Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Essen

Uta Ranke-Heinemann ist tot

Die Theologin wurde von der ersten Professorin für katholische Theologie zu einer der schärfsten Kirchenkritikerinnen des vergangenen Jahrhunderts. 
Uta RANKE HEINEMANN
Foto: imago stock&people (imago stock&people) | Die Kirchenkritikerin Uta Ranke-Heinemann starb am 25. März 2021.

Uta Ranke-Heinemann war die Tochter des früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann. Sie machte 1945 am Essener Burggymnasium ihr Abitur. Danach studierte sie evangelische Theologie. Im Jahr 1953 konvertierte sie in die katholische Kirche. Im Dezember 1954 heiratete sie ihren ehemaligen Klassenkameraden, den katholischen Religionslehrer Edmund Ranke. Ab 1955 war sie Dozentin am Erzbischöflichen Katechetinnenseminar in Bonn, es folgte 1965 eine Lehrtätigkeit an der Pädagogischen Hochschule in Neuss. Im Jahr 1969 habilitierte sie sich als erste Frau der Welt in katholischer Theologie und wurde darauf im Januar 1970 die erste Professorin in katholischer Theologie. 1980 wurde Ranke-Heinemann nach Auflösung der Pädagogischen Hochschulen in Nordrhein-Westfalen an die Universität Duisburg berufen und 1985 an die Universität Essen, wo sie Neues Testament und Alte Kirchengeschichte lehrte.

Lesen Sie auch:

Konflikt mit dem Lehramt

Nur wenige Jahre später geriet sie in Konflikt mit dem Lehramt der Kirche. Ihre Haltung zur Empfängnisverhütung stieß auf Kritik. Ferner pochte sie auf Abschaffung des Zölibats. Nachdem die Professorin das Dogma der Jungfrauengeburt leugnete, verlor sie 1987 die Lehr- und Prüfungserlaubnis für Katholische Theologie. Danach lehrte sie auf einer staatlichen Professur Religionsgeschichte. Über den kirchlichen Binnenraum hinaus wurde sie mit dem Buch "Eunuchen für das Himmelreich" bekannt, mit dem sie international in an der Spitze der Bestsellerlisten landete. Ranke-Heinemann rechnete darin mit der von ihr scharf kritisierten Sexualmoral der Kirche ab. Das Buch machte sie für viele Jahre zu einem häufig eingeladenen Talkshowgast.

In ihrem Buch „Nein und Amen“, das sie nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2001 umfassend überarbeitete, nahm sie schließlich Abschied vom Christentum. Indem sie in dem Buch wesentliche Glaubensinhalte, so die Göttlichkeit Jesu oder die Dreifaltigkeit Gottes, bestritt und die Erlösungstat Christi als "eine heidnische Menschenopferreligion nach religiösem Steinzeitmuster" bezeichnete, zerschnitt sie jedes Band mit der Kirche, in die sie als junge Frau hinein konvertiert war.

Aussichtslose Kandidatur

Im Jahr 1999 machte sie auf eine andere Weise öffentlich von sich reden, als sie sich von Gregor Gysi zu einer aussichtslosen Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten überreden ließ.

Uta Ranke-Heinemann starb am 25. März 2021 mit 93 Jahren im Kreis ihrer Familie, wie Angehörige der Öffentlichkeit mitteilten.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Peter Winnemöller Evangelische Kirche Gregor Gysi Gustav Heinemann Jesus Christus Katholische Theologie Kirchengeschichte Trinität Zölibat

Weitere Artikel

... und die katholische Kirche ist trotzdem nicht frauenfeindlich! Annemarie Nied erklärt ihren Glauben auf Instagram, um Christus zu verkünden. Entschieden, gebildet und betend.
16.03.2026, 07 Uhr
Elisabeth Hüffer
Weltkirche in Köln, das bietet die KHKT als Hochschule der theologischen Wissenschaft. Sie verhilft angehenden Theologen aus 28 Ländern, ihren Glauben zu verstehen und zu leben.
23.02.2026, 07 Uhr
Elisabeth Hüffer
Vor 50 Jahren trat die Zweite Reform des § 218 StGB in Kraft. Mit ihr gab der Gesetzgeber die Pflicht des Staates, das Leben ungeborener Menschen zu schützen, de facto auf.
22.06.2026, 07 Uhr
Stefan Rehder

Kirche

Thommy Schott ist mehr als ein Anwalt. Der fünffache Familienvater setzt sich mit seinem Verein Pro Fide Ecclesiae auch für seinen Glauben ein.
24.07.2026, 09 Uhr
Regina Einig
Tech-Milliardär Peter Thiel ist fasziniert vom Antichristen und sieht in Papst Benedikt XVI. einen zögerlichen Verbündeten. Was dabei völlig fehlt, ist ein Blick in den Spiegel.
24.07.2026, 13 Uhr
Sebastian Ostritsch
Die Bischöfe stecken in einer lähmenden Doppelbindungssituation zwischen Vorgaben Roms und synodalen Erwartungen in Deutschland. Marx gibt diesen Konflikt an seine Seelsorger weiter.
23.07.2026, 07 Uhr
Benjamin Leven
Sie haben Fragen, er hat es nicht eilig: Nach der Empfehlung des Münchner Erzbischofs zugunsten von Segensfeiern für irreguläre Beziehungen regt sich erstmals Unmut im Klerus.
23.07.2026, 07 Uhr
Jakob Ranke
Die Ruhr-Universität Bochum und die Universität Duisburg-Essen wollen eine gemeinsame Katholisch-Theologische Fakultät gründen. Dabei hat der Vatikan ein Wort mitzureden.
23.07.2026, 15 Uhr
Benjamin Leven