Budapest

Papst: Antisemitismus ist „eine Lunte, die gelöscht werden muss“

Franziskus wirbt vor Vertretern der Ökumene und des Judentums in Budapest für Zusammenarbeit.
Ungarn, Papst Franziskus zu Gast in Budapest
Foto: VATICAN MEDIA /CPP / IPA via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Bei der Begegnung des Papstes mit Vertretern des Ökumenischen Rates der Kirchen sowie der jüdischen Gemeinschaften Ungarns sagte Franziskus, diese Begegnung sei ein Zeichen der großen Sehnsucht nach Einheit.

Unter Ausschluss der Medien traf Papst Franziskus am Sonntagvormittag im Museum der Schönen Künste in Budapest mit Staatspräsident János Ader und Ministerpräsident Viktor Orbán zusammen. Anders als von der ungarischen Regierung zunächst erhofft, hat der Papst seinen Kurzbesuch in Budapest nicht als Staatsbesuch angelegt, sondern als pastoralen Besuch beim achttägigen Internationalen Eucharistischen Kongress (IEC).

Es handelt sich um den insgesamt vierten Papstbesuch in der Geschichte Ungarns: Leo IX. besuchte im Jahr 1052 das Königreich Ungarn. Mehr als neun Jahrhunderte später kam Johannes Paul II. gleich zweimal (1991 und 1996) nach Ungarn.

Erziehung zur Geschwisterlichkeit

Bei der Begegnung des Papstes mit Vertretern des Ökumenischen Rates der Kirchen sowie der jüdischen Gemeinschaften Ungarns sagte Franziskus am Sonntagvormittag, diese Begegnung sei ein Zeichen der großen Sehnsucht nach Einheit. An die Christen unterschiedlicher Konfession gewandt, meinte der Heilige Vater: „Ich segne Eure fortgesetzte Reise hin zur vollen Gemeinschaft“. An die jüdischen Gemeinden gerichtet, sagte der Papst, Juden und Christen würden einander nicht länger als Fremde oder Gegner, sondern als Freunde, ja als Brüder und Schwestern betrachten. Dieser von Gott gesegnete Perspektivenwechsel mache neue Anfänge möglich.

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„Gott hegt immer Pläne des Heils, nie des Unheils“, so Franziskus, der sich gegen „Versuche, die anderen zu absorbieren“ oder zu ghettoisieren wandte. Alle müssten sich um eine „Erziehung zur Geschwisterlichkeit bemühen“. Die Bedrohung des Antisemitismus sei eine „Lunte, die gelöscht werden muss“. Der beste Weg hierbei sein, brüderlich zusammenzuarbeiten.

Als Vertreter der Mehrheitsreligion müssten die Christen in Ungarn die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Religionsfreiheit für alle möglich wird. Von den Lippen von Gottesmännern dürften nur Worte der Offenheit und des Friedens kommen, mahnte Papst Franziskus.

Eine Tora-Rolle für den Papst

Ein ungarischer Oberrabbiner sagte in seiner Ansprache an den Papst in Budapest: „In diesem historischen Moment treffen zwei Weltreligionen aufeinander.“ Und weiter: „Wir Juden und Christen wissen, was es heißt, ein Fremder zu sein, verfolgt zu werden, zum Tode verurteilt zu werden.“ Wer aber die Liebe und die Gottesfurcht im Herzen trage, wende sich der Seele des anderen Menschen zu. Heute würden die Kulturen verschmelzen, einander befruchten und veredeln. „Wir haben voneinander gelernt. Wir haben viel getan, um im anderen keinen Fremden, sondern einen Freund und Bruder zu sehen.“

Juden und Christen müssten in gegenseitigem Respekt, menschlichem Verständnis und wahrer Liebe weiterhin zusammenleben. Die jüdischen Gemeinden Ungarns schenkten dem Papst eine Tora-Rolle, die von einer jüdischen Familie gefertigt worden war, welche im Holocaust ermordet wurde.  DT/sba

Lesen Sie eine ausführliche Reportage über den Internationalen Eucharistischen Kongress in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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