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Bischof Barron: „Echter Fortschritt braucht Gott“

Die Suche der menschlichen Seele nach Unendlichkeit sei es, die den Menschen zu immer größeren Leistungen ansporne: Der bekannte Medienbischof aus den USA sprach auf der ARC-Konferenz in London.
Bischof Robert Barron bei seinem Vortrag auf der ARC-Konferenz.
Foto: IMAGO/Andrew Parsons / Parsons Media (www.imago-images.de) | Gesellschaften, die Gott ausklammerten oder vergaßen, neigten dazu, in sich zusammenzufallen, so Bischof Robert Barron in seinem Vortrag auf der ARC-Konferenz.

Warum die Geschichte der westlichen Zivilisation nicht ohne Gottesbezug erzählt werden kann: Zum zweiten Mal sprach Bischof Robert Barron diese Woche bei der „Alliance for Responsible Citizenship“ (ARC). Die konservativ-liberale Weltkonferenz fand vom 17. bis 19. Februar im ExCeL London statt und versammelte rund 4.000 Teilnehmer aus 96 Ländern. Von Persönlichkeiten wie dem kanadischen Psychologen Jordan Peterson und der britischen Politikerin Baroness Philippa Stroud ins Leben gerufen, hat sich ARC eine Erneuerung der europäischen Zivilisation auf Grundlage des christlichen Menschenbildes und des Freiheitsgedankens auf die Fahnen geschrieben.

Die Seele sucht das Unendliche

„Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass es keine echte politische und wirtschaftliche Entwicklung ohne Bezugnahme auf das ,summum bonum‘, das höchste Gut, geben kann“, leitete Bischof Robert Barron seine Ansprache ein. Gesellschaften, die Gott ausklammerten oder vergaßen, neigten dazu, in sich zusammenzufallen. „Wenn wir echten Fortschritt wollen, und nicht nur oberflächlichen, müssen wir uns auf Gott beziehen“, so der Gründer der katholischen Medienorganisation „Word on Fire“ und derzeitiger Bischof der Diözese Winona-Rochester in Minnesota.

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Der Bischof begründete seine These mit der Struktur des menschlichen Bewusstseins: Die menschliche Seele sei auf das Unendliche ausgerichtet und strebe nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Schönheit. Doch wenn dieser natürliche Drang nicht auf Gott gerichtet werde, komme die Seele – oder auch eine ganze Kultur – zum Erstarren und letztlich zum Zerfall. Als Bild für eine solche Erstarrung nannte er die Darstellung Satans in Dantes „Göttlicher Komödie“, der nicht von Flammen umgeben sei, sondern im Eis seiner eigenen Selbstbezogenheit und seines Grolls feststecke: Satans Flügel schlagen weiter, denn sie sind zum Fliegen bestimmt. Da er aber gefangen ist und nicht mehr fliegen kann, machen seine Flügel nur die Hölle noch kälter.

„Alles und jeder steht unter dem Urteil Gottes“

Diese ruhelose Suche der Seele nach dem Unendlichen, nach der absoluten Wahrheit, Güte und Schönheit finde sich nicht erst in der Bibel, sondern bereits bei Platon. In Hinblick auf die Themen Regierung und Gesellschaft folgen für Bischof Barron aus diesen Überlegungen zwei Konsequenzen: „Wenn man ein feines Gespür für das unendliche, bedingungslose Gute, für bedingungslose Gerechtigkeit, für Gott hat, dann steht alles, wirklich alles in dieser Welt, alle unsere Errungenschaften, unter Gottes Urteil.“ Im Gegensatz zu vielen antiken Kulturen vergöttere die Bibel daher politische Führer nicht, sondern weise mit unerbittlicher moralischer Klarheit auf deren Fehler und Schwächen hin. „Alles und jeder steht unter dem Urteil Gottes. Diese Haltung schütze Gesellschaften vor Selbstherrlichkeit und Totalitarismus.

Positiv gesprochen bedeute die Ausrichtung der Seele an Gott einen Ansporn zu immer größeren Leistungen der Gerechtigkeit, Schönheit, Wahrheit und Wissenschaft. „Stellen Sie sich diese heilige Sehnsucht nach Gott wie den Reizstoff in der Auster vor, um den herum die Perle entsteht. Da wir wissen, dass nichts in dieser Welt jemals das Unendliche erreicht, streben wir immer weiter nach oben, nach vorne, nach mehr.“ 

Gott ist der „Schlüssel für das Gedeihen unserer Gesellschaft“

Die größten kulturellen und wissenschaftlichen Errungenschaften seien oft von Menschen mit tiefem Glauben angetrieben worden – von Kopernikus über Newton bis hin zu Bach und Teresa von Kalkutta. Der Bezug auf das Unendliche sporne dazu an, immer weiter nach Höherem zu streben. „Glauben Sie nicht der modernen Lüge, dass der Glaube an Gott den Geist fesselt. Das Gegenteil ist der Fall“, so Bischof Barron, der großen Applaus aus dem Publikum erntete.

Zum Abschluss erinnerte er an ein historisches Ereignis: den Besuch von Papst Johannes Paul II. in Warschau im Jahr 1979. Damals hätten eine Million Menschen auf den Straßen gerufen: „Wir wollen Gott!“ – ein Ereignis, das den Anfang vom Ende des Sowjetreichs markiert habe. In diesem Ruf sieht der Bischof eine Sehnsucht, die auch heute von vielen – insbesondere jungen Menschen – geteilt werde. Ihr Wunsch nach einer tieferen Wahrheit zeige, dass der Glaube an Gott nicht nur der Schlüssel für persönliche Erfüllung, sondern auch der für das Gedeihen unserer Gesellschaft sei.  DT/fha

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