Nach "Traditionis custodes"

„Viele Gläubige werden zur Piusbruderschaft abwandern“

„Traditionis custodes“ hat die französischen Bischöfe in eine unangenehme Lage gebracht, meint ein Pariser Diözesanpriester. Und warnt vor neuen liturgischen Auseinandersetzungen.
Ein Jahr nach "Traditionis custodes"
Foto: (KNA) | „Traditionis Custodes“ habe die französischen Bischöfe in eine unangenehme Lage gebracht, da ihnen einerseits die Autorität über die Liturgie ihrer Diözese zurückgegeben werden solle, sie aber andererseits zu ...

Im Interview mit der „Tagespost“ spricht der Pariser Diözesanpriester Éric Iborra über die Vorteile von Diözesanpfarreien, in denen die heilige Messe in beiden Formen des römischen Ritus zelebriert wird. Abbé Iborra ist Pfarrvikar der Pfarrei Saint-Roch in der Pariser Innenstadt. Dort wird die heilige Messe seit 1984 in der ordentlichen und der außerordentlichen Form zelebriert. 

Beide Formen parallel bauen Spannungen ab

Kardinal Lustiger, der von 1981 bis 2005 Erzbischof von Paris war, habe die Feier der heiligen Messe in der außerordentlichen Form in die Hände von Diözesanpriestern gelegt, um auf diese Weise die innere Einheit seines Bistums zu befördern. Tatsächlich habe dies dazu beigetragen, Spannungen abzubauen und das Verständnis von traditionellen Katholiken und Katholiken, die die neue Form bevorzugen, zu fördern, beobachtet Abbé Iborra: „Die Gläubigen lernen sich innerhalb ein und derselben Pfarrei kennen und schätzen, denn es gibt viele gemeinsame Aktivitäten außerhalb der Messfeier. Viele Gläubige gehen mit der Zeit dazu über, auch die Messe in der jeweils anderen Form zu besuchen.“ Die alte Form des römischen Ritus habe eine echte missionarische Dimension und ziehe nach wie vor viele Menschen an, besonders auch junge Gläubige. Iborra erzählt, dass er selbst die außerordentliche Form erst kennengelernt habe, als ihn sein Bischof dazu beauftragte, die heilige Messe in beiden Formen zu feiern.

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„Traditionis Custodes“ habe die französischen Bischöfe in eine unangenehme Lage gebracht, da ihnen einerseits die Autorität über die Liturgie ihrer Diözese zurückgegeben werden solle, sie aber andererseits zu Restriktionen gegenüber der alten Form gedrängt würden, so Iborra. Die eigentlichen Opfer des Motu Proprio seien dabei gerade diejenigen, die auf eine Einheit der Gläubigen hinarbeiten: „Tatsächlich sind die Opfer von „Traditionis Custodes“ also gerade die Priester, die die heilige Messe in beiden Formen zelebrieren möchten. Dabei sind diese Priester der beste Faktor für die Einheit der Gläubigen beider Formen. Denn ein Priester, der die heilige Messe auch in der außerordentlichen Form zelebriert, feiert die neue Form in anderer Weise“, so der Diözesanpriester.

Kreative Lösungen gesucht

Seit dem Motu Proprio bemüht sich die Pfarrei Saint Roch um kreative Lösungen für die Feier der anderen Sakramente neben der Eucharistiefeier. „Für die Firmung bemühen wir uns, eine Delegierung seitens unseres neuen Erzbischofs Laurent Ulrich zu erreichen. Wir planen, die Firmung in der neuen Form auf Latein innerhalb einer Messe in der außerordentlichen Form durchzuführen. Unsere Firmlinge sind mit dieser Lösung einverstanden. Das zeigt übrigens auch, dass unsere „Tradis“ keine Hardliner sind“, zeigt er sich optimistisch.

Gleichzeitig befürchtet Iborra den Anbruch von neuen liturgischen Auseinandersetzungen: „Viele Gläubige werden zur Piusbruderschaft abwandern. Diejenigen, die versuchen, die Einheit der beiden Formen zu leben, werden früher oder später ihr „Lager“ wählen müssen. Es werden also gerade diejenigen bestraft werden, die eine Annäherung der beiden Formen und ihre gegenseitige Bereicherung suchen“, bedauert er.  DT/fha 

Lesen Sie das ausführliche Interview in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

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