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Der Papst als ehrlicher Makler

Leo XIV. setzt die Friedensdiplomatie seiner Vorgänger fort: Das Risiko, dass der Kreml sein Telefonat mit Wladimir Putin propagandistisch instrumentalisiert, nimmt er dafür in Kauf.
Papst Leo XIV.: Was bleibt vom Telefonat mit Putin
Foto: IMAGO/Maria Grazia Picciarella (www.imago-images.de) | Auf Leo XIV. könnten alle Seiten zugehen, wenn sie denn nach einem wirklich gerechten und dauerhaften Frieden suchen und eine selbstlose Vermittlung wünschen.

Russland und die Päpste: Das ist schon lange eine von trügerischen Hoffnungen und enttäuschten Erwartungen geprägte Beziehung. Papst Johannes Paul II. sehnte sich danach, Russland zu besuchen und mit dem Moskauer Patriarchat einen Weg der ökumenischen Annäherung zu wagen, doch das politische wie das kirchliche Russland zeigte ihm und seinem Nachfolger die kalte Schulter.

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Papst Franziskus eilte zu Beginn der russischen Invasion in der Ukraine im Februar 2022 zum russischen Botschafter, überschüttete die russische Zivilisation mit Komplimenten und äußerte öffentlich den Wunsch, als Friedensvermittler zunächst Russland zu besuchen. Außer einem Telefonat mit Patriarch Kyrill im März 2022, das von Moskauer Seite hemmungslos verdreht und instrumentalisiert wurde, kam wenig dabei heraus.

Papst Leo XIV. hat den Krieg in der Ukraine von Anfang seines Pontifikates an im Blick: Sein Ruf nach einem „echten, gerechten und dauerhaften Frieden“, verbunden mit der Forderung nach einer Freilassung der Kriegsgefangenen und einer Heimführung der von Russland entführten Kinder zeigt einen informierten und engagierten, einen grundsatztreuen wie pragmatischen Papst. So dürfte nun auch das Telefonat verlaufen sein, das Leo XIV. mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin geführt hat: Pragmatisch forderte der Papst die Erleichterung von Hilfen und den Austausch weiterer Kriegsgefangener, grundsatztreu aber auch ein Moskauer Signal, „das den Frieden begünstigt“.

Selbstlose Vermittlung ist möglich

Illusionen über seinen Einfluss auf Putin und dessen Kriegsführung dürfte sich Leo XIV. nicht machen, hatte doch Außenminister Sergej Lawrow erst vor wenigen Tagen brüsk eine internationale Initiative abgeschmettert, russisch-ukrainische Gespräche auf vatikanischem Gebiet zu führen. Dem Papst und seinem Staatssekretariat dürfte auch bewusst gewesen sein, dass der Kreml das Telefonat in seinem Sinn instrumentalisieren würde. Und so kam es auch: Putin habe gefordert, der Vatikan solle sich „aktiver für die Religionsfreiheit in der Ukraine“ einsetzen, ließ der Kreml verlauten.

Dabei gibt es in der Ukraine einen erstaunlichen religiösen und konfessionellen Pluralismus, wenn auch eine tiefe Spaltung der Orthodoxie, die (nicht nur, aber maßgeblich) mit den politischen wie kirchlichen Machtansprüchen Moskaus zu tun hat. Umgekehrt kann von vollumfänglicher Religionsfreiheit in den von Russland besetzen Gebieten der Ukraine gar keine Rede sein. Und in der Russischen Föderation selbst ist das Moskauer Patriarchat faktisch die privilegierte und machtvolle Staatskirche, während andere Kirchen bestenfalls geduldet werden.

Noch nicht auf dem Weg zum gerechten Frieden

Während der Papst für einen dauerhaften und gerechten Frieden wirbt, sagte Putin – in diesem Telefonat wie in vielen öffentlichen Formaten – es sei notwendig, „die Ursachen der Krise zu eliminieren“. Und damit meint er die Freiheit und Selbstbestimmung des ukrainischen Volkes, dessen Identität er leugnet, ebenso wie die Souveränität des ukrainischen Staates, dem er maximal einen Vasallenstatus nach belarussischem Muster zubilligt.

Einem gerechten Frieden hat das Telefonat des Papstes mit Putin noch nicht den Weg gebahnt. Und doch ist neben echten und vermeintlichen Vermittlern, von denen viele ihre eigene Agenda und Fragwürdigkeit haben, nun ein weiterer Akteur auf dieser Bühne präsent. Auf Leo XIV. könnten alle Seiten zugehen, wenn sie denn nach einem wirklich gerechten und dauerhaften Frieden suchen und eine selbstlose Vermittlung wünschen.

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