Gegründet im 11. Jahrhundert und seit 1409 selbstständige Benediktinerabtei, liegt Montserrat zwischen den bizarren Felsnadeln des „zersägten Berges“ – so die wörtliche Bedeutung des Namens. Besondere Verehrung gilt der „Moreneta“, der Schwarzen Madonna, einer romanischen Marienstatue aus dem 12. Jahrhundert. Sie ist Patronin Kataloniens und Ziel unzähliger Pilger. Für viele Katalanen verbindet sich mit ihr nicht nur Frömmigkeit, sondern auch Erinnerung, Sprache und Identität. Berühmt ist zudem die Escolanía de Montserrat, einer der ältesten Knabenchöre Europas, dessen Geschichte bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht.
Nach dem Rosenkranzgebet in Montserrat vertraute Leo XIV. dem mütterlichen Schutz der Moreneta seinen Petrusdienst und die Sendung der Kirche an – in einer Welt, „die nach Gerechtigkeit und Frieden schreit“. Die Mauern des Heiligtums könnten unzählige Geschichten von Frömmigkeit, Dankbarkeit, Hoffnung, aber auch vom Blut erzählen, das aus Liebe zu Christus vergossen worden sei. Montserrat bewahre die Freuden und Leiden vieler Gläubiger und habe zugleich „die himmlischen Stimmen des ältesten Knabenchores Europas“ vernommen. Leo XIV. erinnerte daran, dass er in Trujillo, Perú Pfarrer der Pfarrei Unserer Lieben Frau von Monserrat gewesen sei.
Leo XIV. erinnerte ebenfalls daran, dass Papst Franziskus der Schwarzen Madonna 2023 die Goldene Rose überreicht hatte: Maria sei im Leben jedes Christen von grundlegender Bedeutung. Vor ihr würden „die edelsten Gefühle eines Menschen geweckt“, so Franziskus. Auch beim heiligen Ignatius von Loyola habe Montserrat eine tiefe Bekehrung ausgelöst: Nach einer Nacht des Gebets vor der Jungfrau habe er seine Waffen als Ritter abgelegt und ein neues Leben im Dienst Christi begonnen.
„Was er euch sagt, das tut“
Der Papst lud die Gläubigen ein, Marias Wort von Kana anzunehmen: „Was er euch sagt, das tut.“ Diese Aufforderung sei „ein wahres Programm für das christliche Leben“, denn Maria führe zu Christus, lehre, auf seine Stimme zu hören und sich von ihm verwandeln zu lassen. Wer Maria folge, lasse sein Herz nach den Maßstäben des Evangeliums bilden.
Jesus weise den Weg der Barmherzigkeit, Versöhnung, Wahrheit und Güte. Zugleich entlarve er jene verborgene Gewalt, die sich in Worten und Haltungen verberge: „erniedrigende Kritik, zerstörerische Verurteilung und spaltende Aggressivität“. Solche Gewalt tarne sich oft als Rüstung, mit der Menschen ihre Wunden, Ängste oder erlittenes Unrecht verbergen wollten. Vor der Moreneta, die das wehrlose Kind auf ihrem Schoß zeige, rief der Papst dazu auf, „die Rüstungen“ niederzulegen, die das Herz verhärten.
Das Kind in Marias Armen trage keine Rüstung; später werde Christus „nackt am Kreuz“ sein Leben dem Vater hingeben, um die Menschen mit der „unbewaffneten und entwaffnenden Kraft der Liebe“ zu retten. Deshalb sollten die Gläubigen Maria bitten, sie mit den Waffen Gottes zu rüsten: mit Wahrheit, Gerechtigkeit, Bereitschaft zum Evangelium des Friedens, Glauben, Heil und dem Wort Gottes.
Zum Schluss deutete Leo XIV. die Weltkugel in der Hand der Mutter Gottes als Zeichen ihrer mütterlichen Fürsorge: „Die ganze Welt findet in ihrem Herzen Platz.“ Maria lade dazu ein, sich als Brüder und Schwestern zu erkennen, niemanden auszuschließen und die Gemeinschaft stärker werden zu lassen als jede Spaltung. Als „Königin des Friedens“ solle sie lehren, auf verletzende Worte, voreilige Urteile, Lästereien und Verleumdungen zu verzichten und die Liebe in Familie, Freundschaft, Arbeit, sozialen Netzwerken, Politik und Kirche zu bewahren, „damit der Hass der Hoffnung und dem Frieden weicht“.
Den Traum Gottes träumen
Auf dem Weg zur Abtei Montserrat hatte der Heilige Vater in der Justizvollzugsanstalt „Brians 1“ bei Barcelona Halt gemacht. Zwei Frauen berichteten von ihrem Glaubensweg im Gefängnis. Montse erzählte, sie habe lange versucht, an Gott zu glauben, es aber wegen ihres Leids nicht gekonnt. Besonders der Tod ihres Sohnes habe sie in eine tiefe Auseinandersetzung mit Gott geführt; lange habe sie nicht verstanden, „warum Gott ihn mir nehmen musste“. Erst mit der Zeit sei ihr klar geworden, dass Gott nicht der Urheber ihres Leids sei. Im Gefängnis habe sie die Gnade des Glaubens erbeten und erfahren, wie der Groll wich. Nun hoffe sie, ihren Sohn im Himmel wiederzusehen, und vertraue auf Gottes Pläne.
Auch Josefina schilderte eine von Leid geprüfte Glaubensgeschichte. Sie sei von Kindheit an im christlichen Glauben aufgewachsen, habe die Sakramente empfangen und die Kirche stets als Zuhause und sicheren Ort erlebt. Doch der Unfall ihres Sohnes habe ihren Glauben erschüttert. Sie habe nicht verstanden, warum dieses Unglück geschehen sei, wolle Gott aber dennoch nicht um Erklärungen bitten. Dass ihr Sohn überlebt habe, sehe sie als Wunder und Zeichen Gottes. Im Gefängnis fühle sie sich nicht allein: Jesus gebe ihr Kraft und Leben. Sie vertraue darauf, ihr Leben wieder aufnehmen zu können, und wolle Gott weiterhin danken.
Nach einigen „Schwierigkeiten mit der Technologie“ – Leo XIV. selbst stellte das Mikrofon ein – nannte der Papst die Zeugnisse von Montse und Josefina „sehr aufbauend“. Jeder Mensch sei „würdig“, weil er „von Gott gewollt, geschaffen und geliebt ist“. Keine Situation könne den Herrn dazu bringen, seinen Blick vom Menschen abzuwenden; seine barmherzige Liebe sei immer größer als alles Gute oder Böse, das ein Mensch getan habe. Den Gefangenen, die die Last der Trennung von ihren Angehörigen trügen, rief der Papst zu, in Momenten der Entmutigung die Augen zu Christus zu erheben. „Auch wenn Bedrückung und Traurigkeit manchmal euren Weg prägen, denkt daran, dass die Fehler im Leben nicht die Identität eines Menschen bestimmen.“ Wer auf die göttliche Gnade vertraue, entdecke, dass die Vergangenheit die Zukunft nicht brandmarke, sondern die Möglichkeit eröffne, Entscheidungen und Wege zu ändern.
Leo XIV. lud die Gefangenen ein, „weiterhin den Traum Gottes zu träumen. Jedem von euch sage ich: Gott liebt dich so, wie du bist, aber er träumt von einem besseren Du! Der Herr ermöglicht es uns allen, immer wieder von vorne anzufangen, denn Mensch und Christ zu sein bedeutet nicht, keine Fehler zu machen, sondern in der Fähigkeit zu wachsen, sich zu wandeln, Buße zu tun, sich zu bessern und vor allem, sich zu versöhnen und zu vergeben, sein Angesicht zu suchen und sich von seiner Liebe begleiten zu lassen.“
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