Dem Erscheinen der Enzyklika „Magnifica Humanitas“ mit ihrem Aufruf zur Entwaffnung der Künstlichen Intelligenz hätte auch der Geruch eines frommen Wunsches anhaften können. Nach dem Motto: Der Papst putzt die hehren Grundsätze der katholischen Soziallehre blank, während die Welt nach ihren Regeln lebt. Schon manches Lehrschreiben der Päpste wurde freundlich aufgenommen, aber weggelobt. Auch diesmal hätte es so kommen können, wenn nicht bei der Vorstellung der ersten Enzyklika Papst Leos der junge KI-Pionier Christopher Ohla ein klares Bekenntnis dafür abgelegt hätte, dass es genau solche Stimmen wie ein Wort der Kirche zu brisanten technologischen Entwicklungen braucht. Ohla ist kein bekennender Katholik, vielleicht nicht einmal gläubig, aber er hat ein Gewissen. Und er fragt, ob sich eine künstlich geschaffene Superintelligenz nicht irgendwann gegen den Menschen stellen kann.
Bei Hintergrundgesprächen im Vatikan vor Erscheinen der Enzyklika haben vor allem der irische Kurienbischof Paul Tighe vom Dikasterium für Kultur und Bildung und der in Silicon Valley wirkende Pfarrer Brendan McGuire berichtet, dass man in den letzten zehn Jahren freundschaftliche Kontakte zu führenden Vertretern der KI-Konzerne aufgebaut hat - auch zu Anthropic, dem KI-Konzern, den Christopher Ohla mitgegründet hat. Vor allem mit Anthropic, so sagte Papst Leo am Dienstagabend vor Journalisten in Castel Gandolfo, wolle der Vatikan weiter zusammenarbeiten. „Magnifica Humanitas“ hat also eine Vorgeschichte, die das Dokument alles andere als weltfremd und abstrakt erscheinen lässt. Es geht auf real existierende Bedenken ein, die ein Elon Musk oder Sam Altman von OpenAI vielleicht nicht so klar formulieren wie Christopher Ohla. Doch bei aller Herleitung aus der augustinischen Theologie und der Tradition der katholischen Soziallehre ist die KI-Enzyklika Papst Leos absolut geerdet und ein Wort zur rechten Zeit.
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