Würzburg

Medien: V wie Vlog

Evangelisation und Predigt durch Videos: Auch im christlichen Bereich gibt es einige Vlogger.
Vlog - Wie ein Blog vor der Kamera
Foto: Adobe Stock | Wie ein Blog vor der Kamera: Vlogger transportieren ihre Botschaft durch Videos. Eine durchaus aufwändige Angelegenheit.

Was ein Vlog ist, liegt auf der Hand: ein Blog (also ein Internet-Tagebuch) in Gestalt von Videos, ein „Videoblog“. So weit, so bekannt. Auch, dass Vlogs eher subjektive Kommentierungen medial relevanter Ereignisse vornehmen, und damit tendenziell eine Relevanz zweiter Ordnung herausbilden, ist keine neue Erkenntnis. Neu ist dagegen, dass Vlogs (wie auch Blogs in Textform) zunehmend Anerkennung als eigenes journalistisches Format erlangen.

Vlogs (oft als YouTube-Kanal betrieben) werden dabei immer beliebter, denn die lesefaule Zielgruppe der Medienkonsumenten im Internet ist eher geneigt, anderen beim Reden zuzuschauen als lange Texte zu lesen. Allerdings ist damit für den Produzenten ein etwas größerer Aufwand verbunden: Für einen Vlog müssen nicht nur Filme hergestellt werden, diese müssen auch – um sie für Hyperlinks und insbesondere für Web-Feeds zugänglich zu machen – textbasiert dokumentiert werden. Ohne diese Zusatzleistung werden auch die besten Vlogs im Überangebot von Plattformen wie YouTube untergehen. Das wäre schade, vor allem bei christlichen Vlogs. Dass Frauen und Männer der Kirche den Aufwand eines Video-Tagebuchs nicht scheuen, ist besonders hervorzuheben.

Evangelisation auf YouTube

Ein bekanntes Beispiel ist Johannes Maria Schwarz. Er hat in mehreren Vlogs Evangelisierungsprojekte realisiert. Nach der populären 24 Episoden umfassenden Katechesereihe „Mein Gott und Walter“ sowie der 72-teiligen Cartoonreihe „3 Minute Catechism“ ist der Priester regelmäßig mit „Hermit & Hog“ – Geschichten aus der Einsiedelei Sant'Onofrio in den Alpen – auf YouTube zu sehen. Mit kessen Episodentiteln („Über die Religiosität von Hirschkühen“) und witzigen Dialogen zwischen dem Pater und einer Trickfigur namens „Heinrich“ geht es auf eine atemberaubende Reise über die Via Alpina Sacra, „ein 4 300 Kilometer langer Pilgerweg durch acht Länder und den gesamten Alpenbogen zu den höchsten, schönsten, ältesten, interessantesten Kapellen, Kirchen, Klöstern, Heiligtümern und Wallfahrtsorten“. Entlang der Stationen des Wegs stellt Pater Johannes Maria Schwarz Glaubensfragen, die er ebenso tempo- wie einfallsreich beantwortet.

Da hingehen, wo die Menschen sind

Ein anderer christlicher Vlogger ist der evangelische Pastor Gunnar Engel. Dessen lebendige Predigten begeistern auf YouTube Tausende von Usern. Dafür wurde er im November 2019 mit dem christlichen Medienpreis „Goldener Kompass“ ausgezeichnet – Wertschätzung für zeitgemäße Mission. Dafür sucht der lutherische Pastor den Schulterschluss mit der Zielgruppe – junge, nach Sinn und Orientierung suchende Menschen: „Auf diesem Kanal findest du Videos und Impulse, die dir dabei helfen, die nächsten Schritte auf deinem Glaubensweg zu tun“, so die Selbstbeschreibung des Vlogs. Pastor Gunnar Engel brenne dafür, „dass Menschen Jesus und seine Liebe kennenlernen“. Sein Ziel sei es, „die Faszination und Schönheit Gottes immer wieder neu zu entdecken, in ihr zu leben und sie mit anderen Menschen zu teilen“. Zunächst also im Vlog.

Die christlichen Vlogger beider Konfession machen deutlich, dass Evangelisation heute nur gelingen kann, wenn sie dahin geht, wo die Menschen sind (und das ist zunehmend die Online-Welt zwischen Kommentarspalten, Fotos und Videos), wenn sie sich in Sprache und Stil anpasst (nicht jedoch im Inhalt), wenn sie die Eigengesetzlichkeit des Mediums berücksichtigt (und nicht etwa meint, das Medium müsse sich der Kirche anpassen). Denn auf die Form kommt es letztlich nicht an – Hauptsache, die Botschaft stimmt. Zumindest bei christlichen Vloggern ist das zumeist der Fall.

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