Kinderkatechese

„Youcat for Kids“: Katechese mit Lilly und Bob

Bernhard Meuser, der Initiator des YOUCAT, stellt den Familienkatechismus „Youcat for Kids“ vor.
Der neue YouCat für Kinder beantwortet Fragen über die Gott und die Welt mit den Protagonisten Lilly und Bob.
Foto: Youcat | Der neue YouCat für Kinder beantwortet Fragen über die Gott und die Welt mit den Protagonisten Lilly und Bob.

Herr Meuser, wer sind denn Lilly und Bob? 


Lilly und Bob sind zwei lustige Kinder, die durch den Kinder- und Elternkatechismus der katholischen Kirche tanzen und allerhand sinnvollen Unfug treiben. 


Sinnvollen Unfug? 


Ja, Lilly und Bob halten zum Beispiel eine gigantische Maschine an. Das ist ein höchst sinnvoller Unfug, denn es gibt das Sonntagsgebot und am Sonntag haben sich die Menschen nun einmal Ruhe verdient. Oder Lilly und Bob stehen an der Kirchensäule: Bob hängt am Smartphone ab und Lilly lutscht begeistert am Lolly. Da kann man gut ins Gespräch kommen über das Thema Ehrfurcht und warum man in einem Gotteshaus anders sein sollte als auf der Straße. 


Wie kommt man denn auf die Idee, einen Kinderkatechismus zu machen? 


Es lag in der Luft. Als der Jugendkatechismus 2011 als Weltbestseller durchstartete, kamen immer mehr Leute, die einen noch einfacheren Katechismus wollten, einen für Kinder im Erstkommunionalter. Die Initialzündung kam durch eine Begegnung mit dem Wiener Kinderseelsorger Michael Scharf. „Ja, wer konnte denn noch mitmachen?“ Ich weiß noch, wie sich schließlich eine Runde von interessierten Leuten – Eltern, Pädagogen, Theologen  – in einem Salzburger Gasthaus traf. Richtig Dynamik kam in die Sache, als auch YOUCAT- Autorin Michaela von Heereman ihre Bereitschaft zur Mitarbeit erklärte. Ihre Qualifikation als Theologin und ihr leidenschaftliches Engagement in der Weitergabe des Glaubens brachten Fahrt in die Geschichte.

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Wie lange haben Sie an dem YOUCAT for Kids gearbeitet?


 Alles in allem fast fünf Jahre. Ich war früher Verleger, habe viele, viele Bücher auf den Weg gebracht, auch selbst ein paar geschrieben. Aber Katechismus ist eine ganz andere Liga. Je einfacher man die Geheimnisse des Glaubens darlegen muss, desto schwieriger wird es. Du hast eine Frage – und dann geht es nicht darum, eine geniale, kreative Antwort zu finden. Sondern es geht darum, den gemeinsamen Glauben der Kirche zum Ausdruck zu bringen. Also haben wir uns gesagt: Wir sortieren jetzt mal die 150 großen Fragen aus – und dann geben wir eine kollektive Antwort darauf. „Community writing“ nennt man das. Immer wieder kamen wir tageweise zusammen und kämpften uns voran. Und dann haben Kinder das gelesen – wir bekamen Feedback. Noch einmal ran! Dann kamen Gutachter und wiesen uns auf blinde Flecken hin. Noch einmal ran! Und dann mussten die Filterprozesse bei der Bischofskonferenz und bei den Instanzen im Vatikan durchlaufen werden. Am Ende waren unsere Laptops voll von Varianten, bis sich das durchsetzte, was jetzt „YOUCAT for Kids“ heißt. 


„YOUCAT for Kids“ ist ein Katechismus für Kinder und ihre Eltern. Was haben denn die Eltern davon? 


Ich weiß noch, als unsere Kinder klein waren, da machten wir uns große Sorgen: Was wird denn aus ihnen? Die Welt ist zu einem unsicheren Ort geworden. Es gibt viele, die abstürzen, ihr Leben verfehlen. Was können wir ihnen mitgeben? Wir fragten uns, was das Wichtigste ist. Und wir fanden heraus: Das Wichtigste ist der Glaube an Gott, der uns vorbehaltlos liebt und auch dann noch da ist, wenn alle menschlichen Träume platzen. Wenn meine Frau und ich damals ein Buch wie „YOUCAT for Kids“ gehabt hätten – einen verlässlichen Reiseführer in die wunderbare Welt Gottes, ein Buch, das uns Schritt für Schritt begleitet hätte, wir wären glücklich gewesen. 


Der Katechismus ist im Frage-Antwort-Schema aufgebaut. Können Kinder denn damit etwas anfangen? 

Wenn Kinder etwas tun, dann Fragen stellen. Eltern können ein Lied davon singen, dass Kinder ihnen ein Loch in den Bauch fragen können. 

Aber doch keine religiösen Fragen! 


Wirklich nicht? Ich habe das anders erlebt. „Papa, wer hat die Welt gemacht?“, „Papa, wo kommt die Omi denn hin, wenn sie stirbt?“, „Papa, warum sollen wir denn den Mund halten, wenn wir in der Kirche sind?“, „Papa, hört Gott das, wenn wir zu ihm beten?“, „Papa, wie kommt denn der Jesus in das kleine Stück Brot?“, „Papa, was ist eine Sünde?“, „Papa, wie sieht der Himmel aus?“, „Papa, hat der Liebe Gott auch den Hitler lieb?“ Meine Erfahrung ist: Kinder sind natürliche Philosophen. Sie fragen hartnäckig und in unverstellter Perspektive. Sie sind – wie man heute so schön auf Denglisch sagt – eine Dauer-„Challenge“ für die Eltern. Manchmal bin ich aus dem Kinderzimmer gegangen und hatte ein schlechtes Gewissen: Hätte ich jetzt mal eine bessere Antwort gewusst ... 

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Im Katechismus stehen aber auch Fragen, auf die ein Kind im Leben nicht kommt – oder? 


Ja. Wenn zum Beispiel nach der Trinität, dem einen Gott in drei Personen gefragt wird, dann kommt das gewiss nicht aus dem Kinderzimmer. Dann will die Kirche, dass wir uns mit einer bestimmten Frage auseinandersetzen, weil es ihr eminent wichtig erscheint, dass wir einmal unsere kleinen grauen Gehirnzellen strapazieren. Ich vergleiche das immer mit der Physik. Wenn man nur von den gerade akuten Fragen der Kinder ausgeht, ist man nach neun Jahren noch nicht beim Gesetz von der Schwerkraft. Aber wenn man es kennt, macht man einen Quantensprung und kommt auf eine Ebene, auf der die interessanten Fragen erst kommen.


Wie sollen Eltern und Kinder denn das Buch benutzen? 


Erster Tipp: Liegenlassen. An prominenter Stelle. Im Wohnzimmer. In der kuscheligsten Ecke. Der YOUCAT for Kids ist so gemacht, dass er Kinder fasziniert. Es gibt was zu lachen, zu rätseln, zu deuten. Sie müssen damit rechnen, dass das Kind zu Ihnen kommt und fragt: „He, Mama, guck mal, wie die Welt entstanden ist ...“ Zweiter Tipp: Nehmen Sie das Buch in den Urlaub mit. Es bietet eine geniale gemeinsame Strandkorblektüre! Dritter Tipp: Haben Sie das Buch zur Hand, wenn Sie das Kind zu Bett bringen und eine Viertelstunde Zeit haben. Ich hätte noch ein paar Tipps, aber neugieriger bin ich auf die Tipps, die uns Eltern aus aller Welt in den nächsten Jahren zuschicken werden. 

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