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Jonathan Blevins evangelisiert beim Videospielen

Der US-Amerikaner Jonathan Blevins evangelisiert beim Videospielen vor laufender Kamera.
"Streamer" nehmen sich beim Videospielen auf
Foto: Symbolbild: imago | „Streamer“ nehmen sich beim Videospielen auf. Jonathan Blevins nutzt das, um zu evangelisieren.

Was wir tun wollen, nennen wir Prä-Evangelisierung. Die Idee ist, Menschen an den Gedanken zu gewöhnen, dass Gott echt ist, dass er sie liebt, dass sie in seinem Bild gemacht sind. Und wir hoffen, dass sie beginnen, ernsthafte Fragen über den katholischen Glauben zu stellen.“ Jonathan Blevins weiß, wie man vor einer Kamera spricht. Denn seit vier Jahren tut er dies neben seinem Job als katholischer Jugendseelsorger. Mit dicken Kopfhörern über seiner Baseball-Kappe und blauen Neonlichtern im Hintergrund sitzt er vor seinem Bildschirm und spricht über seinen Glauben, während er Videospiele spielt. „Zwischen oder während den Spielen rede ich über den Glauben und pflege die Gemeinschaft mit den Zuschauern.“

Die schalten sich über „Twitch“ zu, einem Videodienst, der Amazon gehört und auf dem man live auf Sendung gehen kann. „Ich spiele meine Spiele live – die Leute können zuschauen und sich gleichzeitig mit mir unterhalten. Manche Streamer nehmen sich auf, wie sie kochen, stricken oder einen Podcast machen. Heutzutage kann man alles streamen“, erklärt Blevins – oder „Bearded Blevins“, wie er sich online nennt: Der bärtige Blevins.

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Die Welt online verändern

Auch katholische Inhalte sollten, das war Blevins‘ Ziel, ihre Nische auf Twitch haben. Inspiriert wurde er von seinem jüngeren Bruder Richard Blevins, der unter dem Namen „Ninja“ seit 2018 als der größte Streamer der Welt gilt. „Viele der großen Streamer schreiben meinem Bruder ihren Erfolg zu. Er hat dem Konzept, mit dem Livestreamen Geld zu verdienen und Erfolg zu haben, den Weg geebnet“, erläutert Blevins. Vor vier Jahren habe er nur wenig Videospiele gespielt, vor allem abends, wenn seine Frau und Kinder schon schliefen. „Da sagte mein Bruder zu mir: ,Du kannst ebenso gut die Kamera anschalten, die Welt ein bisschen verändern, etwas über den Glauben erzählen und ein bisschen Geld einnehmen.‘“

Im Sommer 2021 entschied sich Blevins, das Streamen zu seiner Vollzeitarbeit zu machen, da ihn viele Erfolgsgeschichten erreichten: „Ich habe Priester getroffen, die Videospiele lieben, und die ich dann im echten Leben getroffen habe und die ich jetzt zu meinen Freunden zähle.“

Auch Priester werden online angesprochen, wenn man sie erkennen kann

Diese Priester wurden, so Blevins, von Zuschauern immer wieder im Stream angesprochen. Er erfuhr, dass Zuschauer zum ersten Mal seit der ersten Klasse wieder zur Beichte oder in die Messe gingen, konvertiert seien oder begonnen hätten, ein Täuflingsprogramm zu besuchen. „Diese wundervollen Geschichten haben mich davon überzeugt, dass das hier Gottes Weg für mich ist.“

Im Oktober 2021 gründete Blevins die Firma „Little Flower Media“ mit seinen Freunden Matthew Marcolini und Matt McClure. Der Name geht auf die heilige Thérese von Lisieux zurück. „Wir sind alle große, bärtige Männer und sehr stolz auf den Namen!“ schmunzelt Blevins. Das Ziel von „Little Flower Media“ ist Mission: „Wir wollen alle neuen Medien benutzen, um das Gute in die Welt zu tragen. Wir sind auf Twitch, YouTube, Facebook, TikTok, Twitter – wir wollen ein helles Licht an einem Ort sein, der sehr düster sein kann.“

Man kann online aktiv sein, muss aber Grenzen setzen

Die Mission wirkt wie eine organische Entwicklung in Blevins Lebenslauf. Der katholisch aufgewachsene Amerikaner entschied sich mit 19 Jahren, an einem kleinen katholischen College Theologie zu studieren, und spezialisierte sich auf Religionspädagogik und Jugendpastoral. „Ich hatte immer das Gefühl, dass ich eine gottgegebene Gnade hatte, auch die in der heutigen Welt schwierigen Themen der Kirche mit Liebe und Barmherzigkeit weiterzugeben. Ich glaube, das ist es, was wir heute brauchen.“

Die Gefahren, die die Medien ausstrahlen, kennt Blevins nur zu gut. Die Idee des „Metaverse“, einer online gelebten Realität, ist dem Streamer suspekt: „Wenn du eine Videobrille aufsetzen und sehen kannst, was auch immer du sehen willst, erleben kannst, was auch immer du erleben willst – wieso solltest du sie je wieder absetzen?“ Das Internet habe seine Tücken. „Aber das Licht des Evangeliums gehört dorthin. Ich glaube, dass man online aktiv sein kann, aber auch gesunde Grenzen haben kann.“

Mit Macht kommt Verantwortung

Auch der Einfluss, den ein Streamer ausüben kann, ist ein zweischneidiges Schwert. Das hat Blevins durch seinen Bruder hautnah erlebt: „Es ist sowohl inspirierend als auch respekteinflößend. Um Uncle Ben in Spiderman zu zitieren: ,Mit großer Macht kommt große Verantwortung.‘“ Denn, so ergänzt er, „wenn man so berühmt ist wie mein Bruder zum Beispiel, dann hat man Einfluss. Aber er hat viel Gutes damit getan und das hat mich inspiriert.“ Damit spielt Blevins auf die Benefiz-Streams an, mit denen sein Bruder über eine Million Dollar für verschiedene Hilfsorganisationen gesammelt hat.

„Letztlich geht es mir nicht um Erfolg oder Ruhm. Ich möchte meine Familie versorgen, das Evangelium verbreiten und die Menschen zu Christus führen. Ich weiß, wie schwer es ist, wenn alle Augen der Öffentlichkeit auf einen gerichtet sind.“ Gerade da, so Blevins, sei der Glaube eine unentbehrliche Stütze.

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Erstaunlicherweise funktioniert Gemeinschaft auch im Internet

Weniger von der Reichweite, als von der Möglichkeit, echte Gemeinschaft zu pflegen, in denen man Herzen erreichen kann, war Blevins überrascht. Er habe nie verstehen können, dass sein Bruder für seine Zuschauer das Wort „Community“ (Gemeinschaft) benutzte. „Ich sagte immer: ,Wenn du sterben solltest, würden sie es nicht erfahren, bis es zu spät ist, zur Beerdigung zu kommen. Was für eine Gemeinschaft kann das schon sein?‘“ Im Nachhinein muss Blevins sich korrigieren. Als er selbst mit dem Streamen begann, merkte er schnell, dass zwischen ihm und seinen Zuschauern eine echte Gemeinschaft entstand. Denn er lernte sie mit ihren echten Namen, ihren Familien und Problemen kennen.

Deshalb hoffen Blevins und seine Kollegen, ihre Inhalte auf echte Evangelisation auszuweiten– auf Katechesen und detaillierte, tiefgehende Lernmöglichkeiten für Katholiken: „Wenn jemand wirklich konvertieren will und zu seiner Gemeinde geht, aber da nichts los ist, dann können wir sie vielleicht wenigstens online unterstützen.“

Die Kirche sollte die Chancen online nutzen

Dabei sei die Gemeinschaft in Person laut Blevins immer wichtiger: „Müsste ich wählen, ob ich mit einem Freund online telefoniere oder persönlich ein Bier mit ihm trinke, würde die Wahl immer zugunsten des Bieres ausfallen“, meint er.

Doch für die Kirche sieht Blevins darin eine hervorragende Perspektive, die sie sich nicht entgehen lassen dürfe: „Wir wissen jetzt, dass wir online einladende, schöne katholische Gemeinschaften aufbauen können, die Menschen motivieren können, sich lokal zu engagieren, die Werke des Glaubens tun, den Armen helfen, den Hungrigen zu essen geben. Wir müssen diese Chance endlich wahrnehmen.“

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Sally-Jo Durney Evangelisierung und Evangelisation Jesus Christus Katholikinnen und Katholiken

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