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Wie Ludwig Feuerbach mit der Theologie brach

Auch wenn sich der Atheist als Gottsucher ausgab, blieb bei ihm kein Raum für den Glauben.
Ludwig Feuerbach sah Gott als Ebenbild des Menschen an
Foto: imago stock&people (imago stock&people) | Feuerbach forderte die Alleinherrschaft der Vernunft gegenüber dem Glauben, die Einheit beider lehnte er strikt ab.

Vor 150 Jahren starb der Philosoph Ludwig Feuerbach. Doch seine Schriften wirken bis heute. Besonders in der Anthropologie, die er selbst zu einem Hauptanliegen machte. Denn „das göttliche Wesen ist nichts anderes als das menschliche Wesen“, meinte er.

Er sah Gott als Ebenbild des Menschen an

Je nachdem, wie die Menschen veranlagt seien, sei auch die Religion. Objektivität der Offenbarung oder die Geschichtlichkeit Jesu spielten für ihn keine Rolle, stattdessen sah er Gott als Ebenbild des Menschen an, oder wie er später formulierte, als Produkt menschlicher Wünsche. 

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Seine Thesen hat Feuerbach am Christentum nicht belegt; das reale Christentum war für ihn auch nicht entscheidend, weil er eine neue Philosophie der Religion etablieren wollte, die sich nicht um Fakten der Theologie kümmern muss. Marx, Nietzsche oder Freud nahmen diese Einstellung in ihren Religionsbetrachtungen gerne auf. 

Feuerbach forderte die Alleinherrschaft der Vernunft gegenüber dem Glauben, die Einheit beider lehnte er strikt ab. So bereitete er einen Naturalismus bezüglich des Menschen ohne Transzendenz vor, der vielen Naturwissenschaftlern und Medizinern schon vor Darwin entgegenkam.  DT/ari

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