. Dank der intensiven Werbung in Metzgereien, Bäckereien und Supermärkten und anderen nichtkirchlichen Adressen melden sich zu den Glaubenskursen Interessierte, die schon länger keine Kirche mehr betreten haben. Als Auffrischungskurs für Teilnehmer früherer Alphakurse wurde der selbst kreierte Glaubenskurs „Ladestation“ ins Leben gerufen.

Alternativen im Angebot

In einer alphamüden Phase lud die Gemeinde zu einem „Leben-im-Geist-Seminar“ – scherzhaft „Beta-Kurs“ genannt. Im Zentrum steht die Beschäftigung mit dem Heiligen Geist. Nach einem Vortrag zum Thema beginnt die Arbeit in Kleingruppen. Für jeden Tag erhalten die Teilnehmer eine kleine Hausaufgabe, etwa die Betrachtung einer Bibelstelle. In dieser Gruppenarbeit wachse mancher über sich hinaus, so die Erfahrung der Katechetin Mechthild Albinger. Wie tief dieses Erlebnis prägen kann beschreibt Pfarrer Maleja am Beispiel eines 18-Jährigen, der zunächst nichts mit Glauben zu tun haben wollte, dann aber sein Leben von Grund auf umkrempelte und eine Zeitlang bei den Franziskanern der Erneuerung in den USA mitarbeitete. Das Fundament für die Glaubenskurse sei, so Frau Albinger, dass während der Zeit, in der die Kurse stattfinden, in der Kapelle des Pfarrhauses vor dem ausgesetzten Allerheiligsten um die Gaben des Geistes für die Teilnehmer gebetet werde.

Damit der Geist Gottes auch in den Herzen der Jugendlichen ankommt, hat die Gemeinde seit einigen Jahren ein Firmkonzept, das an den Jugendalphakurs angelehnt ist. Es besteht aus einem Wochenende im Kloster der Hünfelder Oblaten und acht Abenden von 18.30 bis 21 Uhr. Abendessen, Lobpreis, Katechese und anschließend die Arbeit in Kleingruppen, ehe der Abend in der Kirche meditativ ausklingt. Das Problem, dass nach der Firmung die meisten Jugendlichen nicht mehr in der Kirche gesehen werden, stellt sich natürlich auch in Flieden. In den anonymen Rückmeldebögen bekommt die Pfarrei aber viel positives Echo auf die Firmvorbereitung: Das Erlebnis Kloster ist für viele Teilnehmer überraschend positiv. Auch die Eltern sind eingebunden.

Aktive Firmlinge 

Bei 50 Firmlingen helfen bei jedem Abend sechs Eltern bei der Vorbereitung mit. Auch die Erstkommunionvorbereitung ist „ein Familienprojekt“, sagt Gemeindereferentin. In die Vorbereitung auf den Weißen Sonntag werden die Eltern in die Weggottesdienste und durch Gespräche mit einbezogen. Ihre Arbeit vergleicht sie mit der einer Hüttenwirtin. Auf dem Lebensweg kommen Menschen bei ihr vorbei und kehren für eine Weile ein. Wer dann weiterzieht, soll gute Erinnerungen mitnehmen und entschlossen sein, wieder in die Kirche zu gehen oder Neues kennenzulernen.

Wo finden Gemeinden derzeit Impulse für die Glaubensvertiefung? Pfarrer Maleja hat begeistert an der Konferenz „Divine Renovation“ mit dem amerikanischen Pfarrer James Mallon in Fulda teilgenommen. Danach entschieden sich über 80 Kirchenbesucher für einen Glaubenskurs von Schwester Theresia Mende OP vom vormaligen Augsburger Institut für Neuevangelisierung.  Die Schwerpunkte dieses Glaubenskurses liegen so, dass sich alle Generationen und Bildungsschichten damit identifizieren können: geistliche Auslegung biblischer Texte, die Einübung in das persönliche Beten aus dem Herzen, die Hinführung zur eucharistischen Anbetung, Beichte und Eucharistie, die Tauferneuerung und das Gebet um den Heiligen Geist sowie das Angebot des Gebets um innere Heilung und die Sendung in den Alltag gehöre dazu. Methodisch spielen biblische Vorbilder und Geschichten die zentrale Rolle.

Musicals in der Pfarrei

Auch heikle Themen der Kirche werden in Flieden nicht ausgeblendet, aber in entspannter Atmosphäre im Rahmen der Stammtischgespräche diskutiert. In allen Gastwirtschaften auf dem Gemeindegebiet bieten Theologen Einblicke: Wie sieht die Kirche gescheiterte Ehen? Regiert Geld nicht nur die Welt, sondern auch die Kirche? Und auch die Frage, was uns nach dem Tod erwartet – Himmel, Hölle, Fegefeuer? kam zur Sprache. Jeweils 50 bis 70 Besucher ermutigten zum Weitermachen. Besonders prägend war für viele der Abend mit Torsten Hartung, einem rechtskräftig verurteilten Mörder, der im Gefängnis zu Gott fand und sich heute um jugendliche Straftäter kümmert.

Zur Bandbreite des Programms gehört auch der musikalische Zugang zu Glaubensthemen. In der Pfarrkirche führte die Gemeinschaft Emmanuel mehrere Musicals auf. Das Gotteshaus ist auch ohne besonderen Anlass eine Reise wert: Es birgt einen der ältesten Taufsteine des Bistums, auf dem der heilige Goar, Petrus und Bonifatius dargestellt sind, vor allem aber dankbare Erinnerungen: „Von meinem Vorgänger ernte ich heute noch“, sagt Pfarrer Maleja. Mit der Pandemie wuchs man in Flieden an den Herausforderungen.

Weg nach Bethlehem 

Vera Schöppner verweist auf die Onlineangebote: „Wir haben im Lockdown angefangen mit kleinen Videobotschaften und haben dann die Technik angeschafft, um Gottesdienste im Livestream auf dem eigenen Youtube-Kanal zu übertragen. Auch für die Kinder, die sonst parallel zum Sonntagsgottesdienst einen eigenen Wortgottesdienst haben, wurden eigene Videoclips passend zum Kirchenjahr gedreht. Als Clou entpuppte sich die Aufzeichnung eines Krippenspiels, das als Gemeinschaftsprojekt mit dem Titel „Unterwegs nach Bethlehem“ mit der Nachbarpfarrei Kalbach produziert wurde: 19 000 Aufrufe im Internet und begeisterte Kinder sind ein Lichtblick in schwierigen Zeiten.“

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