ABC des Glaubens

Der Katechismus schützt vor Unwissenheit

Einsicht ohne Eifer ist nutzlos. Eifer ohne Einsicht aber kann fatale Folgen haben. Die Kirche hat deshalb von Anfang darauf geachtet, den Glauben zu vermitteln und zu erklären. Ende dieser Reihe über das ABC des Glaubens.
Katechismus  der katholischen Kirche
Foto: Frank May (dpa) | Der Katechismus der katholischen Kirche und das zugehörige Kompendium stellen einen Höhepunkt in der Katechismusentwicklung dar.

„Ich bekenne, dass sie Eifer für Gott haben, aber ohne Einsicht.“ (Röm. 10,2) So äußert sich der Apostel Paulus über seine früheren jüdischen Weggefährten, die Christus nicht anerkennen wollen. Bemerkenswert ist dabei die Erwähnung des Glaubenseifers, den Paulus ihnen zugesteht, von dem er jedoch zugleich bekennt, dass dieser allein nicht ausreichend ist. Im Gegenteil, fehlgeleiteter religiöser Eifer kann fatale Folgen haben und zieht sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte, von den jüdischen Christenverfolgern, zu denen Paulus selbst gehört hatte, bis zu den muslimischen Terroristen unserer Tage.

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Die Kirche Jesu Christi hat daher von Anfang Wert darauf gelegt, dass Glaube auch, wenngleich nicht nur, als einsichtige Lehre vermittelt und unterrichtet werden muss. Dass diese Überzeugung keineswegs im Gegensatz zu einem ausgeprägten Glaubenseifer stehen muss, bezeugen nicht zuletzt Märtyrer wie der heilige Polykarp († ca. 155/156). Als dieser, der sich aus freiem Willen dem weltlichen Gericht auslieferte, vom römischen Prokonsul aufgefordert wurde, seinem Glauben abzuschwören, erwiderte der zum Tode Verurteilte: „Wenn du dir etwa einbildest, ich würde einen Schwur tun beim Genius des Kaisers, wie du dich auszudrücken beliebst, dann stellst du dich, als sei dir unbekannt, wer ich eigentlich bin. Höre drum, was ich mit allem Freimut sage: Ich bin ein Christ! Falls dich aber der Inhalt des Christentums interessiert, so bestimme einen Tag, und du sollst es vernehmen!“

In der frühen Kirche war dieser Unterricht (griechisch: Katechese) in der christlichen Religion vor allem für die Taufbewerber verpflichtend. Er beinhaltete in der Hauptsache die Auslegung des Glaubensbekenntnisses sowie des Vaterunsers und fand in rein mündlicher Form statt. Als Autor des ersten Katechismus in Buchform gilt der frühmittelalterliche Gelehrte Alkuin (ca. 735-804), der interessanterweise auch als Erfinder des Regenschirms gilt.

Erster Katechismus

Man möchte dieses Zusammentreffen nicht überstrapazieren, aber vielleicht hatte Alkuin einfach ein Gespür für den notwendigen Schutz, sei es gegen Unwetter oder Unwissen. Wirklichen Schwung in die Entwicklung brachte dann erst die Reformation, die, unterstützt durch die neue Technik des Buchdrucks, großen Wert auf die schriftliche Verbreitung ihrer Lehren legte. Auch das für moderne Katechismen typische Frage-Antwort-Format wurde durch Martin Luther populär, es findet sich aber beispielsweise auch im Heidelberger Katechismus der reformierten Kirchen. Im Zuge der Gegenreformation brachte Petrus Canisius dann den ersten katholischen Katechismus (1555) heraus.

Höhepunkt unter Johannes Paul II. 

Ihren (vorläufigen) Höhepunkt fand die Katechismusentwicklung am 11. Oktober 1992, als Papst Johannes Paul II. den Gläubigen aller Welt den „Katechismus der Katholischen Kirche“ vorlegte, als „Bezugstext für eine aus den lebendigen Quellen des Glaubens erneuerte Katechese“. Seither hat dieses Werk zu vielen weiteren katechetischen Publikationen inspiriert, so etwa zum Kompendium des Katechismus (2005) oder zum Jugendkatechismus YouCat (2011), die beide das beliebte Frage-Antwort-Schema wieder aufgegriffen haben. Je auf ihre Weise tragen alle diese Werke zur Verbreitung und Vertiefung des Glaubens bei und helfen, andere zu unterweisen oder sich selbst zu orientieren.

Natürlich sollte bei alledem beachtet werden, dass man, so wichtig der Unterricht in der christlichen Religion ist, allein mit dem Katechismus im Kopf noch kein fruchtbares christliches Leben führt. Einsicht ohne Eifer ist zwar weniger gefährlich, dafür aber weitgehend nutzlos.

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