Die deutschen Bischöfe wollen in Rom eine Erlaubnis für Laienpredigten in der heiligen Messe erwirken. Doch der Vorstoß steht auf unsicherem Fundament. Nicht nur der entsprechende Beschluss des Synodalen Weges von 2023 wurde vom Vatikan abgelehnt. Schon ein ähnlicher Versuch nach der Würzburger Synode in den 1970er Jahren blieb erfolglos. Warum wird dennoch immer wieder versucht, eine Öffnung der Homilie für Laien zu erreichen?
Im Rahmen des Synodalen Wegs fordern einige Bischöfe und Laien keine bloße Ausnahme, sondern eine neue Regel: eine sogenannte Partikularnorm. Anders als ein Indult, eine zeitlich begrenzte Sondererlaubnis, würde sie dauerhaft für die katholische Kirche in Deutschland gelten. Laien könnten dann offiziell regelmäßig in der Messe predigen.
Homilie in der Messe ist geweihten Amtsträgern vorbehalten
Dabei ist die Rechtslage eindeutig: Die Homilie in der Messe ist geweihten Amtsträgern vorbehalten (can. 767 § 1 des Codex Iuris Canonici). Dies bekräftigt auch die vatikanische Instruktion „Redemptionis Sacramentum“ (2004). Der Kirchenrechtler Stefan Mückl erinnert im Gespräch mit dieser Zeitung daran, dass eine authentische Interpretation des Päpstlichen Rates für die Gesetzestexte vom 20. Juni 1987 sogar feststellte, dass nicht einmal ein Diözesanbischof von dieser Regel dispensieren kann. „Sie gilt weltweit und ausnahmslos.“
Auch Christoph Ohly, Rektor der Katholischen Hochschule für Katholische Theologie in Köln (KHKT) verweist gegenüber der „Tagespost“ auf die Rechtslage, die in jüngster Zeit durch Kardinal Mario Grech, Generalsekretär der weltweiten Bischofssynode, und Kardinal Arthur Roche, Präfekt des Dikasteriums für die Gottesdienst- und Sakramentenordnung, bekräftigt worden sei: Die Predigt in der Eucharistiefeier ist eine besondere Pflicht der Geistlichen und ihnen vorbehalten. Der Priester sei nicht nur Vorsteher des Kultes, sondern auch Diener des Wortes Gottes. Dies bedeute jedoch nicht, dass Laien grundsätzlich nicht predigen dürften. „Verboten ist die Laienpredigt nur in der Eucharistiefeier“, stellt Ohly klar.
Historisch gewachsene Ordnung
Diese Ordnung ist nicht zufällig, sondern historisch gewachsen. In der antiken Stadtkirche war zunächst der Bischof der eigentliche Prediger. In seiner Gegenwart predigte niemand sonst. Bischofsamt und Predigt gehörten eng zusammen. Papst Leo der Große (Leo I.) verfügte im 5. Jahrhundert, dass außer dem Priester niemand predigen dürfe, weil der Predigtdienst an das Weiheamt gebunden sei. Daraus entwickelte sich die Praxis, dass Priester kraft ihres Ordo am Predigtdienst des Bischofs Anteil haben.
Im Mittelalter wurde deshalb ein ausdrückliches Verbot der Laienpredigt formuliert, das sich bis in das kirchliche Gesetzbuch von 1917 fortsetzte. Die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils knüpfte daran an und verstand die Predigt ausdrücklich als Teil des Hirtendienstes von Bischof und Priester, zugleich ermöglichte sie wie auch die nachkonziliare Gesetzgebung unter bestimmten Umständen Predigten von Laien außerhalb der Eucharistiefeier und erinnerte an den Missionsauftrag eines jeden Christen.
Laien können „nicht die Homilie ersetzen"
Der Ruf zur Verkündigung gelte für jeden Getauften und Gefirmten, aber „jeder tue dies gemäß seiner eigenen Stellung“, betont Ohly. Laien könnten zu Beginn, am Ende der heiligen Messe oder auch nach der Predigt ein Zeugnis oder einen Impuls geben, „sie können aber nicht die Homilie ersetzen“.
Franz-Josef Roth, Pastoralreferent in Dinslaken im Bistum Münster, sieht das ähnlich. Gegenüber der „Tagespost" sagte er: „Meiner Meinung nach liegt die Chance der Laienverkündigung in Wortgottesdiensten, Andachten usw., mehr aber noch in katechetischen Formaten." Hierfür gelte es eine Kultur und Formen zu entwickeln, die auf die Eucharistie hinführen. „Aus meiner Sicht ist dieser Dienst besonders wertvoll, bereitet er die Gläubigen doch auf die liturgische Hochform vor und fördert dessen Verständnis" - eine Perspektive, die, so vermutet Roth, „bei nicht wenigen Gemeinde- und Pastoralreferenten so nicht gesehen wird“.
Seine Sorge sei es, dass mit der Laienpredigt in der heiligen Messe „die sakramentale Zeichenhaftigkeit, die mit der Rolle des Priesters in der Eucharistie verbunden ist, noch mehr aus dem Blickfeld gerät" und die Einheit von Eucharistie und Verkündigung verstellt würde. Es stehe außer Frage: Laien könnten predigen und seien hervorragende Theologen. Es sei aber wichtig, „dass der Hauptzelebrant auch die Predigt hält, damit das Handeln in persona christi wieder deutlicher aufstrahlt".
Sind Laien die besseren Prediger?
Als Argument für Laienpredigten in der Eucharistiefeier wird häufig der Priestermangel angeführt oder die Annahme, Laien könnten besser predigen. Die Zahlen zeigen jedoch, dass der Priestermangel nicht unmittelbar die Predigt betrifft. Nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gibt es in Deutschland rund 12.000 Priester, davon 7.000 bis 8.000 im aktiven pastoralen Dienst. In rund 9.000 katholischen Pfarreien werden jedes Wochenende bis zu 25.000 Messen gehalten. Ein Priester feiert also im Schnitt pro Wochenende mehrere heilige Messen.
Was die Qualität von Predigten betrifft, mag im Einzelfall zutreffen, dass Laien rhetorisch überzeugender sprechen als manche Priester. Dies ändert aber nichts daran, dass die Predigt in der Eucharistiefeier unmittelbar an das Evangelium gebunden und Ausdruck des geweihten Lehramtes ist. Sie ist in der katholischen Liturgie zudem mehr als ein gut strukturierter Vortrag, nämlich eine Auslegung beispielsweise des Evangeliums im Kontext der Eucharistie. Entscheidend sei zudem, so Ohly, weniger die Öffnung der Homilie für Laien als vielmehr eine bessere Aus- und Fortbildung im Predigtdienst.
Predigt wird im Ausland als Glaubenszeugnis verstanden
Der Kirchenrechtler verweist zudem darauf, dass Predigt in vielen Ländern als persönliches Glaubenszeugnis verstanden wird. Der Priester spreche gewissermaßen wie innerhalb einer Familie zu den Gläubigen, wenn er das Evangelium auslege und auf persönliche Weise erkläre, „wie das Wort Gottes in sein eigenes Leben hineinwirkt“. Das sei in Deutschland seiner Einschätzung nach eher weniger üblich, bedauert Ohly.
Möglicherweise erklärt gerade ein Bedürfnis nach persönlichem Glaubenszeugnis auch, warum manche Laien den Wunsch äußern, selbst predigen zu dürfen. Nach Einschätzung Ohlys könnte zudem eine Rolle spielen, dass die Eucharistiefeier für viele Gläubige der zentrale, besonders gut besuchte Versammlungsort der Gemeinde sei.
Welche pastoralen oder theologischen Probleme eine Partikularnorm tatsächlich lösen soll, bleibt allerdings unklar. Möglicherweise geht es um eine symbolische Aufwertung ihres Dienstes, um Anerkennung oder die Erlaubnis einer in vielen Gemeinden bereits etablierten Praxis. Eine Erlaubnis von Laienpredigten garantiert jedenfalls nicht automatisch eine Stärkung des kirchlichen Lebens. Darauf weist auch Roth hin: „Aus meiner Praxis weiß ich, dass sich die Ablösung der Sakramentalität von einer Funktionalität mit dem Motto „Wer es kann, darf es machen" gravierend auf den Glauben der Menschen auswirkt."
Laienpredigt ist vor allem deutsche Forderung
Sowohl Ohly als auch Mückl können sich nicht vorstellen, dass Deutschland die geforderte Erlaubnis auf Grundlage einer Partikularnorm bekommt. Es sei schwer zu erkennen, sagt Mückl, „warum jetzt ausgerechnet die Deutschen eine Partikularnorm bekommen sollten“. Im gegenteiligen Fall würde, so Ohly, das Recht praktisch aufgeweicht. Es könnte ein Prozess in Gang kommen, in dem sich aus der Ausnahme auch auf weltkirchlicher Ebene eine faktische Norm entwickelt. „Dann würde man kaum noch von einer Ausnahme sprechen können.“
Bislang kommt die Forderung nach einer Öffnung der Homilie für Laien vor allem aus Deutschland. In den meisten Teilen der Weltkirche spielt diese Frage kaum eine Rolle. Eine Sonderregelung nur für Deutschland würde daher zwangsläufig auch die Frage nach der weltkirchlichen Einheit aufwerfen.
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