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„Fiducia supplicans“: Das Brüllen des afrikanischen Löwen

Die Katholiken Afrikas emanzipieren sich: Sie sind nicht bereit, dem Westen in allen kirchlichen Belangen zu folgen und pochen auf den Erhalt des christlichen Erbes.
Ein brüllender Löw
Foto: via imago-images.de (www.imago-images.de) | Afrika hat die Zurückhaltung gegenüber dem Westen abgelegt und erhebt die Stimme für den Glauben.

Während seines Studiums unter Albert dem Großen in Köln soll Thomas von Aquino von seinen Kommilitonen den Spitznamen „der stumme Ochse“ erhalten haben. Allzu schweigsam muss der mit einem ungewöhnlich wuchtigen Leib ausgestattete Thomas gewesen sein. Albert aber meinte: „Wir nennen ihn den stummen Ochsen, aber das Brüllen seiner Lehre wird in der ganzen Welt widerhallen!“

Warnung vor der Verwässerung des Glaubens

Dieser Tage ist wieder ein heiliges Brüllen in der katholischen Welt zu vernehmen. Allerdings stammt es nicht von einem einzigen Gelehrten, sondern von einem ganzen Kontinent: Der afrikanische Löwe ruft dem Westen lautstark entgegen, was er von der Verwässerung der überlieferten kirchlichen Lehre hält. Anlass für den nicht verstummenden Widerspruch ist das von Kardinal Víctor Manuel Fernández erlassene Dokument „Fiducia supplicans“. Darin wird versucht, eine neue Art „Segen light“ zu definieren, der auch solchen Paaren gespendet werden können soll, die in irregulären Verhältnissen, homosexuelle Partnerschaft eingeschlossen, leben.

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Bereits Anfang Januar hatte sich Kardinal Fridolin Ambongo Besungu, der Vorsitzende des Symposiums der Bischofskonferenzen von Afrika und Madagaskar, mit deutlicher Ablehnung zu Wort gemeldet: Die afrikanischen Bischöfe stünden in Einheit mit dem Papst, aber ein Dokument, das pastorale Verwirrung stifte und theologische Irrtümer begünstige, könne nicht akzeptiert werden.

Afrika als Hüterin des christlichen Erbes

Nun hat Kardinal Besungo, der zugleich Erzbischof von Kinshasa ist, in einem Interview mit dem französischen katholischen Fernsehsender KTO erneut zu „Fiducia supplicans“ Stellung bezogen. Dabei erneuerte er auch seine bereits früher geäußerte Kritik am katastrophalen Zustand des Westens. Der Kardinal nahm kein Blatt vor den Mund: Aus afrikanischer Sicht drohe der Westen genau jene christlichen Werte und Botschaften des Evangeliums zu verlieren, die er Afrika im Zuge der Kolonisation überbracht habe und an die die Afrikaner heute glaubten. Der Westen drohe zu verschwinden, weil er seine eigene Kultur – vor allem mit Blick auf die Familie und die Rolle der Geschlechter – in Frage stelle.

Die Zeiten, in denen man es sich als westlicher Katholik hätte leisten können, eine solche Fundamentalkritik zu ignorieren, bloß weil sie aus Afrika kommt, sind endgültig vorbei. Zu offensichtlich ist es inzwischen, dass Afrika Recht hat: Die Kirche in Europa schrumpft. Die Zahl der Gläubigen geht von Jahr zu Jahr zurück, ebenso sinkt die Zahl der Berufungen. Ganz anders dagegen ist die Situation auf dem Schwarzen Kontinent, der seit Jahren den weltweit stärksten Zuwachs an Gläubigen und Priestern verzeichnen darf. Es ist also höchste Zeit, dass sich Europa vom frommen Gebrüll des afrikanischen Löwen aus seiner tödlichen Lethargie wecken lässt.

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