Vatikanstadt

Weltfamilientreffen: Familien feiern mit dem Papst

Multizentrisch und breit angelegt: Das zehnte Weltfamilientreffen soll die Familienpastoral auf der ganzen Welt beflügeln.
Papst Franziskus - Generalaudienz
Foto: Grzegorz Galazka (Mondadori Portfolio via ZUMA) | Papst Franziskus versammelt die Familien zu einem großen Familientreffen in Rom und weltweit.

Zeugnis von der Schönheit der Liebe in der Familie ablegen, Familien stärken und sie zu apostolischem Wirken ermutigen, darum geht es bei dem zehnten Weltfamilientreffen, das vom 22. bis zum 26. Juni stattfinden soll und zwar weltweit. 1994 durch den heiligen Papst Johannes Paul II. in Anlehnung an die Weltjugendtage ins Leben gerufen, versammeln diese internationalen Begegnungen alle drei Jahre zehntausende Familien aus aller Welt um den Heiligen Vater.

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Weg zur Heiligkeit

Aufgrund der Corona-Pandemie kommen in Rom dieses Jahr nur kleine Delegationen der Bischofskonferenzen und Familienverbände aus 170 Ländern zu einem zentralen Ereignis zusammen, alles in allem rund 2000 Personen. Auf Wunsch von Papst Franziskus soll die Veranstaltung jedoch nicht nur in Rom, sondern in jeder einzelnen Diözese stattfinden. Darin liege die Chance, überall auf der Welt "Familienpastoral in Hinblick auf die Neuevangelisierung neu zu beleben", erklärt Gabriella Gambino, Untersekretärin des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben, das das Treffen ausrichtet.

"Familienliebe: Berufung und Weg zur Heiligkeit" ist das Motto der Veranstaltung, deren Patrone das selige Ehepaar Luigi und Maria Beltrame Quattrocchi sind. "Die Kirche muss mit mehr Mut die Familie als wunderbare Realität verkünden", meint Gambino. Hier sieht sie die Familien und Ehepaare besonders gefragt: "Wenn wir weiterhin nur über die Probleme der Familie sprechen und den jungen Menschen nicht begreiflich machen, welch wunderbares Geschenk sie für unser Leben ist, warum sollten dann die neuen Generationen heiraten?" Sie sieht die Kirche auch gesellschaftlich in der Pflicht.

"Ideologie hat die symbolische und anthropologische Bedeutung der Rollen innerhalb der Familie verdunkelt, sie werden auf ihre praktischen Funktionen reduziert und sind dadurch leicht austauschbar geworden." Es sei Aufgabe der Kirche, den Rollen als Ehemann, Ehefrau, Vater, Mutter und Kind ihren Wert und ihre authentische anthropologische Bedeutung zurückzugeben, so die rechte Hand von Kardinal Farrell.

Anstöße vor Ort 

Patricia und Günther Mayrhofer gehören zu der Delegation der Österreichischen Bischofskonferenz, die nach Rom fahren darf. Sie sind ehrenamtlich in der Familienpastoral engagiert und wurden vom "Familienbischof" Glettler in die Familienkommission der Bischofskonferenz berufen. Für sie ist das Weltfamilientreffen die Gelegenheit, die Rolle der Familien als Akteure der Familienpastoral hervorzuheben. "Familien können an vielen Stellen ergänzend zu den Seelsorgern in den Gemeinden apostolisch tätig sein, als Familie und Ehepaar", meint das Ehepaar, das drei Kinder von vier bis zehn Jahren hat, im Gespräch mit der "Tagespost".

Um die Familienpastoral dauerhaft zu beflügeln, reiche das internationale Treffen aber nicht. Es könne Anstöße und Inspiration geben, die dann vor Ort in den Pfarreien umgesetzt werden müssten. "Zum Beispiel haben wir uns in der Familienkommission Gedanken gemacht, wie man Familien ab der Hochzeit oder Taufe begleiten kann, damit sie nicht erst wieder zur Erstkommunion Kontakt mit der Kirche bekommen", erzählt Patricia. Eine Idee sei, dass Ehepaare aus der Gemeinde junge Ehepaare ab der Ehevorbereitung begleiten und über die Hochzeit hinaus Kontakt halten.

 

 

Auf der Website des Weltfamilientreffens findet sich umfangreiches Material zur Vorbereitung und Durchführung des Treffens vor Ort. Neben einem Gebet und sieben Vorbereitungskatechesen existiert ein "Pastoral-Kit" mit Vorschlägen zur Durchführung einer diözesanen Familienveranstaltung mit Pontifikalamt. Das Echo in deutschsprachigen Diözesen ist sehr unterschiedlich und reicht von "nichts in Planung" über die Ausrichtung eines Familiengottesdienstes bis hin zur Erstellung eines umfangreichen Programms unter Einbindung zahlreicher Akteure. Eifriger dabei sind oft die Familienbewegungen.

Stärkung von Familien

Die Schönstatt-Familie im Bistum Rottenburg-Stuttgart lädt Familien am 26. Juni ein, gemeinsam im Schönstattzentrum auf der Liebfrauenhöhe den Abschluss des Weltfamilientreffens zu begehen. Xenia und Matthias Jehle sind die Organisatoren. Ihnen ist es wichtig, dem Ruf des Papstes zu folgen und Familien Orte zum "Auftanken" zu bieten, an denen sie Glaubenserfahrungen machen und andere Familien kennenlernen können.

"Familien brauchen Stärkung und Ermutigung, damit sie die Freude an Ehe und Familie weitertragen können. Wenn Familien im Alltag davon Zeugnis geben, dann verändert das die Kirche und die Gesellschaft automatisch zum Guten", ist Xenia im Gespräch mit dieser Zeitung überzeugt. "Das ist uns wichtig als Familie, dass auch unsere Kinder solche Orte kennen lernen und die Erfahrung machen dürfen, dass wir von einer Gemeinschaft getragen werden, dass wir in der Kirche zuhause sind und dass uns Gott und die Kirche braucht", so die junge Mutter zweier Kinder.

Aus Deutschland wird der Berliner Erzbischof Heiner Koch als Leiter der Kommission Ehe und Familie der Deutschen Bischofskonferenz nach Rom fahren, begleitet von mehreren Ehepaaren aus deutschen Diözesen. Zu den zentralen Veranstaltungen gehören ein Familienfestival im Beisein von Papst Franziskus, ein eineinhalb-tägiger Pastoralkongress, sowie eine Abschlussmesse und der sonntägliche Angelus mit Papst Franziskus.


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