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Evangelische Pfarrerin fordert Abschaffung des Sonntagsgottesdienstes

Der Gottesdienst am Sonntag habe an Strahlkraft verloren und sei ein Relikt vergangener Zeiten, findet eine evangelische Pfarrerin aus Hildesheim. Bessere Werbung für die Kirche seien Sofagottesdienste und Bachkantaten.
Evangelische Pafferin gegen Sonntagsgottesdienst
Foto: (www.imago-images.de) | Weniger Zulauf, kaum Relevanz: Warum bietet´n die Kirche überhaupt noch Sonntagsgotetsdoenste an? , fragt sich dieevangelische Pfarrerin Hanna Jacobs aus Hildesheim.

Die evangelische Pfarrerin Hanna Jacobs fordert die Abschaffung des Sonntagsgottesdienstes. Der sei ohnehin Aussterben bedroht. „Es gibt quasi keinen Nachwuchs für das, was immer noch das Kernangebot von Kirche ist“, schreibt die 35-Jährige in der aktuellen Ausgabe der „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“. Es stelle sich daher die Frage, ob man weitermachen solle, bis keiner mehr komme, „oder ob es nicht würdevoller wäre, einen beherzten Schlussstrich zu ziehen und damit Zeit und Energie freizusetzen, die Kirchen so dringend brauchen“.

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Weiter schreibt die Pfarrerin bei der Diakonie in Hildesheim, der Gottesdienst habe an Strahlkraft verloren. Mit dem Sonntagsgottesdienst ließe sich keine Werbung für die Kirche machen, sehr wohl aber „mit Sofagottesdiensten und Bachkantaten“. Der „10-Uhr-Gottesdienst“ sei ein „Relikt vergangener Zeiten“.

Überbleibsel der Lutherzeit

Nicht nur die Uhrzeit sei ein „Überbleibsel der Lutherzeit“ — 10 Uhr sei in der Frühen Neuzeit für Mägde und Knechte ideal gewesen, die das Melken hinter sich und die mittägliche Stallfütterung vor sich hatten — auch die „Vorstellung, dass eine Gemeinschaft sich darüber konstituiert, dass alle, die dazugehören, zur selben Zeit am selben Ort sein müssen“.

An der „Entstehung von politischen Parteien vor über 150 Jahren“ sehe man, dass es möglich sei, „sich im Geiste einer gemeinsamen Idee zugehörig zu fühlen, ohne unbedingt bei regelmäßigen Zusammenkünften auf all diejenigen zu treffen, die auch dazugehören“.

Sonntagsgottesdienst - bloß eine Inszenierung

Es seien zwei Prozent aller Gläubige, überwiegend Alte, die den Sonntagsgottesdienst besuchten, weil dies Tradition sei. Aber „wenn die wenigen viel Einfluss ausüben, nennt man das Oligarchie“. Und überhaupt: Man inszeniere am Sonntagmorgen bloß noch eine Volkskirche, „die es nicht mehr gibt“.

Jacobs nennt das Realitätsverweigerung. Bei den Katholiken sei das nicht anders: Sie seien zwar „eigentlich dazu verpflichtet, am Sonntag an einer Messe teilzunehmen“, aber mehr als 94 Prozent der Katholiken setzten sich über diese Pflicht hinweg, „Tendenz steigend“, so die Pfarrerin.

Aber nicht nur das scheint sie zu der Forderung zu drängen, die Gottesdienste ganz sein zu lassen. Sie kritisiert auch, dass der Ritus Vorrang habe, wenn beispielsweise in zusammengelegten Pfarreien „Kindernachmittag oder das Seniorenfrühstück" wegfallen müssten, damit ein Gottesdienst stattfinden kann. DT/dsc

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