Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar

Ein Wort zur rechten Zeit

Auch die Entwickler selbst fürchten, dass sich eine Superintelligenz einmal gegen den Menschen richten könnte: Die KI-Enzyklika Papst Leos geht auf reale Sorgen ein.
Magnifica humanitas
Foto: DT / IMAGO / Italy Photo Press | Ein Wort mit 120 Seiten: Enzyklika "Magnifica humanitas"

Dem Erscheinen der Enzyklika „Magnifica Humanitas“ mit ihrem Aufruf zur Entwaffnung der Künstlichen Intelligenz hätte auch der Geruch eines frommen Wunsches anhaften können. Nach dem Motto: Der Papst putzt die hehren Grundsätze der katholischen Soziallehre blank, während die Welt nach ihren Regeln lebt. Schon manches Lehrschreiben der Päpste wurde freundlich aufgenommen, aber weggelobt. Auch diesmal hätte es so kommen können, wenn nicht bei der Vorstellung der ersten Enzyklika Papst Leos der junge KI-Pionier Christopher Ohla ein klares Bekenntnis dafür abgelegt hätte, dass es genau solche Stimmen wie ein Wort der Kirche zu brisanten technologischen Entwicklungen braucht. Ohla ist kein bekennender Katholik, vielleicht nicht einmal gläubig, aber er hat ein Gewissen. Und er fragt, ob sich eine künstlich geschaffene Superintelligenz nicht irgendwann gegen den Menschen stellen kann.

Lesen Sie auch:

Bei Hintergrundgesprächen im Vatikan vor Erscheinen der Enzyklika haben vor allem der irische Kurienbischof Paul Tighe vom Dikasterium für Kultur und Bildung und der in Silicon Valley wirkende Pfarrer Brendan McGuire berichtet, dass man in den letzten zehn Jahren freundschaftliche Kontakte zu führenden Vertretern der KI-Konzerne aufgebaut hat - auch zu Anthropic, dem KI-Konzern, den Christopher Ohla mitgegründet hat. Vor allem mit Anthropic, so sagte Papst Leo am Dienstagabend vor Journalisten in Castel Gandolfo, wolle der Vatikan weiter zusammenarbeiten. „Magnifica Humanitas“ hat also eine Vorgeschichte, die das Dokument alles andere als weltfremd und abstrakt erscheinen lässt. Es geht auf real existierende Bedenken ein, die ein Elon Musk oder Sam Altman von OpenAI vielleicht nicht so klar formulieren wie Christopher Ohla. Doch bei aller Herleitung aus der augustinischen Theologie und der Tradition der katholischen Soziallehre ist die KI-Enzyklika Papst Leos absolut geerdet und ein Wort zur rechten Zeit.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Guido Horst Guido Horst Katholische Soziallehre Pfarrer und Pastoren

Weitere Artikel

Papst Leo XIV. macht seit seinem Amtsantritt klar, dass die Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz zu den Schwerpunkten seines Pontifikats gehört. Eine Analyse.
25.07.2025, 19 Uhr
Alexander Görlach
Zwischen Leo und Luhmann: Der KI-Vordenker Max Mundhenke begrüßt die neue Enzyklika des Papstes. Und meint, vielleicht könne KI der Synodalität auf die Sprünge helfen.
01.06.2026, 13 Uhr
Henry C. Brinker
Der Papst will nicht mehr vom „gerechten Krieg“ sprechen. Muss mit seiner neuen Enzyklika also die Friedensethik der katholischen Soziallehre neu geschrieben werden?
11.06.2026, 21 Uhr
Elmar Nass

Kirche

Christus sendet nicht nur die Apostel aus, sondern beruft alle Getauften zu seinem priesterlichen, königlichen und prophetischen Amt – ausgedrückt in der Mitfeier der Messe.
13.06.2026, 21 Uhr
Manfred Hauke
Eine Carbonara zu Füßen von Giordano Bruno regt dazu an, auch moderne Häresien in den Blick zu nehmen.
14.06.2026, 05 Uhr
Mario Monte
Die US-Bischöfe weihten die USA dem Heiligsten Herzen Jesu und riefen dazu auf, die eigene Identität nicht aus Erfolg und Leistung, sondern aus Gottes Liebe zu empfangen.
12.06.2026, 14 Uhr
Meldung